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KONTROVERS
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Interview mit Deadline

Die erste Platte "More to it..." dieser Londoner Band in den Händen haltend, verstand ich es nicht, wieso das Cover so prollig ist. Schließlich ist der Gesang von Liz das ganz und gar nicht, sondern sie versteht es sogar richtig zu singen. Etwas, was man bei Punkrock eigentlich nicht unbedingt gewohnt ist. Auf jeden Fall war ich total begeistert von dieser Combo. In Kontakt kam ich mit Hervé, dem Gitarristen, als sie den Support für die Adicts in Krefeld machten. Weiterhin begeistert von der Band beschlossen er und ich, dass wir ein Interview machen bevor die nächste Scheibe erscheint. Er war zufrieden und ich auch. Als dann auch noch Weinheim die Show im April absagte, war für mich natürlich klar das Konzert selbst im JUZ auf die Beine zu stellen. Tja und dann nahm das "Dilemma" seinen Lauf. Was ich damit meine verrate ich jetzt aber nicht, denn ihr sollt ja auch das folgende alles schön lesen:

 

Hi Hervé, wie geht es dir? Was hast du gerade so in letzter Zeit gemacht?

 

Mir geht es soweit gut. Danke der Nachfrage. Ich bin im Moment ein bisschen durch den Wind, da ich einen Haufen zu tun hatte. Da war das neue Deadline Album, dass viel Zeit in Anspruch genommen hat. Dafür sind wir aber auch alle mit dem Ergebnis zufrieden. Dann war ich neben MAD auch noch ein wenig am organisieren für die Europatour im April. Und letztlich habe ich auch noch ein paar Lieder für meine andere Band Argy Bargy geübt.

 

Tja wieso soll es ihm anders gehen, wie mir... Die neue LP ist wieder relativ kurz mit knapp über dreißig Minuten. Zudem, dass ein alter Song (Liar) und ein Cover (Sheena is...) drauf sind.

 

Findest du 12 Songs und ein Cover kurz? Also ich finde es lang genug. Wahrscheinlich sage ich das aber auch, weil es eine Sauarbeit ist sie zu schreiben und aufzunehmen. Ich denke auch, dass jeder Titel anders klingt. Ich mag es nicht sonderlich, wenn zwei Songs sich zum verwechseln ähnlich sind.

 

Womit er wohl recht hat. Es scheint, dass die neu Scheibe wesentlich softer ausgefallen ist als der Erstling. Es wirkt alles melodiöser und harmonischer.

 

Hmm, das kann ich jetzt schlecht beurteilen. Ich habe dir leider nur eine Kassette schicken können, weil mein CD-Brenner futsch ist. Doch kann ich dir versichern, dass der Sound nicht zu vergleichen ist mit der CD, denn da kommt die Platte richtig fett und bratzend! Ich glaube der Titeltrack "Back for more" ist ziemlich hart. Allerdings hast du recht, denn dieses mal legten wir mehr wert auf Melodie beim Gesang. Wie du weißt, haben wir eine gute Sängerin und haben versucht ihre ganze Stimme zu nutzen. Aber nur keine Angst, wir sind nicht softer geworden.

 

Wie kam es zu dem Song "Going Nowhere"? Es ist nicht gerade ein typischer Deadline -Song. Werdet ihr ihn auch live mit Bläser spielen?

 

Der Track ist ein bisschen wie "It Girl" auf der ersten LP oder "Do Nothing" auf der DSS Split mit den Filaments. Wir mögen den Bläser Sound schon und wollen ihn auch auf jedem Album beibehalten. Wir wollen zwar keine ganze Platte mit Bläsern machen, aber hier und da mal ein Song damit eingestreut, ist wunderbar. Die Lyrics sind auch ziemlich hart und nicht gerade poppig, wie man vielleicht bei der Musik erwarten dürfte. Zuerst hätte das Lied punkiger werden sollen, aber dann hatte ich ein gute Basslinie gefunden. Die Verse hat Liz dann dementsprechend gesungen und so bringt der Song ein gewisses Ska-Feeling rüber. Live würden wir das auch gerne mal spielen. Käme eben ganz darauf an, ob eine andere Band auch Bläser dabei hätte. Bei den Filaments ist das so. Wenn wir zusammen auftreten, dann spielen die bei uns Saxophon und Trompete.

 

Dieses Mal singt Liz alle Lieder. Hattet ihr bei der "More to it..." nicht genug Songs für sie?

 

Haha. Liz ist der "Haupt-Act" der Band, viele Leute sagten, dass sie ihre Stimme mögen. Deswegen entschieden wir ihr 99 % der Gesangsparts zu geben. Doch wenn du genau hinhörst, merkst du schon, dass wir, wie z.B. bei "Easy Life", "On the road" oder "Round the bend", viele männliche Backvocals haben.

 

Liz hat doch einen Sohn. Was macht er denn eigentlich, wenn ihr auf Tour seid? Findet er es cool, dass seine Mutter Sängerin in einer Band ist und was sagen seine Freunde dazu?

 

Zac ist unser größter Fan. So wie es aussieht werden wir auch einen Song machen, den er beginnt zu singen. Außerdem kennt er auch die meisten Lieder auswendig und ich glaube schon, dass er mächtig stolz darauf ist, eine Mutter zu haben, die in einer Band singt. Man sollte aber auch bedenken, dass er gerade mal acht Jahre ist. Für ihn ist die Szene und dieser "way of life" normal, weswegen ich glaube, dass er sich manchmal auch nichts daraus macht. Wenn wir auf Tour sind, geht er zu seinem Vater oder der Großmutter...die geben ihm dann viel Eiscrème und er merkt dann kaum, dass wir nicht da sind.

 

Was hat denn Liz vor Deadline gemacht? Spielte sie in einer anderen Band?

 

Sie hatte in einer Anarcho-Punk Band namens UxB gesungen, die so den Crass/Conflict Stil drauf hatten. Leider kannte ich sie zu dieser Zeit nicht, habe aber mal die Demos gehört und fand die nicht so dolle...haha. Als wir dann mit Deadline begonnen, hatte sie bei UxB schon aufgehört. Auf ihr Talent wurden wir aufmerksam bei dem zweiten Gundog Album. Sie sang zwei Lieder auf der "Dog's Eye View" und wir befanden sie besser als Brian den wirklichen Gundog Sänger...haha.

 

Hervé, warum lebst du in London?

 

Kennst du das Sprichwort "Das Gras ist grüner auf der anderen Seite der See". Naja, ich war gelangweilt in Frankreich und obendrein sind da ein Haufen Sachen die mich nerven. Hier ist es einfach ein super Platz, wenn du in Musik und solche Sachen involviert sein willst. Zudem habe ich die englische Psycho-, Punk-, OI!-, Ska-, Szene schon immer gemocht. Vor fast zehn Jahren ergab sich die Möglichkeit hier einen Job zu bekommen. Das habe ich dann genutzt und bin hierher gezogen.

 

Wie kam es zu dem neuen Cover? Hast du Liz morgens fotografiert, bevor sie zur Arbeit ging?

 

Haha...Ich glaube ja nicht, dass Liz so attraktiv ist, wie auf dem Cover, wenn sie arbeiten geht. Sie ist Elektrikerin bei der Stadt musst du wissen, das heißt sie trägt dann einen blauen Overall und was dazugehört. Wir entschieden Liz als "Cover" zu nehmen, um was anderes zu machen als einen großen, muskulösen Kerl mit Tattoos und Pitbull, wie das letzte mal. Diesmal haben wir eine kleine Frau mit vielen Tattoos genommen. Vielleicht wird auf der kommenden Platte dann ein Pärchen sein, man weiß es nicht.

 

Für die erste Scheibe hast du ein eigenes Label gegründet, weil sich niemand fand, der das Teil veröffentlichen wollte. Jetzt habt ihr bei Captain OI! unterschrieben. Wie kam das?

 

Na ja ganz so war es nicht. Es gab schon einige kleinere Label, die Interesse daran hatten. Nur habe ich aufgrund meiner Kontakte, der langen Erfahrungen in der "Szene" und der Zeit bei Gundog entschieden es selbst zu versuchen. Wie ich finde hat das auch wunderbar hingehauen, aber es steckt auch viel Arbeit drin. Nachdem "More to it..." erschienen war, hatten sich dann doch einige "größere" Label gemeldet und bekundeten Interesse. Bei Captain OI! landeten wir schließlich, weil er uns den besten Deal anbot.

 

In einem anderen Interview hast du mal von ner Person gesprochen, die auf euer Demo für die erste Platte ziemlich schroff reagierte und meinte ihr solltet wohl noch ein wenig an euch arbeiten. War das Mr. Brennan (Captain OI!)?

 

Keineswegs. Mark unterstützte uns eher gesagt von dem Tag an, als er hörte, dass es die Band gibt. Das war ein Mädel von Epitaph, an deren Namen ich mich nicht mehr erinnern kann. Die meinte einfach nur wir sollen mehr an unseren "Harmonies" arbeiten.

 

Wie läuft eigentlich dein Label "New Blood Records"?

 

Für das, dass es nur ein Hobby sein soll, beansprucht es sehr viel Zeit. Begonnen hatte ich mit Vinylveröffentlichungen von Gundog, woraufhin ich es als "Sprungbrett" für Deadline nutzte. Später kam auch noch die Filaments CD dazu, weil sie erstens Freunde geworden sind und sie mich zweitnes live dermaßen weggeblasen hatten, dass mir nichts anderes übrig blieb. Doch dieses Jahr habe ich keine Pläne mit dem Label. Ich werde all meine Energie Deadline widmen. Also schickt mir keine Demos, haha.

 

Ihr schreibt auf eurer Homepage, dass Deadline sehr erfolgreich ist. Habt ihr dann überhaupt noch genügend Zeit für die andren Bands?

 

Ach was, das ist doch nur ein Hype, ich weiß nicht wie erfolgreich wir sind. Ich glaube viele Leute mögen uns und das macht es schon lohnenswert. Wir reisen viel durch Europa, lernen neue Menschen kennen. Alleine deswegen lohnt es sich schon. Mit den anderen Bands ist das schon richtig schwierig. Ich habe da noch Argy Bargy, James die Warriors und Ray und Nic Knuckledust und Business. Ja es ist manchmal richtig heftig und wir zoffen uns hin und wieder auch deswegen.

 

Wie sind denn die Reaktionen oder Feedbacks der "Presse" und des Publikums?

 

Ich glaube wir schaffen es bei unseren Konzerten viele verschiedene Leute unter ein Dach zu bringen. Hier in England kommen Skins, Punks, HC Kids, Normalos und sogar Metaller und tanzen zusammen. In Deutschland kommen viele Punks und Skins. Ich nehme mal an, dass die uns alle mögen. Wir machen die Mucke die uns gefällt und wenn das dem Publikum dann auch gefällt ist das natürlich wunderbar. Bisher schien es, dass alle es gut finden. Klar haben auch wir teilweise schlechte Kritiken. Aber hey, es wäre doch langweilig, wenn jedem alles gefällt!

 

In einem Interview hast du mal gesagt, dass Politik und Musik nichts miteinander zu tun hat. Wie meinst du das genau?

 

Das ist unsere Meinung, aber ich weiß durchaus, dass es Leute gibt, die es anders sehen. Wir sind in dieser Szene wegen der Musik und dem Spaß, nicht um die Welt zu ändern. Wieso sollen Skin und Punk Bands politisch sein, wenn es Psychobilly oder Rock ´n´ Roll Combos auch nicht sind? Wir wollen eine schöne Zeit mit der Band haben. Das nimmt einen Haufen Zeit in Anspruch, dazu arbeiten wir auch noch alle und dann haben wir eben keine Zeit mehr zu philosophieren. Jedoch wenn das Leute machen wollen, Musik und Politik zu mixen, dann sollen sie das tun. Es ist ihre Entscheidung, uns ist das egal. Ich habe auch den Leuten vom Plastic Bomb gesagt, die ja ziemlich politisch sind, dass wir niemals eine politische Band sind. Die bringen unsere Platten in Deutschland auf Vinyl raus wie du weißt. Sie akzeptieren unsere Meinung und kommen damit klar und umgekehrt.

 

In dem Song "By numbers" gibt es den Vers "left hand right hand we don't mind cos at the gigs it's us you'll find". Bedeutet das, ihr habt keine Probleme mit Patrioten oder noch bescheuerterem Pack ein Bier zu trinken, oder grenzt ihr euch ganz klar von denen ab?

 

Mit Faschos haben wir nichts am Hut. Es bedeutet nur, dass wir unpolitisch sind. Aber das ist es nicht, um was es geht in diesem Lied. Lass es mich mal versuchen zu erklären. Wir alle lieben die OI! und Skinhead Szene, weswegen wir auch darüber singen. Aber, und das unterstreiche ich (!), wir machen uns nur über die Klischees lustig. Man kann das nicht so richtig erklären. Mach dir nichts draus, selbst die Amerikaner wussten nicht genau, was wir in dem Song damit sagen wollten. Das ist englischer Humor. Erzähl mir mal einen deutschen Witz und wir sehen mal, ob ich lachen muss.

 

O.k. nehm' ich mal so hin. Doch erklär' mir mal bitte, wieso ihr auf eurer CD (auf der Platte von Plastic Bomb nicht zu sehen, weil kein Beiblatt dabei ist) das deutsche Label "Blind Beggar" grüßt. Euch scheint nicht bekannt zu sein, dass die auch sehr dubiose, rechtsoffene Sachen verticken und Links zu Nazi-Bands wie z. B. "Ultima Thule" haben!?

 

Hmm, also ich habe die gegrüßt, weil er einen großen Batzen auch älterer Platten von mir gekauft hat. Ich habe mir ehrlich gesagt keine größeren Gedanken drüber gemacht was das für ein Typ ist. Wie eben jetzt mit dir und dem Interview. Da habe ich auch vorher nicht nachgeforscht, ob du nun ein bescheuerter Nazi bist oder eine durchgeknallte Zecke. Dann sollte man bitte auch nicht vergessen, dass ich in der deutschen Szene kaum weiß, wer rechts und wer links ist. So war das zumindest als ich mit Deadline angefangen habe, mittlerweile ist das auch anders.

 

Was ich aber auch nicht verstehe, ist, wieso ihr die Split mit den amerikanischen "Brassknuckle Boys" gemacht habt. Ihr wisst doch sicherlich auch selbst, dass die auf ihrem Album ein Lied von "Screwdriver" covern. Bitte sag' mir jetzt nicht, dass das eine Punkplatte ist, denn Ian Stuart war schon Mitglied der BNP bevor die Platte erschien!

 

"Brassknuckle Boys" sind derzeit die beste amerikanische Streepunk Kapelle, die es gibt und ich bin wirklich sehr froh, dass wir die Split mit ihnen gemacht haben. So werden wir bekannt in den Staaten. Ich bin zwar nicht 100 %-ig zufrieden mit dem kriegsähnlichen Cover, mit den Flaggen und dem Kram, aber ich kann mich nicht beschweren. Ich habe das Bild gesehen, bevor es in den Druck ging und habe mich nicht beschwert...Na ja zurück zu deiner Frage. Meiner Meinung nach ist das aber kein Cover von Screwdriver, sondern eine "Adaption". Eine Anlehnung. Sie haben die Melodie genommen und haben aber den Text geändert und singen über "Unity between Punx and Skins". Zudem haben doch auch "The Fuck Ups" & "Templars" auch schon Screwdriver gecovert. Würdest du behaupten, dass das Nazis sind? Ich kenne BKB nicht persönlich, weswegen ich auch nicht viel über sie sagen kann. Ich habe sie mal in den USA live gesehen und fand sie klasse. Wenn sie ein Lied von Screwdriver gecovert hätten, dann hätte ich auch keine Lust auf sie gehabt. Doch wie schon gesagt, es war nur "angelehnt" daran. Zu Screwdriver selbst muss ich sagen, dass man wirklich nicht bestreiten kann, sie hätten nicht ein paar großartige Melodien geschrieben. Klar, die Texte sind mehr als unter aller Sau, aber die Mucke ist echt gut. Viele, auch aus der Punkrock Szene, finden das erste Album von denen gehört zu den zehn besten Punk Scheiben überhaupt. Ian Stuart hingegen interessiert mich einen Scheiß.

 

Auf gar keinen Fall verstehen kann ich folgende Tatsache: Deadline hat in Belgien in der Kneipe "de Kastelein" gespielt. Der Besitzer ist bekennendes "Blood and Honour" Mitglied, Mitglied der berüchtigten "Live and Loud Crew", singt in der RAC (Rock against Communism) Band "Les Vilains", dort spielen Combos wie "Kampfzone" usw. usf.!!?

 

O.k., die Story schon wieder. Ich hörte eine Menge Geschichten über diesen Club und wusste nicht, ob wir dort spielen sollten mit Deadline. Am Schluss sprachen aber doch einige Gründe dafür:

1. Einige Bands, die wir kennen und von denen wir wissen, dass sie nicht rechts oder ähnliches sind haben dort auch gespielt. Ihrer Meinung nach ist es toll dort zu spielen. Das sind z. B. Resistance ´77 und Discipline.

2. Deadline waren eine sehr junge Band und wir haben ein erstklassiges Angebot bekommen dort zu spielen.

3. Im Laden selbst haben wir nichts bemerkt, was auf Neonazis hinweisen konnte. Zwar sah alles sehr nach Skins und Hooligans aus. Ich will jetzt nicht behaupten, dort sähe alles wunderbar und schön aus. Aber wir haben eben niemand gesehen mit nem B&H oder Screwdriver Shirt.

Langsam etwas in die Enge getrieben, was wirklich nicht von Anfang an meine Absicht war, äußerte sich Hervé auf noch mehr als zwei DIN A 4 Seiten. Bloß habe ich keine Lust mehr diese Seiten zu übersetzen. Stattdessen werde ich sie in aller Kürze zusammenfassen und auf den Punkt bringen. Zitiert wird auch nicht, weil dies einfach aus dem Zusammenhang gerissen wäre!

 

Im Großen und Ganzen läuft es darauf hinaus, dass Hervé mir/uns versucht zu erklären, wieso er unpolitisch ist. Nämlich wegen seiner Jugend in Frankreich, die nicht wirklich toll verlaufen zu sein scheint. Dort habe er als Jugendlicher große Probleme mit anderen Kids aus Nordafrika gehabt. Weswegen er aber auch noch lange nicht Menschen in Hautfarben aufteilt. Ihm liegt es näher, den Mensch, Mensch sein zu lassen. Daher rührt auch seine unpolitische Haltung. Denn jede Art von Politik ist seiner Meinung nach nichts Richtiges und deswegen auch nicht erkämpfenswert. Allerdings gäbe es auch Politnix in der Band, wie die Sängerin, die ja wie schon gesagt eher so auf Crass stand und scheinbar auch irgendwie bei der ALF (Animal Liberation Front) mitmacht und auch Nic, der angeblich Anarcho Ansichten vertritt. Fazit des Ganzen. Hervé & Band sind nach außen hin Unpolitisch. Was auch immer das heißen mag - was auch immer es zu bedeuten hat. Denn Unpolitisch gibt es nicht. Wenn dann höchstens in Verbindung mit konservativ. Und was davon zu halten ist, brauche ich hier nicht weiter zu erläutern, hoffe ich!!

 

Individuell, so hat es zumindest den Schein, sieht die Sachlage schon wieder wesentlich differenzierter aus. Zum Glück!! Bloß bleibt bei mir ein nicht nur fader Geschmack im Mund bei der Sache mit der Kneipe in Belgien. Denn Deadline besteht aus mehreren Bands, wie man gelesen hat, zwei davon haben auch schon davor in der Kneipe gespielt (Argy Bargy & Warriors)!! Diese sollen dann auch nicht gemerkt haben, dass sie in einer 1 A Nazi-Spelunke auftreten!? Sorry, aber das kann und will ich nicht glauben. Zudem wenn man sich mal die Homepage der Kneipe anschaut (www.kastelein.be), merkt man auch ziemlich schnell, wo man sich befindet. Auch würde ich gerne mal wissen, wie Frau ALF und Herr Anarchist dazu stehen!? Wer nun was mit sich ausmacht ist logischerweise jedem selbst vorbehalten. Ich/wir hatten beschlossen das Konzert mit dieser Band aus zwei Gründen abzusagen. Zum einen ist es der Anspruch an einen Selbst. Keiner konnte und wollte mit diesem Wissen eine Show organisieren. Vorerst! Zumindest muss man ihnen zugestehen, dass sie sich in Zukunft im Voraus überlegen wollen, wo sie spielen. Zum zweiten wegen dem JUZ. Schließlich ist es nach einem Mannheimer Antifaschisten, Friedrich Dürr, aus dem 2. Weltkrieg benannt, der wegen seiner Aktivitäten auch kurz vor Ende des Krieges ermordet wurde! Soweit zu Deadline. Deadline hat ein scheiß Label gegrüßt und dem auch einen ganzen Stapel Platten vertickt. Nebenbei ne Single mit ner Amicombo gemacht, die Screwdriver covern (wenn es nur "adapted" sein soll, dann hätten die Deppen den Verweis auf der Platte auch weglassen können!!). Und Obendrein in einer lupenreinen Faschokneipe geträllert. Das sind Fakten, die selbst die Band nicht bestreitet!?

 

Nun, was will ich damit? Kann sich denn noch jemand an die Aktion mit den amerikanischen "Casualties" erinnern, die zu solchen wurden, weil sie ihre Platte auf "Punkcore" veröffentlichten. Ein Label, dass auch diverse "Faschoartikel" vertrieb. Wie das aktuell ist weiß ich nicht, tut aber auch nichts zur Sache. Die Amis jedenfalls sind seitdem nicht mehr in Deutschland aufgetaucht, weil sie als latent Rechts verschrien waren. Das sie jetzt wahrscheinlich einen Major Deal unterschreiben woll(t)en tut auch nichts zur Sache. Worauf ich hinaus will ist, wer war denn damals maßgeblich an dieser Sache beteiligt und hat vielleicht sogar unbeabsichtigter Weise eine Hetzjagd auf die Band ins rollen brachte? Ja genau, es ist das Fanzine, das auch noch ein Label hat und auch die neue Scheibe von Deadline rausbringen wird, obwohl sie "nur" von der Sache mit der belgischen Spelunke nicht wussten: das Plastic Bomb! Keineswegs will ich hier nun eine neue Hetzjagd auf eine Band eröffnen oder auf die Bombe. Ich finde es nur bemerkenswert merkwürdig. Jetzt habe ich auch noch kurz Rücksprache mit dem Swen vonner Bombe gehalten und der meinte, dass es ihm eher Leid tut, um ihn selbst, wegen dem, was er damals losgetreten hat. Denn anstatt, dass sich auch mal andre Fanzines mit so ner Sache auseinandergesetzt hatten stand/steht er allein auf weiter Flur. Dass sie jetzt auch mit einem Seitenhieb meinerseits zu rechnen haben, sei auch nicht weiter schlimm, sondern eher gut. Ich muss dazu sagen, dass ich es schade finde, sowohl vom Plastic Bomb, als auch von den anderen "Großen", somit wird die Grauzone nämlich immer größer! Worüber ich mir außerdem echt mal Gedanken machen muss bzw. ich mir die Sichtweisen weiterer verschiedener Leute aus anderen Ländern anhören werde, ist deren Umgang mit Faschismus respektive Antifaschismus. Denn nicht nur Hervé ist einer jener Menschen die damit eher lax umgehen.

 

Wobei das nicht heißt, dass ich meine Sensibilitätsgrenze, wenn man das so nennen kann, weiter Richtung Grauzone/Rechts verschieben werde, sondern versuchen möchte diese Stellung zu kapieren, nicht akzeptieren. Denn dann glaube ich kann man auch erklärend mitteilen, wieso man viele Institutionen, wie Ehe, Grenzen, Vaterlandsstolz/Patriotismus usw. "antrainierten" Schwachsinn ablehnt und sich teilweise dagegen auflehnt. Das soll aber auch keineswegs heißen, dass es nur in Doofland die einzig richtigen Antifaschisten gibt. Das dies nicht der Fall ist braucht mir keiner weismachen zu wollen. Schließlich haben wir genügend Linksfaschisten über die ich an dieser Stelle jetzt mal nix sagen werde.

 

Nur gibt es zur Zeit genügend andere Länder mit faschistischen Tendenzen, wie man jeden Tag inner Glotze nachschauen kann. Doch was leider nie so richtig aufarbeitet wurde, wie beispielsweise in Doofland, woran man auch immer noch arbeitet, ist jener Faschismus. Mich würde es nicht wundern, wenn ein Großteil der britischen und U.S. amerikanischen Bevölkerung gar nicht weiß, dass es auch in ihren Staaten Internierungslager gab! - Da kommt mir Japan ins Gedächtnis. Dort soll es sogar Geschichtsbücher geben, in denen der zweite Weltkrieg gar nicht erwähnt wird!! - Vielleicht ist gerade dies der Grund für die "deutsche (Punk-) Szene" derart zu reagieren bei diesem Thema. Eben weil man sich mit solchen Dingen auseinandersetzt. Ich weiche vom Thema ab. Darum sollte ich jetzt schließen. Denn Rechtsfaschismus - Linksfaschismus, Zersplitterung, Unity und der ganze Quatsch kommt ohnehin mal noch zur Sprache! Bocky

 

Dieses Interview stammt aus der Pogo-Presse Nr.13

 

http://www.pogopresse.de


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