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“The way of Life” of the “Barking Dogs”


Düsseldorfer Band ohne Berührungsängste zum Neonazi-Spektrum

 

Die 1994 gegründete Band ”Barking Dogs” aus Düsseldorf gehört mit zu den beständigsten Gruppen, die sich im RechtsRock-Bereich in NRW finden lässt. Obwohl die Gruppe keinerlei Berührungsängste zum offen neonazistischen Spektrum aufweist, reagiert sie dennoch ungehalten, wenn sie als politische Band der extremen Rechten gehandelt wird und kultiviert statt dessen ihren “Skinhead Way of Life”. Man versteht sich als “unpolitisch”.

 

“hoffentlich versucht die band nicht weiterhin das label ‚unpolitisch‘ zu nutzen. wenn man so von den ****** angegriffen wird muss man zurueck schlagen ..alles andere waere feige”, stammelte am 6. Juli ein “Kamerad” im Gästebuch der “Barking Dogs”. Bezug nahm er auf eine antifaschistische Demonstration gegen RechtsRock wenige Tage zuvor in Düsseldorf, die auch bei “Dogs”-Frontmann Ingo Wolff vorbeizog. Dieser antwortete schnell und zornig: Man lasse sich “nicht von irgendwelchen Wixern vor einen Karren spannen”, sondern werde seinen “eigenen Weg weiter gehen”. Auch die “Freie Kameradschaft Düsseldorf” scheint nicht ganz zufrieden mit den “Dogs”: “Schon ‘nen Tisch im ‚Paulaner‘ reserviert? Na an der Front sieht man Schwätzer wie Dich ja nie!”, pöbelte “Kameradschaftsmitglied” Udo Birr, Betreiber des “Nationalen Infotelefons Rheinland” von 1994 bis 1997, nächtens im Gästebuch der “Barking Dogs” gegen eines der Mitglieder der “24 Road Crew”, ein zirka 20- bis 30-köpfiger Fan- und Freundeskreis im engsten Umfeld der Combo, der auch für Security- und Ordnerdienste eingesetzt wird, aber laut Band-Homepage “weit mehr als nur Security und Fangemeinde” sei. Keine zehn Stunden später entschuldigte sich Birr und trug damit dem Spannungsverhältnis, in dem die offen agierende militante Neonazi-Szene und die Band zueinander stehen, Rechnung: “Der vorangegangene Eintrag von mir ist ein 2 Promille Ergebnis, da kocht bei mir immer ein wenig das Blut!”

 

Bandgeschichte, Hauptakteure und Inhalte

 

Trotz zumeist gemäßigter Texte haben die “Barking Dogs” nie Zweifel an ihrer politischen Einstellung aufkommen lassen, und folgerichtig auch auf vielen Konzerten zusammen mit neonazistischen Bands gespielt. So zum Beispiel am 20. Juli 2002 in einer Lagerhalle eines Abschleppunternehmers in Bottrop mit den neonazistischen Bands “Brigade M” aus den Niederlanden und “unseren Freunde von Faustrecht” (Zitat Wolff) aus Kempten. Auch “Oidoxie” und die französische Combo DSH sollten hier auftreten, wozu es zu später Stunde aber aufgrund eines Polizeieinsatzes nicht mehr kam. Jeder möge halt seine eigene Meinung haben, so die “Dogs” – und da stört es dann auch nicht, wenn mehrere Mitglieder der “24 Road crew” fleißig bei neonazistischen Aufmärschen mit marschieren.

 

Hilfreich bei der Einschätzung der ursprünglich aus Krefeld stammenden Band dürfte auch eine Betrachtung des musikalischen Werdegangs ihres Sängers Ingo Wolff sein. Der RechtsRock-Gemeinde in Deutschland wurde er Anfang bis Mitte der neunziger Jahre durch seine Mitgliedschaft in der 1991 gegründeten und zwischenzeitlich aufgelösten Düsseldorfer Band ”08/15” um Rainer Sebrecht bekannt. Ebenso wie Sebrecht und ein früheres “Barking Dogs”-Mitglied fungierte der aus Willich stammende Wolff als Begleitbandmitglied und Schlagzeuger von Ken McLellans englischer RechtsRock-Kultband ”Brutal Attack”. In dieser Zeit knüpfte er bereits umfangreiche internationale Kontakte. Sebrecht drückte schon damals im Namen von “08/15” in der niederländischen Neonazi-Postille “Vaderland” aus, was auch heute für die “Barking Dogs” Gültigkeit haben dürfte: “In Germany we have to be careful about the lyrics cause we have very hard laws and there`s a big pressure against us. We can not sing what we want. Our songs are not too directly and you have to read between the lines.”

Noch während er bei “08/15” spielte, gründete Wolff mit “Arbeiterklasse” sein eigenes Bandprojekt. Zirka 1997 stieg er bei den “Barking Dogs” ein, die sich aufgrund des Rückzugs ihres vorherigen Sängers nach einer neuen “Kraft” umsahen. Er entwickelte sich rasch zum Kopf der Band, die sich in der Folgezeit noch mehrmals personell umgestaltete. Nur eines der Gründungsmitglieder der ehemals Krefelder Band, die an ihrer ehemaligen Wirkungsstätte noch einen Proberaum unterhält, ist heute noch dabei.

 

1997 erschien beim Düsseldorfer bzw. Langenfelder RechtsRock-Label von Torsten Lemmer, “Funny Sounds”, das selbst betitelte ”Skinhead Rock”-Debütalbum, auf dem die “Dogs” eine musikalische Standortbestimmung ablieferten, der sie bis heute treu geblieben sind. Von Zusammenhalt, Treue, Stolz, vielen Feinden, Kampf, “deutscher Jugend” und einem “sauberen Deutschland” handeln ihre Texte, strafrechtlich bedenkliche Passagen bewusst aussparend: “Die deutsche Jugend, die darf sich nicht wehren. Doch deutsche Skinheads, die kann man nicht belehren. Doch haltet zusammen - gemeinsam sind wir stark. Für ein sauberes Deutschland, so wie ich es mag.”

1998 folgte die CD “Dein Tag”, produziert von Jens Pühse vom NPD-Bundesvorstand, 2001 dann “Royal Aces”, erschienen bei “Agitator Records”. An den Themen in den Liedtexten änderte sich nichts Wesentliches. Worum sich die ”Barking Dogs” sorgen bzw. wofür sie stehen, daran lassen sie weiterhin keinen, der hinhört, im Zweifel: ”Egoismus ist, was euch alle prägt, feige Nutten, wenn`s um die Heimat geht”. Oder durch kämpferische Aussagen wie im Song ”Fight”: ”We fight for honour, the pride and the truth” und etwas später ”We fight for deutschland, so loyal and true, defend our country, that’s what we do”. Ihre ideelle Zugehörigkeit zur “White Power”-Bewegung bekunden sie auch durch Zeilen wie ”Born white - born free” oder ihr Bekenntnis ”We’ve got the power, the patriotic sound”. Ganz in diesem Sinne huldigt dann auch der Song ”Valhalla” dem verstorbenden ”Blood & Honour”-Begründer und Kopf der britischen RechtsRock-Band ”Skrewdriver” Ian Stuart Donaldson: ”Ian Stuart war der Name eines weißen Barden, dessen Lieder soviel Kräfte gaben. So sang er seine Lieder von Europa in Not”.

Besonders markant und durchgängig in den Liedtexten sind die Bezüge auf ihr Verständnis von “Skinheadkult” und ihr Selbstverständnis als Skinheads. Immer im Wechselbad der Gefühle zwischen Ohnmacht bzw. angeblicher gesellschaftlicher Opferrolle und der machtvollen Herorisierung des martialischen Kultes. ”Jeder versucht Dich kleinzukriegen, doch Du läßt Dich nicht besiegen, Du bist stolz und Du bist kahl, der Skinheadkult ist Deine Wahl.” Nicht eine von ihnen verpönte dogmatische (Partei-)Politik, sondern gelebte rechte Skinhead-Weltanschaung steht bei den ”Barking Dogs” im Vordergrund. Ohne Zweifel an ihrer Gesinnung und Einstellung aufkommen zu lassen, schaffen sie dabei eine Vereinigung von rechtem Lebensgefühl in Verbindung mit Stolz auf den Skinheadkult und bierseliger Ausgelassenheit.

2002 veröffentlichte die Band dann beim Label “Backstreetnoise” und in Kooperation mit der Band ”Selbststeller” (“Riesa boot boys”) aus Riesa die Split-CD ”Tattooed Rebels” (zum Thema Tättoos siehe LOTTA Nr. 13, S. 26 ff). Zu dieser Band mitsamt ihrer ”Twenty Two Boot Boy Crew” verbindet die “Barking Dogs” eine langjährige, stark kultivierte Freundschaft. Die fünfte CD der “Dogs”, die den Titel “Schluss mit Lustig” tragen soll, steht derzeit kurz vor der Veröffentlichung.

 

Einsam zwischen “den Fronten”

 

Neben ihren Konzertauftritten mit neonazistischen Bands, sind die “Dogs” aber auch bestrebt, auf vermeintlich ”unpolitischen” Oi / Punk-Konzerten zu spielen. Einen derartigen Versuch gab es z.B. am 13. April 2002 in der Düsseldorfer Altstadt. Hauptact sollte die Dinslakener Oi-Band ”Verlorene Jungs” sein, der von Seiten antifaschistischer Gruppen schon häufig und zurecht eine fehlende Distanz zu RechtsRock-Bands vorgeworfen worden war. Diesmal aber bekamen die ”Jungs” kalte Füße und sagten zum großen Ärger der “Barking Dogs” kurzfristig ihren Auftritt und damit das gesamte Konzert ab: ”Es ging um Musik, Spaß - Parole Spaß eben - und kein Mensch hatte dabei auch nur einen Moment an Politik gedacht”, war damals auf ihrer Homepage zu lesen. ”Aber dann brach hier mit einem mal der Sturm los. (...) Und irgendwann ging es nur noch um Politik. (...) Rechts und links - es kotzt mich an.” Exakt hier setzen auch die “Barking Dogs” an, die gegen “Spaltung” des “Kults” wettern und “Einheit”, “Toleranz” und “Konsequenz” einfordern. Wolff zur Absage der ”Verlorenen Jungs”: “Man wollte eigentlich nicht vorhandene Grenzen überschreiten. [...] Es ging [...] ganz allein um die Musik und den ‚Way of life‘! Schade, daß einige Leute zu schwach sind, an einem Strang zu ziehen!!!” Wolff weiter: “Wir werden einen Scheißdreck tun und uns dafür entschuldigen, daß wir mit ‚rechten‘ Bands zusammen spielen.” Und um allzu aufdringlichen Partei- und Kameradschaftsaktivisten keine falsche Hoffnungen zu machen: “Ich gebe einen Dreck auf eure Möchtegern Politik, denn wie es in Deutschland aussieht, das weiss ich selber und muss es mir nicht immer wieder von Neuem von irgendwelchen ‚superschlauen‘ Politkomposthaufen auf mein Butterbrot schmieren lassen.  [...] Unsere Musik trifft ganz klare Aussagen.” Das tut sie; und nicht nur deshalb sollte die Band auch als das angesehen werden, was sie ist: als Struktur, die ihren festen Platz unter den RechtsRock-Bands in der BRD hat, und deshalb zu bekämpfen ist. 

 

Von Pierre Briegert und Sabrina Fess (Der Artikel erschien in der Lotta # 14)


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