 | NS-Black-Metal in NRW |
 "Satans Söhne des Krieges"
Nordrhein-Westfalen kann im Gegensatz zu Thüringen und Sachsen sicherlich nicht als eine Hochburg des NS-Black Metal bezeichnet werden. Trotzdem lohnt es sich, auch hier einen Blick auf diverse Projekte aus dieser Szene zu werfen.
Der spektakuläre ”Satansmord” in Witten am 9. Juli 2001 hatte für Aufsehen gesorgt und rückte auch die Black Metal-Szene in den Blick der Öffentlichkeit (siehe LOTTA Nr. 7, S. 17-18). Daniel und Manuela Ruda, die einen Arbeitskollegen Daniel Rudas mit symbolträchtigen 66 Stichen und Schlägen ermordet hatten, inszenierten sich nach ihrer Verhaftung als Befehlsempfänger Satans und bedienten damit das Interesse der Medien, die sich - fasziniert von einer Mischung aus Okkultismus, Horror und Sex - auf diesen Fall stürzten. Während Black Metal als solcher immer noch vornehmlich mit Satanismus assoziiert wird, vertritt der rechte Flügel der Black Metal-Szene, inspiriert von der nordischen Mythologie, ein sozialdarwinistisches und rassistisches Gesellschaftsbild, bis hin zu neonazistischer Ideologie, gepaart mit einem gewalt- und kriegsverherrlichenden Gestus.
Eine NRW-Reise durch das ”Feuer der Dunkelheit” (Magog)
Namen wie ”Waffen SS”, ein Projekt der Oberhausener NS-Black-Metal-Band ”Coven Of The Worm” (C.O.T.W.), sind Programm. Bei C.O.T.W., die ihr Demo ”Crush The Dogs” auf dem Duisburger Label ”Dark Empire Production” von Manuel Melzer veröffentlichten, wirkte u.a. der Oberhausener Thorsten Kunz mit, genannt ”Krieg”. Dessen Hauptaugenmerk gilt jedoch seiner Ein-Mann-Band ”Wehrhammer”. Kurze Zeit hatte er diese auf Eis legen müssen, da ”Krieg” im Mai 2001 auf einen antifaschistischen Punk geschossen und diesen lebensgefährlich verletzt hatte (siehe LOTTA Nr. 6, Seite 17) und dafür verurteilt wurde. Während er für seine Tat eine Haftstrafe verbüßte, konnte er sich der Solidarität seiner ”Kameraden” sicher sein. Die neonazistische Postille ”Der Förderturm” bezeichnete die Tat von Kunz als ”Notwehr” gegen einen ”prozionistischen Black-Metaller”. Jens Schöpfe (”Brand”) aus Mudersbach bei Siegen, der Kunz während der Schießerei zur Seite gestanden und ein Messer gezückt hatte, veröffentlichte auf seinem Label ”Torment Records” sogar eine Single mit dem Titel ”Freiheit für Krieg”. Auf der Scheibe gibt sich neben der NS-Black Metal Band ”Panzerfaust” die Band ”Armatus” die Ehre, neben ”Satans Sign Of War” eine weitere NS-Black Metal Band Schöpfes. Der umtriebige Siegener zeichnete zudem für das Fanzine ”Satanic Underground” verantwortlich und betreibt darüber hinaus einen Versand, der ebenfalls unter dem Namen Torment Records firmiert. ”New fucking releases on Torment Records!!! But... warning... JUDEN WERDEN HIER NICHT BEDIENT”, sondert Schöpfe im Gästebuch des Labels und ”Versands Christhunt Productions” aus Leopoldshöhe ab. Der Inhaber von Christhunt, Marco Martin, veröffentlicht und vertreibt neben gewöhnlichen, eher ”unpolitischen” Bands wie ”Impending Doom” auch etliche neonazistische Gruppen wie ”Sadorass” oder ”Nachtfalke”. So ist es kein Zufall, dass Christhunt auch den Nazi-Skin Versand ”V7” und den ”Deutsche Stimme-Versand” der NPD beliefert. Der Name ”Christhunt” verweist im Black Metal-Kontext auf den Kampf gegen das ”judeo-christliche System”. So ruft auch Christoph Ott aus dem nur wenige Kilometer von Leopoldshöhe entfernten Bielefeld mit seiner Black Metal Band ”Imperium Sacrum” zum ”Kampf für Blut und Ehre” gegen die Christen auf, die er als ”dekadente Ansammlung von Untermenschen” bezeichnet.
In der Öffentlichkeit weit weniger rechts gibt sich ”Vatryas Vakyas” aus Düsseldorf. Das alleinige Mitglied der Band Falkenbach bezeichnet in Interviews zwar schon mal Alfred Rosenberg als einen lesenswerten Autor, dennoch werden auf seinem Label ”Scaldic Art” hauptsächlich vermeintlich unpolitische Gruppen wie die in Deutschland äußerst beliebte Pagan Metal-Band ”Menhir” veröffentlicht. Die heidnische Ausrichtung solcher Gruppen wie Menhir zeigten jedoch oftmals starke Affinitäten mit genuin rechter Ideologie. Auch wenn die inhaltlichen Bezüge anderer Art sind, agieren Bands wie ”Obscure Vortex” aus Oberhausen, ”Zarathustra” aus Solingen und ”Darkened Nocturn Slaughtercult” aus dem Bergischen in einer ähnlichen Grauzone. Die Kölner Gruppe ”Mjölnir” um Brian Gaus (”Lord Arkthorn”) und A. Frank (alias Goozer) ist jedoch eindeutig im NS-Spektrum zu verorten. Die CD ”Hinweg über die Tore der Zeit” war das erste Produkt aus der Zusammenarbeit zwischen den Labels ”Darker than black” (DTB) von Hendrik Möbus und dessen Bruder Ronald Möbus und ”Hate Records” von Mirco Hesse von den ”Hammerskins Sachsen”. Sowohl um ”Mjölnir”, als auch um diverse andere Projekte von Gaus und Frank, wie die Band ”Thy Majesty” herrscht schon lange Funkstille. Nicht viel anders verhält es sich inzwischen mit ”Frozen Illusion”, in der Goozer Schlagzeug spielt. ”Frozen Illusion” geben sich zwar unpolitisch, hatten jedoch keine Probleme, sich bei der Gestaltung ihrer Homepage von Goozers Bekannten, der Ex-Kölnerin und Black Metal-Liebhaberin Lisa Sagrudny vom Bund Heimattreuer Frauen, unter die Arme greifen zu lassen. Sagrudny betreibt betreut auch die Homepage der KDS-”Kameradschaft Köln”. Wenn auch äußerst selten, so wirken auch in der NS Black Metal-Szene Frauen mit. Das zwischenzeitlich eingestellte Fanzine ”Darkness” beispielsweise wurde von Sarah Helmich aus Düsseldorf herausgegeben, erschien aber genauso wie das Duisburger Magazin ”Leichenkuss” aus Duisburg über Manuel Fröbel.
Aus Bochum stammt das Fanzine ”Runenblut”, herausgegeben von Malte Baus. In der ersten und bislang einzigen Ausgabe vom Frühjahr 2002 werden neben den üblichen Konzert- und Tonträgerbesprechungen Interviews mit bekannten NS-Black Metal Bands wie ”Magog” und ”Barad Dür” geführt. Vertrieben wird das Magazin über ”Lelysses Distribution” (ebenfalls Bochum). ”Lelysses” waren auch kurze Zeit für das Spendenkonto des inhaftierten Hendrik Möbus verantwortlich, bis es wieder in die Hände von Heike Langguth, der Lebensgefährtin von Ronald Möbus überging. Ein anderes NS-Black-Metal-Blatt ist das ”Blutvergießen”-Zine aus Essen, herausgegeben von Heiko Urbanzyk, der auch einen gleichnamigen Versand betriebt. Doch nachdem Urbanzyk den von ihm anvisierten Job als Erzieher bei der Stadt Oberhausen aufgrund von antifaschistischer Aufklärungsarbeit nicht bekam, stellte er vorerst auch seine politischen Aktivitäten ein. Probleme mit engagierten AntifaschistInnen bekam auch Richard Neu aus Bergisch Gladbach, der bereits Anfang 2001 seine Magazine ”Viking Force” und ”Germanenmacht” sowie die NS-Black-Metal-Bands ”Siren” und ”Lestat” zu Grabe trug.
Aktiv ist dagegen noch die ”Deutsche Heidnische Front” (DHF), die deutsche Sektion der von Kristian Vikerness (”Varg”) gegründeten Nazi-Organisation ”Allgermanische Heidnische Front” (AHF). Neben dem Bonner Studenten Thorsten A., der zusammen mit der bereits erwähnten Helmich das ”Arische Black Metal Forum” initiiert hatte, gehört Frank Krämer als Verantwortlicher des ”Gau Rheinland” zur ”Führungsriege” der ansonsten mitgliedsschwachen DHF (siehe LOTTA Nr. 7, Seite 19). Der aus Hennef (Rhein-Sieg Kreis) stammende Krämer ist Mitglied der neonazistischen Skin-Combo ”Stahlgewitter” und der NS-Black Metal Band ”Halgadom”. Von ”Halgadom” erschien im Herbst 2002 die zweite CD ”Verdunkelung des Göttlichen”, die als ”Heidnische Klänge im Neo-folk-Gewand” (sic!) beworben wird.
Fazit
Auch wenn die NS-Black-Metal-Szene und deren - oft kurzlebige - Projekte im Vergleich zur ”klassischen” neonazistischen Skinhead-Szene im RechtsRock-Bereich nur einen geringen Anteil einzunehmen scheint, so ist es AntifaschistInnen dennoch angeraten, den NS-Black-Metal auch in NRW nicht aus den Augen zu verlieren. Nicht zuletzt der fast tödlich verlaufende Angriff von Thorsten Kunz auf einen Antifaschisten zeigt, dass es in der NS-Black-Metal-Szene nicht bei großspurigen und nach innen gerichteten Sprüchen und markigem Getue bleibt.
Von Johannes Lohmann (Artikel erschien in der Lotta #11) |