 | Eugenik |
 Die Nazi-Skinhead-Gruppe Eugenik wurde eigenen Angaben zufolge im Herbst 1996 in Gera gegründet. Mit der Hinwendung zu rechter Politik und der Öffnung für neue Musik-Stile (z.B. Black Metal) änderten Oigenik (von Oi - Skinhead/Punk-Schlachtruf vom englischen Joy = Spaß/Freude) ihren Namen. Eugenik bezeichneten sich selbst in einem Interview als Mitglieder der inzwischen verbotenen White Youth- Bewegung, auf der Homepage war vor dem Verbot ein Gespräch veröffentlicht, fast wortgleich erschien es auch in einer Zeitschrift namens "Voice of the White Youth" der Sektion Südbrandenburg.
Zu einer Hausdurchsuchung gegen die Betreiber der Eugenik-Homepage kam es am 20.02.2001 auf Grund einer Anzeige einer lokalen Brauerei, deren Logo die Band unberechtigterweise benutzt hatte. Zur gleichen Zeit wurden auch die Räume des Aufruhr-Versandes der Kameradschaft und NPD-Kader Krautheim und Soa durchsucht, wohl wegen des Verdachts auf Volksverhetzung. Anfang 2001 wurden (und werden weiterhin mindestens bis April) auf der Internet-Seite von Eugenik zwei Interviews mit den Black-Metal-Projekten Thurisaz (angeblich ein Andy-Limmer-Ding mit Denis Schoner am Schlagzeug) und Peststurm (ex-Totenburg, ebenfalls mit Schoner) geboten sowie einige Black-Metal-Konzertberichte, alles mit einer Menge Fotos. Die Seite ist überhaupt recht aufwendig gestaltet, mehr dazu weiter unten. Thurisaz spielen angeblich Anfang 01 ein Album im Proberaum der Eugeniker in der Nähe des ehemaligen Wema-Klubhauses in der Geraer Max-Planck-Str. ein. Im früheren - wohl gemeinsamen mit Antiphrasis - Proberaum in der Keplerstr. sollen außerdem öfters Mitglieder der Erfurter Band Brutale Haie anwesend gewesen sein. Die Namen der Eugenik-Mitglieder werden im Interview wie folgt angegeben: John - Gitarre, Niebs - Bass, Olli - Gesang und Roberto - Schlagzeug.
Bekannt ist auch, dass einer der "Geraer Stadtmusikanten" der umtriebige White Youth-Nazi Froehlich ist, erkennbar an seinem großen Eugenik-Aufkleber im Heckfenster. Nach eigenen Angaben veröffentlichte die Combo bisher eine Demo CD, Konzerte wurden unter anderem bei Partys in der Nazi-Kneipe in Heilsberg (wiederum Eigenangabe) aber auch anderswo gegeben: so am 02.12.2000 in Glossen vor 200 Zuschauern mit den weiteren Bands Blutstahl (ex Division Wiking aus Jena) und Protest (ex- Order of Purity aus Gera) - das unter Widerstand der Nazis aufgelöste Konzert war ursprünglich für Altenburg geplant, dazu mehr weiter unten - und am 16.12.2000 in Zschopau mit Odessa, bei der Auflösung des als Weihnachtsfeier angemeldeten Konzertes kam es wiederum zu Ausschreitungen.
In Ostthüringen und Westsachsen scheint die Band über beste Verbindungen zu verfügen, bezeichnenderweise rekrutiert sich die Neubelebung der Band Kreuzfeuer (früher Kroizfoier aus Sachsen, heute Altenburger Gegend) auch aus ehemaligen Mitgliedern einer Black-Metal-Band, was Eugenik sehr erfreuen dürfte. Ob es sich bei dem weiter unten erwähnten "Freundschaftskonzert" um das Konzert am 21.01.2000 in Borna handelte, ist derzeit noch unklar.
Auf der Homepage der Band ist seit ca. April 2001 auch die neofaschistische Radiosendung Rübezahl im Angebot, die Musik u. a. von den Geraern Legion Ost und Oithanasie anpreist. Diese erneute Erweiterung des Angebots ist nur einer der Gründe, die den Eindruck bestätigt, dass es sich hier nicht um das normale Internet-Angebot einer Skinhead-Combo handelt, sondern dass hier die Arbeit der verbotenen White Youth fortgeführt wird, als deren Mitglieder sich die Bandmitglieder in einem Interview geoutet hatten.
Aus: "Rechtsextremismus im Internet - die neue Gefahr", Rainer Fromm/Barbara Kernbach, Olzog-Verlag, München 2001
"Aus Thüringen stammt die Band "Eugenik", die seit Herbst 2000 mit einer Homepage im Internet vertreten ist. Die Musikgruppe aus Gera existiert seit 1996 und gehört nach eigenen Aussagen der "White-Youth-Organisation" an. Mit dem provokativen Namen will die Band ihr Bestreben nach Reinhaltung der deutschen Rasse zum Ausdruck bringen. Die interaktive Seite ist recht professionell aufgemacht und enthält neben MP3-Angeboten auch ein Gästebuch. Als Kontaktadresse gilt die E-Mail-Adresse "Schwarze Garde". Die Homepage dokumentiert zahlreiche Informationen über die Band und Fotos von ihren Auftritten.
Deutlich wird die große Nähe der Skin-Musiker zur schwarzen Szene, deren Konzerte ebenfalls von "Eugenik" besucht und empfohlen werden. So organisierte die Gruppe gemeinsam mit der Kombo "Stahlgewitter" "eine Art Freundschaftskonzert zwischen der Black-Metal- Bewegung und der Skinhead-Bewegung". Auf der Eugenik-Homepage finden sich Interviews mit Black-Metal-Bands wie "Peststurm". Hier loben die Musiker die NPD als "gute Partei" oder die neonazistische "Allgermanische Heidnische Front" als "sehr gute Organisation". Zur Black-Metal- Szene heißt es weiter: "Black Metal stand schon immer für Extremes & sollte Sachen wie Misantrophie, Sodomie, Hass, Schmerz, Folter, Tod, Winter, Heidentum usw. behandeln. Black Metal sollte einen eigenen Geist besitzen, der nicht Massenkompatibel ist & nicht gnadenlos vermarktet wird und solch kiffendem Untervolk nicht zugänglich gemacht wird."
In einer riesigen Sammlung mit über 200 Links verweist die Gruppe zu internationalen "Blood & Honour"- Sektionen, internationalen Hammerskin-Sektionen, "German 88", "Oikrach", "Hass-Attacke", "Junge Freiheit", "Nation & Europa", "Deutsche Stimme", "Stormfront", Frank Rennicke, "New Knigths of the Ku-Klux-Klan", "NSDAP/AO", "Niggerwatch", "14 Word Press", Heathenfront", "Polish NS Black Metal", und revisionistischen Seiten wie David Irving, Radio Islam, CODOH, IHR bis hin zur islamistischen Hisbollah. Damit wird auch die Gefahr der subkulturellen Skinhead-Seite deutlich. Jugendliche, die über Musik auf diese Homepage kommen, haben sofort alle wichtigen Kontakte in den weltweiten Rechtsextremismus."
mehr Info's zu Gera: http://aag.antifa.net/awa/index.html
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