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 | Volkstanz und Nazi-Rock |
 Zum diesjährigen Pressefest der NPD-Parteizeitung kamen knapp 5.000 Faschisten ins ostsächsische Mücka. Die NPD sprach während der Veranstaltung von 7.000 Teilnehmern, die Zahl wurde in der „Deutschen Stimme" später auf 6.900 korrigiert und in einem Bericht vom „Aktionsbüro Norddeutschland" schließlich auf 6.500 reduziert. Die Teilnehmer waren aus allen Teilen der Bundesrepublik mit unzähligen PKW und etwa zwanzig Bussen angereist, vereinzelt fanden sich auch Besucher aus dem Ausland, z.B. von der ADF Wien.
Der Betreiber der Diskothek „Wodan" in Mücka/ Kreis Görlitz, Erik Myrta, stellte sein Gelände zum wiederholten Male für rechtsradikale Veranstaltungen zur Verfügung. So fand im Mai eine NPD-Wahlkampfveranstaltung mit Frank Rennicke in der Diskothek statt. Für das Pressefest mietete die NPD das gegenüberliegende Gelände einer insolventen Firma dazu. Während in der Diskothek die Saalveranstaltungen stattfanden, befand sich das große Festzelt und die Konzertbühne auf dem Platz gegenüber. BenutzerInnen der Landstraße wurden so gezwungen im Schritttempo mitten durch die Naziveranstaltung zu fahren. Der Ort Mücka war ganz in der Hand der Neonazis. Nur einige Sprühereien auf den Zufahrtsstraßen deuteten auf so etwas wie antifaschistischen Widerstand. Der Aufforderung in einer Erklärung der evangelischen Kirche, dem Nazi-Spektakel keine große Aufmerksamkeit zu schenken, kamen die meisten BürgerInnen auch nach.
Die NPD zog ein umfangreiches Programm an Reden, Musikbeiträgen, Vorträgen (Peter Naumann), Lesungen (Gerhoch Reisegger, Klaus Sojka) und Wettkämpfen (Rodeoreiten, moderiert von NPD-Pressesprecher Klaus Bei-er) zügig durch. Während in einem großen Verkaufszelt nicht nur einschlägige T-Shirts und CDs verkauft wurden, sondern auch Propagandamaterial angeboten wurde (u.a. „Junge Landsmannschaft Ostpreußen", „Nationaldemokratischer Hochschulbund", „Nationales Bündnis Dresden", die „Hilfsgemeinschaft nationaler Gefangener", NPD, „Braune Hilfe", „Aktionsbüro Norddeutschland", „Nationalanarchisten", „Der Freiwillige", „Deutsche Militärzeitschrift", „Die deutsche Schrift", „Nationales und Soziales Aktionsbüro Mitteldeutschland", „Gemeinschaft deutscher Frauen", „Heimattreue Jugend", „Bund freie Jugend"), sprachen die Altnazis Herbert Schweiger und Hajo Herrmann sowie der Auslandsbeauftragte der antisemitischen russischen Pamjat-Bewegung, Alexander Kamkin sowie NPD-Chef Voigt. Zwischendurch traten die Nazi-Liedermacher Jörg Hähnel, Michael Müller, Sleipnir und Frank Rennicke auf. Dass dieser in der Nazi-Szene auch weiterhin als ‚Volkssänger‘ gefeiert wird, zeigte auch die von ihm angebotene Signierstunde, die über zwei Stunden andauerte.
Das Abendprogramm auf dem Gelände, das insgesamt erheblich größer war als im Vorjahr in Meerane, wurde von Jens Pühse mit den Worten eröffnet, er wolle hier während der Musik keine erhobenen rechten Arme sehen, auch wenn es bei manchem entsprechend zucken würde. Konnten sich die ‚Kameraden‘ die Hitlergrüße denn auch weitgehend verkneifen, so waren später doch etliche tätowierte Hakenkreuze zu sehen und der Nazi Michael Müller hielt eine antisemitische Suada gegen Michel Friedman, für die ihn die Polizei vom Platz hätte holen müssen.
Zum musikalischen Hauptprogramm gehörten die Bands „Radikahl", die von ihren Nazi-Fans mit Sprechchören (‚Wir sind total - Radikahl‘) gefeiert wurden; erstmals seit dem Konzert in Dessau im Jahre 1999 traten auch wieder „Kraftschlag" auf, deren neue CD zu Hunderten über die Theke ging und bereits am späten Nachmittag ausverkauft war. Den Abschluss bildete die US-Band „Youngland", die noch am gleichen Abend in die USA zurückflog.
Die Polizei verzichtete auf eine ernsthafte Kontrolle der anreisenden Faschisten und Nazi-Schläger. Nur vereinzelt wurden Autos durchsucht. Ob dahinter eine politische Gesamtstrategie stand oder der einfache Wunsch, möglichst wenig Stress zu haben, blieb offen.
Besonders auffällig war das Engagement von Neonazis aus Ostwestfalen Lippe. An der Eingangskontrolle stand morgens Gerd Ullrich aus Detmold, an der Bühne trieb sich Bernd Stehmann aus Bielefeld herum, zu dem sich Markus Spilker aus Herford/Hiddenhausen gesellte. Chef des „Ordnungsdienstes“ war der wegen verschiedener einschlägiger Gewaltdelikte vorbestrafte Manfred Börm, ein alter Weggefährte von Michael Kühnen und früherer Gauleiter der inzwischen verbotenen „Wiking-Jugend“ (WJ). Die NPD verlässt sich bei der Durchführung derartiger Veranstaltungen auf Kader inzwischen verbotener militanter Organisationen wie der WJ und der „Nationalistischen Front“ (NF). Für gute Stimmung auf dem Gelände sollte die häufig verkündete Prognose zu den Landtagswahlen in Sachsen am 19. September sorgen. Hieß es im Juli noch, dass eine Wiederholung des Wahlergebnisses bei der Europawahl 2004 für die rechten Parteien nach den vorliegenden Befunden nicht zu erwarten sei, veröffentlichte der MDR Anfang August eine Umfrage, nach der die NPD sogar maximal 14% der WählerInnenstimmen erhalten könnte. Das „Aktionsbüro Norddeutschland“ faselte angesichts solcher Aussichten sogar von einer „Volksfront von Rechts“. Ob die auch die erzielten Eintrittsgelder des Pressefestes ordentlich beim „deutschen“ Finanzamt versteuert, bedarf gewiss einer sachlichen Überprüfung.
Von Jörg Hemmers und Michael Klein
dieser Artikel erschien im Rechten Rand Nr. 90 |

 | Sächsische Behörden tolerieren neonazistisches Spektakel |
 Ungehindert konnten am Samstag, den 7. August über 5000 Neonazis aus dem gesamten Bundesgebiet das so genannte „Pressefest“ der NPD im Landkreis Görlitz in Sachsen feiern. Die überwiegend glatzköpfigen Neonazis hatten nur eine planmäßig erwartete Polizeikontrolle in einigen Kilometern Entfernung zu passieren, danach waren sie im kleinen Dörfchen Mücka unter sich.
Kein Protest vonseiten der Bevölkerung, keine Hundertschaften Polizei säumten das Riesen-Festgelände um die Diskothek „Wodan“. Anhänger der rechtsextremen Szene mit „Landser“-Emblemen oder verbotenen „Blood&Honour“–Huldigungen wurden nicht zur Rechenschaft gezogen – dem einzigen kontrollierenden Beamten des Landratsamtes schienen diese Gruppierungen sogar unbekannt. Anders als ein Jahr zuvor in Meerane waren keine uniformierten Beamten vor Ort, Journalisten, die beim Pressefest recherchierten, sollten sich im Notfall an die „110“ wenden.
Zwanzig Euro Eintritt kassierten die rechtsextremen Veranstalter. Später verkündete „Deutsche Stimme“-Chef Jens Pühse stolz von der Bühne, es seien angeblich fast 7000 pinkfarbene Bänder verkauft worden – die Polizei dagegen sprach von „4000 und mehr Teilnehmern“.
Im weißen Festzelt am Rande des Industriegeländes stellten diverse rechte Gruppen ihre Pamphlete aus, unter anderem warb das „Aktionsbüro Norddeutschland“ mit Inge Nottelmann, Tobias Thiessen und Jörn Lemke für die neonazistische Kampagne gegen die „Wehrmachtsausstellung“. Auffallend viele Anhänger aus dem Kameradschaftsspektrum, von den so genannten Autonomen Nationalisten und Hooligans nahmen in diesem Jahr Platz ein. Sie verdrängten ruhigere Kameraden in den dunklen Vortragssaal der Diskothek „Wodan“ zu Vorträgen von Ex-Bombensammler Peter Naumann oder zur Buchlesung von Gerhoch Reisegger unter der Moderation des JN-Vorsitzenden Stefan Rochow.
Auf dem Freigelände fanden sich am Nachmittag auch einige Neonazis aus dem Umfeld der kriminellen Band „Landser“ ein. Ihrem Kultstatus entsprechend trugen sie schwarze Sonnenbrillen, Zöpfe und T-Shirts mit dem Schriftzug „Vandalen“, sie saßen an einem seperaten Tisch.
Stark tätowierte Glatzen aus Nordrhein-Westfalen feierten den „nationalen Liedermacher“ „Sleipnir“. Dessen bayerischer Kollege Michael Müller konnte später unter begeistertem Jubel den fiktiven Selbstmord eines bekannten Gegners verkünden: „Michel Friedman hat sich erhängt!“ Ungehindert sang er an dessen Adresse gerichtet weiter: „Und Kameraden, nicht die Endlösung ... die Problemlösung ist schon in Sicht, sie befreit uns von manch’ Bösewicht. Am Himmel ich Fallschirme seh, ja Paolo, das wär eine wunderschöne Idee! Schöner Gruß von Möllemann!“
Der russische Neonazi Alexander Kamkin lobte den „Befreiungskampf“ der Deutschen, Altnazi Hajo Hermann wirkte bei seiner Ansprache vor dem glatzköpfigen Publikum eher fehl am Platz. Ihm folgte als Redner der NPD-Bundesvorsitzende Udo Voigt.
Um die grölende Masse nicht zu sehr mit Wahlkampfpropanda für die bevorstehenden Landtagswahlen in Sachsen zu langweilen, hatten die Organisatoren Holger Apfel und Jens Pühse die einschlägigen Rechtsrockbands „Radikahl“, „Kraftschlag“ und „Youngland“ eingeladen. Dass die ihre indizierten Lieder nicht spielen durften, ärgerte die grölende Masse und richtig Stimmung kam nicht auf. Die Musiker machten immer wieder die Technik dafür verantwortlich. Ordnungsdienstleiter Manfred Börm schien dagegen sehr zufrieden, trotz starken Andrangs an den Bierbuden blieb es weitestgehend ruhig. Und dass während der Veranstaltung immer mal wieder der Arm zum verbotenen Hitlergruß ausgestreckt wurde, störte weder ihn – noch die Polizei.
Andrea Röpke
dieser Artikel erschien im BNR |

 | Deutsche Stimme Pressefest – Meerane, Mücka, immer wieder Sachsen |
 Auch dieses Jahr fand das Deutsche Stimme Pressefest wieder in Sachsen statt. Mit mehreren Tausend Besuchern (nach Angaben der NPD 7000) wurde die Zahl im Vergleich zum letzten Jahr in Meerane um ein vielfaches überschritten. Den gesamten Tag über reisten Nazis an. Allein 20 Reisebusse aus dem gesamten Bundesgebiet parkten in unmittelbarer Nähe zum Festgelände.
Der Betreiber der Diskothek WODAN in MÜCKA, Erik MYRTA stellte sein Gelände für das große Nazispektakel zu Verfügung. Da dieser Platz jedoch bei weitem nicht ausreichte, mietete die NPD zudem noch ein gegenüberliegendes Gelände einer insolventen Firma an. Während in der Disko die Saalveranstaltungen stattfanden, befand sich das große Festzelt und die Konzertbühne auf dem Platz gegenüber. Die Musik der Bands KRAFTSCHLAG, RADIKAHL, YOUNGLAND und verschiedener Liedermacher u.a. Frank RENNICKE hörte man noch weit entfernt in den Nachbargemeinden.
Myrta und die Diskothek Wodan sind in der Vergangenheit schon mehrmals im Zusammenhang mit Naziveranstaltungen aufgefallen. Mitte der 90ger fanden dort mehrere Naziskinkonzerte mit bis zu 1000 Besuchern statt und im Mai diesen Jahres gastierte Frank Rennicke im Rahmen einer NPD Wahlkampfveranstaltung zur Europawahl in der Diskothek.
Aus Dresden waren unter anderen Hartmut Krien und Fritjof Richter vom Nationalen Bündnis Dresden angereist. Während sich der neue Dresdner Stadtratsabgeordnete Krien mit reichlich Propagandamaterial eindeckte, stand der stellvertretende Vorsitzende des Bündnisses, Freddy, mit seinem üblichen selbstgefälligen Grinsen auf der Landstrasse und kam sich furchtbar wichtig vor.
Die Polizei führte zwar bis zum frühen Nachmittag an den Zufahrtsstrassen der Nachbarorte Vorkontrollen und am Abend Alkoholkontrollen durch, aber in Mücka selbst hatten die Nazis freie Hand und bestimmten für den Tag allein das Stadtbild.
Von einigen Sprüherein auf den Zufahrtsstrassen abgesehen, gab es keinen spürbaren antifaschistischen Widerstand. Im anbetracht der Tatsache, dass dieses Nazigroßereignis auch nächstes Jahr sicher wieder in Sachsen stattfinden wird und auch dann wieder Tausende Nazis aus dem gesamten Bundesgebiet anreisen werden, ist es die Aufgaben der Antifa Mittel und Wege zu finden, diesem Treiben ein Ende zu setzen bzw. es nachhaltig zu stören.
von: ART Dresden
http://venceremos.antifa.net |

 | Deutsche Stimme - Fest in Mücka (Sachsen) |
 Pressemitteilung
Görlitz, 4. August 2004
Neonazistische Großveranstaltung im ostsächsischen Mücka mit mehreren Tausend Teilnehmern geplant
Am 07. August soll in Mücka in Ostsachsen das Pressefest der Deutschen Stimme, dem Parteiorgan der NPD, stattfinden. Angekündigt sind eine Reihe extrem rechter Liedermacher, Bands und Redner aus verschiedenen Nationen sowie "kulturelle" Angebote.
Unter anderem sollen die Neonazi-"Barden" Frank Rennicke und Jörg Hähnel auftreten. Des Weiteren die us-amerikanische Band Youngland und die deutsche Band Kraftschlag, die in ihren Liedern teilweise offen den Nationalsozialismus verherrlicht.
In den letzten Jahren hat sich das Deutsche Stimme Pressefest zu einem der wichtigsten Termine im Veranstaltungskalender der extremen Rechten entwickelt. So nahmen im Jahre 2003 im westsächsischen Meerane über 3.000 Personen daran teil. Von einer ebenso hohen Teilnehmerzahl kann auch in diesem Jahr ausgegangen werden. Zudem kam es während der Pressefeste auch zu Gewalttaten. So griff im letzten Jahr ein Neonazi aus Bischofswerda einen Kameramann von Spiegel TV an und verletzte ihn erheblich. Von seiner Größenordnung gehört das Pressefest neben den Aufmärschen in Wunsiedel (Todestag von Rudolf Heß am 17.8.´87) und Dresden (Bombardierung am 13.2.´45) zu den bedeutendsten Großereignissen der deutschen Neonaziszene.
Geplant ist das Pressefest in Zusammenarbeit mit der Mückaer Diskothek Wodan. Diese hat sich in der Vergangenheit immer wieder als offen für neonazistische Veranstaltungen erwiesen. Erst im Mai diesen Jahres fand hier eine Wahlkampfveranstaltung der NPD statt. In den Jahren 1996-98 wurde die Diskothek bundesweit als Austragungsort von Neonazikonzerten mit bis zu 1000 Teilnehmern bekannt.
Zum Pressefest äußert sich Hagen Kreisel von AMAL Sachsen: "Solche neonazistischen Großveranstaltungen verfolgen immer den Zweck junge, politisch noch nicht gefestigte Jugendliche an die extrem rechten Ideologien heranzuführen und ihnen über einen "Erlebnischarakter" extrem rechtes Denken zu vermitteln. Hinzu kommt, dass es zur Vernetzung und Verstetigung von Kontakten genutzt wird. Die Tatsache, dass aus ganz Europa Teilnehmer zum Deutsche Stimme Pressefest anreisen werden, unterstreicht diese Dimension deutlich. Für die Betroffenen rechter und rassistischer Gewalt in Ostsachsen ist so eine Großveranstaltung ein Schlag ins Gesicht. Sie fragen sich, wie demokratische Menschen und Verantwortungsträger so etwas zulassen und hinnehmen können."
Diese Position vertreten ebenfalls mehrere ostsächsische Jugendvereine, die sich unter anderem auch gegen rechte Tendenzen engagieren, sowie die Netzwerkstelle gegen Rechtsextremismus in Niesky.
Gemeinsam fordern wir eine öffentliche Debatte über rechte Strukturen und rechtsextreme Aktivitäten, wie das geplante Pressefest der NPD am Wochenende. Kommunalpolitische Verantwortungsträger, Vereine und Verbände aus der Region sind aufgefordert, sich diesem gesamtgesellschaftlichen Thema zu stellen und rechtsextreme Aktivitäten zu verurteilen.
Ignoranz kann kein Mittel sein, rechtsextremen Strukturen zu begegnen!
Neonazistische Veranstaltungen dürfen nicht toleriert werden!
Neonazis dürfen jetzt und zukünftig keine Räume und Möglichkeiten finden,
ihre menschenverachtende Ideologie zu feiern und zu verbreiten!
AMAL Sachsen - Hilfe für Betroffenen rechter Gewalt, Beratungsteam
Ostsachsen
Jugendhaus Hammerstadt e.V.
Rumpel e.V. Ebersbach
Alraune e.V. Zittau
HausundHof e.V. Görlitz
Netzwerkstelle Niesky
AMAL-Beratungsteam Ostsachsen
AMAL - Hilfe für Betroffene Rechter Gewalt
Beratungsteam Ostsachsen
Bautzener Str. 20
02826 Görlitz
Telefon: 03581 / 878583
mobil: 0170 / 3180755
Fax: 03581 / 878584
E-mail: amal.goerlitz@ndk-wurzen.de
www.amal-sachsen.de |

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