 | Kein Nazizentrum in Pößneck! |
 Jürgen Rieger kauft Schulungszentrum mit Konzertgelände in Thüringen
Pößneck. Im 30 km von Gera entfernten Pößneck hat Jürgen Rieger ein Haus gekauft. Der einschlägig bekannte Nazi-Anwalt aus Hamburg will dort ein "Bildungszentrum zu errichten". Der zeitweilig Beauftragte des Landkreises für die Stadt Pößneck, Klaus Wippert, hatte Anfang des Jahres die "englische Kulturstiftung" in London, die das Schützenhaus bei einer Immobilienauktion am 13. Dezember 2003 für 360 000 Euro von der Rathausplatz GmbH in Willich ersteigert hatte, angeschrieben. Ohne zu wissen, dass sich hinter dem Eigentümer die Wilhelm-Tietjen-Stiftung für Fertilisation (Fruchtbarkeitsforschung) Limited mit Sitz in London und ihr Direktor Jürgen Rieger verbirgt, hatte Wippert angefragt, ob die Räumlichkeiten auch weiterhin für städtische Veranstaltungen genutzt werden können. Das sei durchaus vorstellbar, doch bis Februar 2005 laufe noch ein Pachtvertrag mit dem Voreigentümer, hieß es in dem Antwortschreiben, das bezeichnenderweise nicht aus London, sondern aus Hamburg kam.
Rieger teilte mit, er würde den im Jahre 2003 geschlossenen Fünf-Jahres-Pachtvertrag mit der Diskothek Kulti weiterhin einhalten, eine Döner-Gaststätte fände er jedoch unpassend. Das türkische Spezialitäten-Restaurant musste inzwischen schließen.
Nun wolle der neue Eigentümer das rechte Zentrum für Tagungen, Kongresse und Musikveranstaltungen nutzen. "Auf die endgültige Nutzungsform will er sich dem Schreiben zufolge aber erst Ende des Jahres festlegen", so der städtische Rechtsamtsleiter Udo Schäfer.
"Ich habe erst am 9. Juli aus der OTZ erfahren, dass das Schützenhaus in der Hand Rechter ist", beteuerte der stellvertretende Bürgermeister Bernd Künast auf Nachfrage der Presse. Erst danach hätte Landesverfassungsschutzpräsident Thomas Sippel ihn davor gewarnt, dass die Immobilie in Pößneck von der rechten Stiftung für überregionale Aktivitäten genutzt werden könnte.
"Wozu brauchen wir einen Verfassungsschutz, wenn er uns nicht rechtzeitig warnt?", fragte Klaus Wippert empört. Auch Landrat Frank Roßner zeigte sich enttäuscht: "Nun besteht die Gefahr, dass mitten in der Stadt in unmittelbarer Nähe von zwei Schulen ein rechtsradikales Propagandazentrum entsteht."
Wolfgang Fiedler, innenpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Thüringer Landtag, räumt Versäumnisse ein und versucht sich so dem Thema zu entledigen. "Dass das Schützenhaus in Pößneck in rechtsextreme Hände fällt, hätte bei einer besseren Kommunikation vermieden werden können."
Pößneck ist nicht zufällig gewählt. Gelegen im rechten Ballungszentrum nahe Gera, ist gerade in der kleinen Gemeinde von einer Stärkung der rechten Szene auszugehen. Die rechten Angriffe nahmen dort in den letzten Monaten drastisch zu.
Sollte Rieger sein Vorhaben in die Tat umsetzen, droht uns neben der Jenaischen Straße 25 in Jena, wo u.a. die NPD ihren letzten Landesparteitag abhielt, ein weiteres Schulungs- und Konzertgelände der Nazis in Ostthüringen. Dies würde insbesondere für die Menschen vor Ort weitreichende Konsequenzen nach sich ziehen. Ein solches Zentrum führt schnell zu einer Kumulation rechter Kräfte in der Region und einer Häufung politischer Straftaten. Darüber hinaus besteht aber auch die Gefahr einer weiteren landesweiten Vernetzung und Organisierung der Naziszene in Thüringen.
mehr unter: http://aag.antifa.net/ |