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 | Abriss Korrekt! - Aufruf zu einer Demonstration der Kampagne "Schöner Leben Ohne Naziläden" am Samstag, 14.10.2006 in Chemnitz |
 Die Bauaufsicht kommt.
Als im September 2004 etwa 400 Demonstrant_innen erstmals unter dem Motto unserer Kampagne "Schöner Leben Ohne Naziläden" gegen die Chemnitzer Nazigeschäfte "Backstreetnoise" und "PC-Records" auf die Straße gingen, sah kurz darauf vieles nach einem schnellen Erfolg der Demonstration aus. Das gewalttätige Auftreten von 200 Nazis gegen die Demonstration mit tätlichen Angriffen, Steinwürfen und antisemitischen Rufen sorgte für Schlagzeilen. In der Gruppe der Angreifer befanden sich Mitglieder der verbotenen Kameradschaft "Skinheads Sächsische Schweiz", Hooligans des Chemnitzer FC, Mitglieder lokaler Nazibands, Kämpfer so genannter Freefight-Veranstaltungen, Mitarbeiter von Chemnitzer Security-Firmen und der damalige Chemnitzer Republikaner-Stadtrat Martin Kohlmann. Die Konsequenz: Der Vermieter das Bundesvermögensamt - kündigte den Mietvertrag, mit dem Hinweis, dass ein weiteres ruhiges Mietverhältnis nicht mehr möglich wäre. Die Nazis gaben sich indes weiter unbesorgt: "Der Laschi" macht das schon, war im Internetportal "Triff Deinen Chemnitzer" in einem Posting zu lesen. Hendrik Lasch, einer der Betreiber, habe den Umzug des Geschäfts sowieso schon lange geplant. Kurz darauf zeigte sich der Ladeninhaber des "Backstreetnoise" wieder mit der Organisation eines Nazikonzert in einer Diskothek im Einkaufszentrum "Vita Center" offensiv.
Fehler im Flächennutzungsplan.
Im Frühjahr 2005 zogen beide Geschäfte in einen Betonwürfel in der Salvador-Allende-Straße, einem anderen Teil des Fritz-Heckert-Gebiets, um. Der Alltag heute: Autos mit Heckaufklebern wie "Todesstrafe für Kinderschänder" oder eben "Backstreetnoise" rollen auf den Parkplatz in der Nähe der Geschäfte, Leute steigen aus und heben am gegenüberliegenden Sparkassenwürfel Geld ab, dann laufen sie schnurstracks in die Läden und kehren irgendwann bepackt mit T-Shirts und Stapeln von CDs zu ihren Autos zurück. Bilderbuchhaft zeigen die beiden Geschäfte - und auch ein Blick auf die zugehörigen Homepages - wie das Business funktionieren kann: Wenn auch unterbrochen von antifaschistischen Protesten, so aber getragen von einer steten Nachfrage nach Nazi-Lifestyleprodukten.
"Political Correctness, Nein Danke!", so der Titel einer kürzlich von der Bundesprüfstelle für Jugendgefährdende Medien indizierten CD des Labels "PC-Records", das ein durchgestrichenes "PC" im Logo führt. "Political Correctness" ist ein Begriff der neuen Linken, mit dem gegen verschiedene Formen von Diskriminierung vorgegangen werden soll. Beispiele wären die Bemühungen um Geschlechtsparität in politischen Gremien oder die Ablehnung diskriminierender Begriffe wie "Farbiger" oder "Neger", die aus der Zeit des Kolonialismus stammen. Von neokonservativer Seite wurden diese Bemühungen mit dem Argument abgelehnt, mit "Political Correctness" seien sinnlose Tabus und Denkverbote verbunden. "PC" wurde so zu einem Feindbild, bevor sie wirkungsmächtig wurde. Dem rechten Spektrum dient die Ablehnung des Begriffs heute zur Selbstinszenierung als "rebellisch" und "freidenkerisch". Rebellisch kommt es Labelbetreiber Yves Rahmel vor, mit Produktionen der Bands "Blitzkrieg", "Schwarzer Orden", "Reichswehr" den Nationalsozialismus zu glorifizieren und damit vorhersehbar auf dem Index der Bundesprüfstelle zu landen. Bereits hier werden Anknüpfungspunkte zu Kreisen der "neuen Rechten" sichtbar: Der Verweis auf den aus ihrer Sicht übermächtigen Einfluss "linken" Denkens.
Beide Geschäfte setzen jährlich jeweils weit über 100 000 Euro um. Sie betreiben einen regen Onlinehandel, gleichzeitig wird Einfluss auf die Subkultur vor Ort ausgeübt. Der Versand "Backstreetnoise" wurde in einer von der Bundeszentrale für politische Bildung herausgebrachten CD-Rom als repräsentatives Beispiel eines Nazivertriebes hervorgehoben, aber in der Stadt selbst regte sich seit dem Umzug kaum Protest, von einigen vereinzelten Protestbriefen von Mietern der Salvador-Allende-Straße abgesehen. Die Läden sponsern einerseits ein Nazi-Event wie das "Fest der Völker" (2005 in Jena), andererseits Kampfsportveranstaltungen mit rechten Kämpfern und Zuschauern wie den "Fight Club", bei denen Nazisprüche geschrieen werden und Nazi-Musik erklingt. In der Stadt nimmt davon kaum jemand kritisch Notiz. Die Nazis haben sich eingerichtet, und die Bürger haben sich großteils mit ihnen abgefunden. Auch die Polizeirazzien - dieses Jahr bereits zwei bei PC-Records, einmal wegen der Weiterführung des Nazi-Netzwerks "Blood&Honour, einmal wegen dem Vertrieb einer Hooligan-CD zur Fußball-WM - erregen kaum Aufsehen. Die Betreiber können damit leben, Indizierungen und Razzien machen erst den subversiven Kult. Wie zum Triumph prangt seit geraumer Zeit ein riesiges Schild mit dem Schriftzug "Backstreetnoise" auf dem Dach des Doppelgeschäftes, bis hinüber zur Stollberger Straße weithin sichtbar, wie für einen Supermarkt. Die Betreiber der beiden Nazigeschäfte sind jetzt nicht mehr auf die Gnade der Vermieter angewiesen, Hendrik Lasch ist nun selbst Eigentümer des Gebäudes. Derweil liegt das Entwicklungskonzept für den Stadtteil auf Eis, seit dem einige Verantwortliche bemerkten, dass es sich bei dem einzubindenden Modegeschäft um ein vom Verfassungsschutz beobachtetes Projekt handelt.
Günstiger Standort, schwere Mängel.
Chemnitz, eine Stadt der Rentner_innen. Manchmal stößt eine Seniorin mit einem Jugendlichen zusammen, nicht weil es mit den Augen nicht mehr so gut klappt, sondern weil dieser mittels Camouflage von Thor Steinar im städtischen Grün untertaucht. Die sportlich gekleideten Vertreter der rechten Szene, neben der Nazi-Marke "Thor Steinar" gern auch mit einschlägigen Bandshirts wie "Betrayed Blood" oder "Blue Eyed Devils" bekleidet - geben sich im Stadtbild jugendlich, dynamisch und subversiv. Die subkulturelle Stärke der Nazis ist über Jahre gewachsen. Nach der Straßengewalt der Nachwendejahre bildeten sich seit Mitte der 90er Jahre in der Stadt organisierte Zusammenhänge der Nazi-Musikszene heraus, die von bundesweiter Bedeutung sind. Nehmt Euch Schlagzeilen wie beispielsweise um die Band "Landser", die Schulhof-CD der freien Kameradschaften oder Großveranstaltungen wie das "Fest der Völker": die Chemnitzer Nazis sind mit von der Partie, vor allem wenn es um die Vermarktung des rechten Lifestyles geht. Vor Ort bietet nicht nur Musik eine Erlebniswelt für Nazis, auch Kampfsportveranstaltungen wie der "Fight Club", die Hooliganszene des CFC, Tattoostudios, Kneipen und Security-Dienste versprechen Abwechslung vom "bunten" Alltag und einträgliche Geschäfte.
Exemplarisch zu nennen wäre in diesem Zusammenhang die Karriere des ehemaligen Hooliganschlägers Rico Malt, der mittlerweile als Securitybeschäftigter auch vor "alternativen" Läden steht und in seiner Freizeit Nazikonzerte organisiert. Beim "Fight Club" wird er für den Hauptkampf gegen einen Polizisten angekündigt und selbstverständlich war er an den Übergriffen auf die antifaschistische Demonstration im September 2004 beteiligt. Dass sich Securityfirmen aus rechten Hooligankreisen rekrutieren, ist erst einmal nicht verwunderlich. Nur für manche eben tödlich wie für den 17jährigen Punk Patrick T. 1999 in Oberlungwitz bei Chemnitz, erschlagen von Security-Mitarbeitern aus dem Dunstkreis der "Haller-Security". Diese war auch zum Schutz der Nazi-Läden während der antifaschistischen Demonstration im September 2004 eingesetzt. Nur erwähnt werden kann hier das Vorhandensein von weiteren Läden wie dem "Waffen Army Shoes" an der Brückenstraße oder dem "Rascal"/"The Clash" auf der Limbacher Straße die im gleichen Käuferbiotop wildern, wenngleich sie nicht das politische Engagement wie "Backstreetnoise" oder "PC-Records" entwickeln. Ebenfalls nur am Rande der Hinweis auf die einschlägigen Lokale, in denen sich "national betrunken" werden kann, wie im "Sachseneck", dominiert vom inzwischen verbotenen "Schutzbund Deutschland", oder im "Yesterday" im Europark Altchemnitz, wo politische Veranstaltungen der NPD/JN angeboten werden .
Schlammige Baustellen.
Die kulturellen Bemühungen der alten Naziskinheadkreise sind Vor- und Kontrastbild für eine andere Gruppe, die sich seit vier Jahren dem neurechten Kulturkampf verschrieben hat: Die "Pennale Burschenschaft Theodor Körner" unter der Schirmherrschaft des Ex-Republikaners Martin Kohlmann. Ihr Projekt einer Schülerzeitung namens "Blaue Narzisse" ist überregional angelegt. Die Mitglieder sind in die "Deutsche Burschenschaft" und die Zeitung "Junge Freiheit" eingebunden. "Theodor Körner" fungierte als Vorfeldorganisation für Ausbreitungspläne der Rechten in der Chemnitzer Universität mit einer neuen Organisation, der Burschenschaft "Freiberger Burschenschaft Arminia zu Chemnitz". Widerstand dagegen ist an der Chemnitzer Universität kaum zu erwarten. Seit Jahren herrscht unter der Ägide des Politologen Eckhardt Jesse ein Klima in den Geisteswissenschaften der Universität, dass durch die totalitarismustheoretische Schule bestimmt wird. Jesses Geschäft sind Interventionen ins politische Tagesgeschehen, die auf eine Stärkung des deutschen Patriotismus zielen. In seinen Bemühungen um eine "Historisierung des Holocaust" verharmlost er Antisemitismus und nimmt die Relativierung des NS in Kauf. In der Regionalzeitung "Freie Presse" wird Jesse gern als Sachverständiger zu parteipolitischen Fragen interviewt. Die größte Ostdeutsche Tageszeitung mit 353 000 verkauften Exemplaren täglich fährt redaktionell einen scharf rechtskonservativen Kurs. In der regionalen Berichterstattung werden Meldungen wie über die Razzien bei PC-Records oder über Naziübergriffe heruntergespielt, wie zum Beispiel die Nazirandale beim Spiel St.Pauli-CFC. Unter anderem provozierten hier Anhänger der CFC-Fangruppierung "New Society" mit Roten Fahnen mit eingeschlossenem weißen Kreis, nachdem sie ihre geliebte Thor Steinar- Kleidung für ein Auswärtsspiel ablegen mußten. Über den Ticketservice der Freien Presse sind auch die Karten für den "Fight-Club" erhältlich. Für das Pressefest der "Freien Presse", ein Open-Air-"Familienfest", das von der Zeitung veranstaltet wird, arbeitet seit Jahren die "Haller-Security" - Proteste von Antifas dagegen blieben ohne Reaktion. "Chemnitz", so ist auf der städtischen Webseite zu lesen, habe "Flair und Ausstrahlung. Vielleicht eine etwas spröde, nicht sofort in's Auge fallende, dafür aber eine unverwechselbare Ausstrahlung, die sich mitunter erst auf den zweiten Blick offenbart." Chemnitz ist eine Stadt, in der Migrant_innen in menschenunwürdigen Verhältnissen untergebracht und von der Polizei schikaniert werden. Doch, kann sich die Polizei als "Vollzugshilfe" der in Chemnitz ansässigen Zentralen Ausländerbehörde Sachsens (ZAB) begreifen. Die ZAB ist verantwortlich für die Durchsetzung einer Abschiebepraxis, die auch vor Geiselnahmen von Kindern nicht zurückschreckt. So wie im Falle eines Polizeieinsatzes im März 2006 in Dresden, als ein dreijähriges Kind aus dem Kindergarten entführt wurde, um als Druckmittel für die Abschiebung der Mutter benutzt zu werden. Hier werden die Grenzen des zivilgesellschaftlichen Antirassismuss deutlich. Dort wo staatlicher Rassismus akzeptiert wird, muss jugendliches Engagement in "multikulturellen Aufklärungskampagnen" zwangsläufig verhallen, wie Trommeln im Walde.
Der Abrißbescheid.
Die Situation vor der vor zwei Jahren durchgeführten Demonstration der Kampagne "Schöner Leben ohne Naziläden" stellte sich so dar: In den Räumlichkeiten einer öffentlichen Institution befinden sich Naziläden. Nach der Demonstration war es einfach, mit wenigen, informellen Gesprächen das Bundesvermögensamt zur Kündigung zu bewegen. Diese Auseinandersetzung entspricht dem, wie in dieser Stadt Politik gemacht wird. So leicht wird diesmal der kommunale Anti-Nazi-Kampf nicht zu gewinnen sein. Die Geschäfte existieren im Kontext einer breiten Verankerung der hier vermarkteten Ideologien in der Gesellschaft. Zudem handelt es sich um Privateigentum, dessen Schutz immerhin Staatsaufgabe ist. Nach dem Umzug hat sich niemand zu diesem Dilemma geäußert, die politischen Kräfte sind untergetaucht. Diese Ausgangslage scheint für antifaschistische Interventionen erst einmal ungünstig zu sein, diese sind aber notwendig. Der problemlose Fortbestand deutet ja offensichtlich auf Ursachen hin, die nicht mit einem Akt bürgerlichen Rechts aus der Welt zu schaffen sind und mit denen die Auseinandersetzung daher gescheut wird. Kurzum: Die Politik weiß nicht weiter, wenn die Probleme mal nicht auf der Nachfrageseite liegen. An sich wäre eine Äußerung politischer Kräfte ähnlich der des ehemaligen Regierungssprechers Uwe Karsten Heye angezeigt. Angsträume für Migrant_innen, No-Go-Areas und einen wachsender Einfluß menschenverachtender Ideologie hatte er konstatiert und auf die tödlichen Folgen verwiesen. Doch statt solche Tendenzen einzugestehen und zu problematisieren, werden diese in Chemnitz einfach totgeschwiegen. Ganz im Sinne des Horkheimerschen Diktums "Wer aber vom Kapitalismus nicht reden will, sollte auch vom Faschismus schweigen."
Heiße Sanierung.
Statt sich mit den Ursachen des Bestehens von Naziläden auseinanderzusetzen, wird weiter an der Verwirklichung der Utopie einer braunen Schlafstadt gearbeitet, indem nach und nach ein "nichtrechtes" Kulturprojekt nach dem anderen verschwindet und Freiräume für solches Engagement verschlossen bleiben. Dem Projekt einer kulturellen Hegemonie der Nazis stehen damit weniger Widerstände entgegen, wie sie mit Räumen gegeben wären, die Platz bieten für antifaschistische, emanzipatorische Praxis. Und in diesen könnten auch ganz im Sinne der "PC" Tabus durchgesetzt werden, d. h. kein Zutritt für Nazis und keine Toleranz gegenüber ihren Ideologien. Das damit noch nicht der Zustand erreicht ist, in dem der Mensch kein "geknechtetes" Wesen mehr ist, wird nach unserer Einschätzung eher in einem solchem Umfeld erkannt. Deshalb fordern wir Freiräume für emanzipatorische Projekte! Sich mit den Ursachen der Präsenz von Nazis auseinanderzusetzen, würde auch bedeuten, staatlichen Rassismus und soziale Ungleichheit thematisieren zu müssen, ja schließlich zu Ursachen von (Un)Gleichheitsideologien durchzudringen: kapitalistische Verwertungslogik und nationalstaatliche Organisation. Statt dessen wird versucht, mit dem eigenen Anteil an Standort- und Patriotismusdebatten weiter am Verblendungszusammenhang zu werkeln. In diesem stehen auch kulturell und breitensportlich engagierte Mittelständler wie die von "Backstreetnoise" und "PC-Records" in einem milden Licht.
Ziel unserer Demonstration ist es, das Offensichtliche unausblendbar zu machen. Ein weiteres Verschweigen der Zustände um "Backstreetnoise" und "PC-Records" ist nicht länger hinnehmbar. Wir fordern die Schließung der Läden! Alles andere bedeutet ein schweigendes Einwilligen in Rassismus, Antisemitismus und andere Formen der Menschenverachtung, wie sie von diesen Unternehmen verbreitet werden. Die Gesellschaft hat ihren Frieden mit kommerziellen Nazistrukturen gemacht. Damit muß Schluss sein. Wir fordern ein gesellschaftliches Engagement, welches ein weiteres ruhiges und profitables Wirtschaften der Nazis mit ihren Events, Läden und Securitydiensten unmöglich macht. Die Entscheidung Nazi zu sein ist immer noch eine bewußte, individuelle und damit auch die des Agierens dagegen. "Backstreetnoise" und "PC-Records" sind nur ein, wenn auch äußerst offensichtliches, Beispiel für die Präsenz von Nazis in der Region, die Geschäfte existieren vor dem Hintergrund organisierter, teils militanter Nazistrukturen. Daneben existieren konservative und "neurechte" Denkzirkel. Das Ausbleiben der Kritik und der Auseinandersetzung mit diesen Strukturen, sei es an der Uni, im Stadion, im kulturellen Umfeld bedeutet eine Akzeptanz der menschenverachtenden Ideologien. Deshalb werden wir immer wieder gegen diese Zustände auf die Straße gehen, denn diese Zustände sind ausgrenzend, barbarisch und tödlich.
Abriss korrekt! Weg mit "Backstreetnoise" und "PC-Records"!
12 Uhr Kundgebung in der Innenstadt, Augustusburger Straße/Ecke Bahnhofstraße
13 Uhr Demobeginn Wladimir-Sagorski-Straße/Ecke Stollberger Straße
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 | Antifaschistische Caféfahrt gegen Naziläden im Erzgebirge |
 Am Samstag den 04.06. veranstalteten AntifaschistInnen aus Sachsen und Thüringen eine Kaffefahrt im Raum Westsachsen, um auch in der Provinz auf das Problem einer wachsenden Nazi-Subkultur aufmerksam zu machen. Ziele dieser Kaffeefahrt waren Mylau/Reichenbach, Aue, Annaberg und Johanngeorgenstadt.
Thematisiert wurden Anlaufpunkte der lokalen Naziszene sowie Naziläden, die für dei jeweilige Region von größerer Bedeutung sind. Auch vor der Volxmusikkapelle "Randfichten" wurde nicht zurückgeschreckt auch wenn die vom Wegzug verschonten Bewohner von Johanngeorgenstadt anderer Meinung waren. Die ersten beiden Anlaufpunkte der Aktion waren das "Ragnarök" in Mylau/Reichenbach (Vogtland) sowie das "Phönix" in Annaberg-Buchholz. In Aue wurde der Sonnentanzladen besucht und damit zusammenhängend Endzeitversand, Endzeitklänge und der Sonnentanzversand zur Sprache gebracht.
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 | Mücka- ein ostsächsisches Dorf wiederholter Neonazitreffpunkt |
 Pressemitteilung der Kampagne: "Schöner leben ohne Naziläden" vom 31.01.2005
Am 05. Februar 2005 ist in der Diskothek Wodan im ostsächsischen Mücka zum dritten Mal in kurzer zeitlicher Folge ein Neonazi-Konzert geplant. Angekündigt sind die einschlägig bekannten Bands Hauptkampflinie, Kampfzone und Totenburg. Das Konzert ist der dritte Teil der Reihe "Singen und Tanzen für Deutschland"-ein Projekt der NPD womit sie versucht den Konzerterlass des Sächsischen Staatsministeriums des Innern zu unterlaufen, der besagt dass Neonazikonzerte unterbunden werden.
Die Band Totenburg aus Gera gilt als eine der massgeblichen Bands im Bereich des sogenannten NSBM-eine Selbstbezeichnung für National Socialist Black Metal. Auf dem Cover ihrer CD Weltmacht oder Niedergang hat die Band eine brennende Synagoge abgebildet und macht somit keinen Hehl aus ihrer offen antisemitischen Gesinnung. Auch im Booklet selbiger CD heisst es "Totenburg spielen: Thüringen Aryan Black Metal." Die Band Kampfzone stammt aus dem Sachsen-Anhaltinischen Bernburg und gehört seit 1994 zur Rechtsrock-Szene. Auch die Kasseler Band Hauptkampflinie gehört seit Jahren zum festen Bestandteil der Szene. Sie ist u.a. gemeinsam mit der Band Landser, deren Mitglieder wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung verurteilt wurden, auf dem am 28.03.2002 indizierten Sampler Amalek vertreten.
Die Diskothek Wodan entwickelte sich in den letzten Monaten zu dem Veranstaltungsort für Neonazikonzerte in Sachsen. Am Deutsche Stimme Pressefest im August 2004 nahmen dort ca. 5.000 Neonazis teil. Im November und Dezember kamen jeweils mehrere Hundert Neonazis zu den Konzerten der Reihe "Singen und Tanzen für Deutschland" Teil I und Teil II. Auch eine sogenannte Wintersonnwendfeier fand nach Szeneangaben hier statt.
Karsten Hohlfeld, ein Sprecher der Kampagne "Schöner Leben ohne Naziläden" äussert sich dazu wie folgt: "Genug ist genug. Die Betreiber der Diskothek Wodan haben mehr als einmal deutlich gemacht, dass sie ihre Räumlichkeiten für Neonazis zur Verfügung stellten. Am 27.11.2004 konnte der wegen Bildung und Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung verurteilte Sänger der Neonaziband Landser, Michael Regener, alias Lunikoff, den etwa 1.000 anwesenden Neonazis ein "88" entgegenrufen, was in der Szene für Heil Hitler steht, die Gäste gröhlten zuvor Lieder der Band Landser. Zuvor und auch danach, haben die Betreiber entsprechende Hinweise durchweg nicht wahrgenommen. Nun hat das Warten ein Ende. Die Kampagne "Schöner Leben ohne Naziläden" wird in absehbarer Zeit in Mücka vor Ort sein und das braune Treiben entschlossen und vehement thematisieren."
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 | Schöner Leben ohne Nazi-Läden |
 Seit einigen Monaten läuft in Sachsen eine neue Kampagne gegen die zunehmende Dominanz einer extrem rechten Jugendkultur samt dessen Lifestyle. Erste Erfolge sind bereits sichtbar.
Über das Konzept und seine Umsetzung sprach Christian Dornbusch für die Zeitschrift DER RECHTE RAND mit Karsten Hohlfeld, dem Sprecher der Kampagne.
DRR: Gab es einen konkreten Anlass, um mit der Kampagne zu beginnen?
KH: Nein, einen konkreten Anlass gab es in der Form nicht. Der Ausgangspunkt liegt in unserer Beobachtung und unserem Eindruck, dass sich die extrem rechte Jugendkultur (RechtsRock etc.) im Alltag vor allem Jugendlicher in Sachsen immer stärker manifestiert und hegemonial wird. Konkretes Erlebnis war dann, dass immer häufiger Neonazis Konzerte anderer, eher linker Veranstalter besuchten. Seit dem Sommer arbeiten wir als sächsische Antifa-Gruppen innerhalb der Kampagne zusammen und die erste größere und vor allem öffentlich wahrgenommene Aktion war unsere Demonstration am 25. September 2004 in Chemnitz gegen die beiden RechtsRock-Label und Läden von „Backstreetnoise“ und „PC-Records“.
DRR: Was versprecht ihr euch von der Kampagne?
KH: Unser Ziel ist es, die gute und bisweilen professionell ausgebaute Infrastruktur der Neonazis in die Öffentlichkeit zu bringen. Wenn sie Thema werden, hoffen wir, ihnen das Wasser abgraben zu können. Unserer Einschätzung nach basiert die extrem rechte Hegemonie in den Alltagswelten vielerorts auf einer festen Zulieferstruktur von Geschäften, Versänden, Bands, Fanzines etc., welche die ganze Palette brauner Musik samt ihrer Merchandisingprodukte nach Hause liefern.
DRR: Von wem wird „schöner leben“ getragen, von einer Gruppe oder von vielen?
KH: Die Kampagne wird getragen von sächsischen Antifa-Gruppen und Einzelpersonen. Dementsprechend „lebt“ die Kampagne vorrangig von der Initiative der daran Beteiligten. Wir wollen nicht nur in den Orten, wo es sowieso schon eine aktive Antifa-Gruppe gibt, präsent sein, sondern gerade auch dort, wo die Leute auf überregionale Unterstützung gegen die Neonazi-Hegemonie angewiesen sind. Dementsprechend sollen auch wenig oder unorganisierte AntifaschistInnen mit der Kampagne Ansprechpartner finden. Die von der Kampagne aufgegriffenen Ortschaften, Geschäfte, Versände etc. stehen ohnehin nur beispielhaft für eine Hegemonie von Rechts, die wir dort, wo sie besonders sichtbar wird, thematisieren. Mittlerweile initiieren hessische Antifas eine eigene Kampagne unter diesem Namen.
DRR: Wurde die Kampagne bisher von Initiativen vor Ort aufgegriffen?
KH: Vor Ort wurde die Kampagne von bürgerlichen Gruppierungen, Parteien oder Jugendgruppen bisher noch mäßig aufgegriffen. In Chemnitz ist es aber beispielsweise gelungen, dass unsere Demonstration von Vertreter-Innen der PDS und des DGB Unterstützung erhielt. Spürbar ist auch ein zunehmendes Interesse von zivilgesellschaftlichen Initiativen, das Thema Neonazi-Lifestyle aufzugreifen. Am aktivsten sind aber antifaschistische Leute, wie zum Beispiel in Dresden, wo sie eine ganze Reihe von Geschäften, die Neonazi-Sachen verkaufen, mittels Flugblättern öffentlich machten. Und in Chemnitz kündigten die Vermieter kurz nach unserer Demonstration „Backstreetnoise“ und „PC-Records“ die Räumlichkeiten.
DRR: Wie sind die öffentlichen Resonanzen auf die Kampagne?
KH: Auch hier gibt es kein einheitliches Bild. Die überre-gionalen Medien und Initiativen, die quasi von außen nach Sachsen blicken, erkennen die Notwendigkeit unserer Kam-pagne und stehen ihr daher auch wohl gesonnen gegenüber. In Sachsen, vor Ort, wird das antifaschistische Engagement jedoch oft als „Nestbeschmutzung“ und „Störung der öffentlichen Ordnung“ empfunden und unser Anliegen kriminalisiert. Vor unserer zweiten Demonstration am 27. November 2004 in Pirna gab es in der Lokalpresse geradezu „Hetzartikel“ gegen die Demonstration, die ein Horrorszenario malten, als ob wir Pirna in „Schutt und Asche“ legen wollten.
DRR: Und wie reagieren die Neonazis auf eure Öffentlichkeitsarbeit?
KH: Es ist überdeutlich, dass wir mit der Kampagne den Nerv der extrem rechten Szene getroffen haben - anders sind ihre Reaktionen nicht zu bewerten. In Chemnitz versuchten etwa 150 Neonazis unsere Demonstration anzugreifen – aber erfolglos. Das Wurzener RechtsRock-Label „Front Records“ bietet mittlerweile ein T-Shirt mit dem Slogan „Schöner Leben mit Naziläden“ an und im Internet beschweren sie sich über unsere Aktionen. Aber sie versuchen auch in klassischer Anti-Antifa-Manier vermeintliche Aktivisten der Kampagne auszumachen, um dann Steckbriefe von ihnen zu veröffentlichen.
DRR: Wie geht es denn mit der Kampagne in 2005 weiter? Stehen schon weitere Stationen fest?
KH: Aus unserer Perspektive ist noch vieles ausbaufähig. Es ist wichtig, nun auch verstärkt auf die Regionen zu schau-en, wo es bisher noch wenige antifaschistische Aktivitäten gab. Konkrete Stationen können wir noch nicht benennen. Klar ist aber, dass wir uns nicht auf den Erfolgen von Chemnitz und Pirna ausruhen wollen. Das ostsächsische Örtchen Mücka wird mit Sicherheit demnächst Thema werden. In der dortigen Diskothek „Wodan“ fand letzten August das „Deutsche Stimme Pressefest“ statt. Und im November und Dezember waren dort weitere Konzerte, die bis zu 1.000 Ne-onazis besuchten. Aber es gibt noch weitere Orte in Sachsen, wo die extreme Rechte ungestört agieren konnte; sei es im westsächsischen Raum oder in Wurzen, wo Thomas Persdorf sein Label und Versand „Front Records“ führt. Es gibt viel zu tun...
DRR: Vielen Dank für das Gespräch.
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Dieser Artikel erschien im Rechten Rand Nr. 92 Jan/Feb 2005 |

 | antifa reloaded |
 Bundesweite Antifa-Demo am 29. Januar 2005 in Gera
Derzeit findet in Gera unter dem Motto "break the silence" eine Aktions- und Veranstaltungsreihe statt. Damit soll der Forderung nach Schließung der Naziläden in Gera Ausdruck verliehen und der Trauer und Wut über den vor einem Jahr begangenen Nazimord Raum gegeben werden. Als Höhepunkt wird die Kampagne "Schöner Leben ohne Naziläden" am 29. Januar 2005 die bundesweite Demonstration unter dem Motto "break the silence. Naziläden abreissen - Deutsche Zustände angreifen" in Gera unterstützen.
Im Vorfeld werden ReferentInnen aus Gera in den Städten Jena, Dresden, Berlin, Weimar und Leipzig über die o.a. Demonstration informieren. Infos über Ort und Zeit der jeweiligen Veranstaltungen auf der Sonderseite im Internet. Dort finden sich auch ausführliche Hintergrundinformationen über die Aktions- und Veranstaltungsreihe sowie die Naziläden und rechten Versandstrukturen in Gera.
Naziaktivitäten
Seit einigen Tagen mobilisieren Nazis im Internet gegen die Demonstration. Aufgrund der Geschehnisse bei den letzten Demonstrationen der Kampagne "Schöner leben ohne Naziläden" in Chemnitz und Pirna, die teilweise in heftigen Auseinandersetzungen endeten, rechnen die Veranstalter auch für das nächste Wochenende mit Gegenaktivitäten der Nazis.
Bereits bei der Antifa-Demo "gegen den rechten Alltagsbetrieb" im Mai 2003 sammelten sich 50 Nazis mit einem Transparent vor den ehemaligen Geschäftsräumen des "Youngland" und warteten auf den Demonstrationszug. Bei dem Versuch an die Demonstrationsroute zu gelangen, wurden acht Nazis von der Polizei festgenommen. Zuvor war im Internet zur "Verteidigung nationaler Strukturen" aufgerufen worden.
Demonstration
"break the silence. Naziläden abreissen - Deutsche Zustände angreifen"
29. Januar 2005 | Gera
15.00 Uhr | Markt |

 | break the silence |
 Mit Fassungslosigkeit hatten wir von der brutalen Ermordung des 27jährigen Oleg erfahren. Er wurde am 21. Januar 2004 Opfer vier junger Nazis aus Gera.
Ein Jahr danach hat sich an den katastrophalen Zuständen nichts geändert. Nach wie vor wird die Hegemonie rechter Alltagskultur nicht wahrgenommen, geschweige denn als Problem in Frage gestellt.
Olegs Mörder wurden zu Höchststrafen bis zehn Jahre verurteilt. Die Staatsanwaltschaft sprach von einer „menschenverachtenden Gesinnung“ als „Mitbeweggrund der Tat“ und begründete die Forderung nach Höchststrafen damit, dass eine „fremdenfeindliche Gesinnung für die Tat prägend“ gewesen sei.
Doch weder diese klaren Worte noch die eindeutige Aussage eines der Mörder, der sich darüber ereiferte, dass es in Deutschland „endlich eine Russensau weniger“ gäbe, brachten die Stadt und die Lokalpresse von ihrer grotesken Behauptung ab, die Ermordung sei nicht politisch motiviert gewesen.
Auf Anfrage sagte eine Redakteurin der „Ostthüringer Zeitung“ (OTZ), die es sich aufgrund des innehabenden Pressemonopols in der Region leisten kann, jeden noch so einseitigen Polizeibericht unkritisch zu übernehmen, in diesem Fall nicht recherchieren zu wollen. Stattdessen veröffentlichte sie Berichte der Polizei, laut denen bereits wenige Tage nach dem Mord ein politisches Motiv ausgeschlossen wurde.
Unterdessen wurden kritische Stimmen von Polizeidirektor Lothar Kissel diskreditiert. Er sprach von „unbewiesenen Behauptungen der linksautonomen Gruppen“, welche allenfalls dazu geeignet seien, der Region „den Stempel politischer Gewalttätigkeit aufzudrücken“. Darüber hinaus forderte er die Leserschaft auf, der Antifa-Gedenkdemonstration im Februar fern zu bleiben.
Nach der Demonstration sprach Oberbürgermeister Ralf Rauch davon, dass der Mord "politisch missbraucht" werde und bedankte sich für den "besonnenen Einsatz" der Polizei. Die Geraer seien deutlich auf Distanz gegangen zu den Autonomen.
Bis heute hat keine kritische Auseinandersetzung mit dem Mord stattgefunden. Gerade aufgrund dieses gesellschaftlichen Klimas ist ein derartiger Vorfall in Gera jederzeit erneut denkbar – und die Angriffe nehmen kein Ende.
Im Frühjahr 2004 überfielen drei Nazis einen 18jährigen Armenier, wobei einer der Angreifer unter die Straßenbahn geriet und auf der Stelle verstarb. Mitte des Jahres überfielen 30 – 40 bewaffnete Nazis zwei Iraker am Hauptbahnhof und im Oktober 2004 attackierten Nazis vier linke Jugendliche, woraufhin eines der Opfer mit Schädelhirntrauma und Nasenbeinbruch über 45 Minuten auf Hilfe warten musste.
Ebenso wie der Nationalsozialismus in Sachsen als politische Alternative zunehmend verhandelbar wird, sind die Nazis auch in Thüringen ein Teil des gesellschaftlichen Bezugsrahmens. So ist deren Beteiligung an den Geraer Montagsdemonstrationen mit Transparenten und schwarz-weiß-roten Fahnen – bis dato das 21. Mal in Folge – zu erklären. Die NPD veranstaltete bereits zwei Nazikonzerte nahe dem AsylbewerberInnenheim im Stadtzentrum, während die Polizei die Innenstadt zur „no-go-area“ deklarierte.
Hinzu kommt die Kriminalisierung von AntifaschistInnen durch die Stadt, die OTZ und einen Polizeidirektor, der in Korruptionsprozesse wegen der Thüringer Rotlichtaffäre verwickelt ist. Ein Beispiel hierfür ist die Razzia im Autonomen Zentrum während einer Informationsveranstaltung zur Situation in der Sächsischen Schweiz.
Polizeiwillkür und permanente Rechtsbeugung stehen in Gera auf der Tagesordnung, kollektives Leugnen oder Verharmlosen sowie repressive Maßnahmen gegen AntifaschistInnen zeichnen das Bild der Stadt.
Da es in diesem zivilgesellschaftlichen Niemandsland sowohl an Flüchtlings- und Opferberatungsstellen, als auch an demokratischen Initiativen fehlt, steht dem rechten Konsens – wie in vielen Orten der Neuen Bundesländer – einzig ein antifaschistischer Widerstand entgegen.
Naziläden abreissen
Mitte der Neunziger kam es zu einem Erstarken der Naziszene in Gera, die sich durch den Aufbau von lokalen Strukturen und bundesweiten Vernetzungen fest etablieren konnte. Über Jahre hinweg konnten rechte Parteien, Nazibands und -labels als auch Zusammenhänge wie die „Wiking Jugend", „Thüringer Heimatschutz“ und „Kameradschaft Gera“ die Stadt ungestört als Agitationsfeld nutzen. Somit kam es zu einer ungehinderten Verbreitung faschistischer Propaganda und zu einer Vielzahl rechter Aktionen und Konzerte.
Heute sind die Nazistrukturen in Gera fest in den Jugendszenen verwurzelt und weisen eine starke Vernetzung zwischen rechten Parteien, militanten Nazis und subkulturellen Szenen wie dem "nationalsozialistischen Black Metal" (NSBM) auf. Damit bietet die zweitgrößte Stadt Thüringens ideale Voraussetzungen für den Handel mit rechtem Lifestyle.
Eine bedeutsame Rolle spielen dabei die zahlreichen Geschäfte und Versandstrukturen, die mit NS-Accessoire und rechter „Kultur“ handeln. In Gera konnten sich mehrere ehemalige Nazikader aufgrund der günstigen Absatzmöglichkeiten selbständig machen.
So eröffneten in den vergangenen Jahren mehrere Geschäfte, die entweder von Nazis betrieben werden oder diese Klientel bewusst bedienen. Mit dem Vertrieb von Nazikleidung und rechter Musik wirken sie als Multiplikationsfaktor faschistischer Propaganda.
Ergänzend dazu existieren in Gera mehrere rechte Plattenfirmen wie „Donnerschlag Records“ oder „Ewiges Eis Records“, welche die Produktion und den Absatz der Tonträger regionaler Nazibands wie „Totenburg“ oder „Eugenik“ gewährleisten.
Die Versandhäuser „Aufruhr Versand“ und „Ultima Tex“ – betrieben von den langjährigen NPD-Kadern Jörg Krautheim, Martin Soa und Nico Hüfner – vertreiben nahezu alle erdenklichen Nazi-Devotionalien.
Die erste Kampagne der [AAG] gegen Naziläden und rechte „Kultur“ wurde bereits 2003 initiiert. Vor zwei Jahren ging es um die Geschäfte Youngland, Inside, US Goods, Fallen Angel, Hard-Rock-Shop und die Versandhäuser Aufruhr Versand, Donnerschlag Records und 88 Records. Unter dem Motto „Den rechten Alltagsbetrieb angreifen – Für linke Kultur und antifaschistischen Lifestyle“ fand im gleichen Jahr eine Demonstration und eine antifaschistische Bustour statt. Währenddessen wurden die einschlägig bekannten Geschäfte mehrfach von AntifaschistInnen angegriffen.
Diese Kampagne hat im Laufe der Zeit mehrere Erfolge verbucht: Die Naziläden Inside und Fallen Angel sowie das rechte Geschäft Hard-Rock-Shop mussten schließen. Auch der von Nico Hüfner im Frühjahr 2004 ins Internet gestellte Textiliendruck Ultima-Tex ist mittlerweile wieder offline.
Anfang des Jahres 2004 eröffnete mit dem Elsterforum jedoch auch das rechte Fußballgeschäft „Fan Sport Shop Winkler“. Somit gibt es neben Versandstrukturen gegenwärtig noch drei Naziläden in Gera.
Das „Youngland“ in der Bahnhofstraße 12 – benannt nach der gleichnamigen britischen Rechtsrockband – befindet sich seit 2002 in einem Objekt der Sparkassen Immobiliengruppe Gera-Greiz. Inhaber sind die Nazis Jens Hoffmann und Mark Zothe.
Neben beliebten Outfits wie „Lonsdale“, „Alpha Industries“ oder „Hooligan Streetwear“ werden hier auch bekannte Nazimarken wie „Thor Steinar“, „Radical“ und „Wallhall Germany“ feilgeboten. Auch Merchandise-Artikel diverser Nazibands wie „Blue Eyed Devils“, „Kreuzfeuer“ oder „Landser“ können im Youngland erworben werden. Die Bedeutung innerhalb der regionalen Naziszene wurde am 24. Mai 2003 deutlich, als sich 50 Nazis anlässlich der Antifa-Demo vor dem Laden sammelten.
Das „US Goods“ besteht seit Anfang der neunziger Jahre und befindet sich mittlerweile in der Kleinen Kirchstraße 1. Nazilabels wie „Thor Steinar“ und „Rizist“ sind hier zwischen Marken wie „CAT“ und „Lacoste“ zu finden. Somit wird bewusst ein rechter KundInnenkreis angesprochen.
Im „Fan Sport Shop Winkler“, der sich im Shoppingcenter „Elsterforum“ eingemietet hat, können Nazi-Hooligans Aufnäher, Anstecker und „Fanschals“ mit Losungen wie „Deutschland unser aller Stolz“, „Fest wie unsere Eichen halten wir stand – Wenn Stürme fegen über unser Vaterland“ oder „Ohne Türken fahren wir zur EM“ erwerben. Auch Abbildungen der Reichskriegsflagge mit der Bekenntnis „Meine Heimat“ werden angeboten.
Deutsche Zustände angreifen
Wenn in den meisten Regionen der Neuen Bundesländer der Fokus wieder mehr auf antifaschistische Politik gerichtet wird, bedeutet dies kein Zurück zu alten Konzepten, die spätestens infolge der Sommerlochdebatte 2000 zum Scheitern verurteilt waren. Vielmehr ist es die notwendige Konsequenz einer gesellschaftlichen Situation, in der linksradikale Politik de facto kaum noch wahrgenommen wird. Zunehmende politische Marginalisierung, als Folge einer destruktiv geführten Auseinandersetzung innerhalb der radikalen Linken, führte in Konsequenz zu einer steigenden Handlungsunfähigkeit.
Dabei gilt es gerade jetzt den deutschen Zuständen den Kampf anzusagen.
Ob in Form der Wahlerfolge der NPD in Sachsen und des selbstbewussten Auftretens von Nazis bei den Sozialprotesten, oder einer Deutschpopkulturwelle und des in Mode kommende Bekenntnisses zur deutschen Nation – Antifa ist und bleibt en vogue.
Das Ziel ist nach wie vor der Realität entgegenzutreten und an der Abschaffung des falschen Ganzen festzuhalten. Um dieses Bewusstsein zu forcieren und politische Veränderungen herbeizuführen, ist neben einer progressiven Auseinandersetzung auch die Vermittlung emanzipatorischer Standpunkte unerlässlich. Für die politische Praxis bedeutet dies Freiräume und Anknüpfungspunkte für linksradikale Kritik zu eröffnen. Bestimmungsziel ist und bleibt dabei die menschliche Emanzipation.
Um an die Erfolge gegen die Naziläden in Gera anzuknüpfen und unserer Trauer und Wut über den Nazimord Ausdruck zu verleihen, rufen wir mit Unterstützung der Kampagne „Schöner Leben ohne Naziläden“ zur bundesweiten Demonstration am 29. Januar 2005 in Gera auf.
Antifaschistische Aktion Gera [AAG] | Dezember 2004
Quelle: http://www.breakthesilence.de.vu/ |

 | Schöner leben ohne Naziläden! aktualisierter Aufruf zur Demo am 27. November 2004 in Pirna |
 --Schöner leben ohne Naziläden--
"Schöner leben ohne Naziläden" ist eine Kampagne von sächsischen Antifagruppen die sich offensiv gegen rechten Lifestyle und rechte Vertriebsstrukturen wendet. Die Kampagne ist eine Reaktion auf die nicht mehr zu akzeptierenden gesellschaftlichen Zustände in Sachsen, welche mittlerweile in der Wahl der NPD in den Landtag gipfelten. Die Idee, Kampagnen gegen einzelne Naziläden in einigen Städten zu starten, stellte sich sehr schnell als flächendeckend wichtig für ganz Sachsen heraus, da sich wirtschaftliche Strukturen von Neonazis, wie Versände, Labels und Läden sehr stark ausgeprägt haben. Zudem hat sich in den letzten Jahren eine offensive rechte Jugend- und Alltagskultur herausgebildet. Dies liegt zum einen an einer anschlussfähigeren Neonaziszene, die sich in ihrer Musik und in den Klamotten vielen Jugendsubkulturen geöffnet hat, damit immer mehr Einfluss im Alltag Jugendlicher gewinnt und so zur Normalisierung eines neonazistischen Weltbildes führt. Zum anderen gelingt es Neonazis teilweise entpolitisierte Szenen zu politisieren und so einen rechten lifestyle zu etablieren. Nicht zuletzt auch, weil sich in Sachsen eine sehr umfassende Infrastruktur von Neonaziläden, Versänden, Bands und Labels befindet, die eine Subkultur unterstützt bzw. überhaupt erst ermöglicht.
Die Kampagne versucht die Schließung von Neonaziläden zu bewirken, da diese auf der einen Seite einen enormen finanziellen background für die Szene darstellen und zum anderen Treff- oder Anlaufpunkt für Neonazis sind. Vor allem Klamottenläden etablieren unter nichtpolitischen Jugendlichen rechte Symbole und Codes. Ein weiterer Schwerpunkt der Kampagne ist die Thematisierung von Einflüssen rechter Ideologie in verschiedenen Subkulturen und die Problematisierung einer rechts dominierten Jugend- und Alltagskultur.
--Pirna - die zweite--
Über die Sächsische Schweiz wurde in den letzten Jahren, Monaten und Wochen viel gesprochen und geschrieben. Jede[r] hat eine vage Vorstellung von dieser Gegend. Immer wieder wird die Sächsische Schweiz als Beispiel angeführt, wenn es um die Thematisierung rechter Dominanzkultur geht. Denn hier haben es organisierte Kameradschaften, wie die SSS, und eine gesellschaftlich und nicht erst seit den diesjährigen Kommunalwahlen auch kommunalpolitisch verankerte NPD, über viele Jahre nahezu geschafft, ihr Konzept der so genannten "National befreiten Zonen" umzusetzen.
Und trotz alledem möchten wir an dieser Stelle noch einmal auf Dinge hinweisen, die uns dazu bewogen haben, so kurz nach dem 12.06.2004 ("Kein schöner Land - linke Strukturen stärken!") wieder eine Demonstration zu organisieren.
--Dem Eagle die Flügel stutzen...--
In Pirna existiert seit Jahren ein Naziladen mit dem Namen "Eagle", erst auf der Clara-Zetkin-Straße, seit Anfang des Jahres im Stadtzentrum am Dohanischen Platz. Auch wenn dem Laden bundesweit keine Bedeutung beigemessen werden kann, versorgt er die lokale Naziszene aus und um Pirna mit allem was das Naziherz begehrt. Neben "Antiquitäten" gibt es diverse T-Shirts mit Rudolf Hess-Abbild oder der Aufschrift "Nazi" in Anlehnung an das NIKE-Logo, "Thor Steinar"-Klamotten dürfen dabei auch nicht fehlen. Neben dem "Back Street Noise" in Chemnitz ist der "Eagle" in Pirna sachsenweit der einzige Laden, der die Marke RIZIST vertreibt. Reichskriegsflaggen, Aufnäher, Buttons, CD's und Germanen-Schmuck machen den Laden für jeden Nazi zu einem interessanten Anlaufpunkt. Einige Zeit hing ein Werbeschild der „Fahrschule Gregor“, deren Besitzer Uwe Leichsenring (NPD-Landtagsabgeordneter und -Kreisgeschäftsführer) ist, direkt über der Verkaufstheke. Auch das zur Schau stellen von T-Shirts mit dem Che Guevara - Bild und der ständigen Beteuerung auch an Linke zu verkaufen, ist klar: Der "Eagle" ist ein Naziladen und gehört geschlossen. Neben dem Laden am Dohnaischen Platz betreibt Dirk Knothe einen weiteren Naziladen, den "Eagle 2" in Dresden auf der Kesselsdorfer-Straße und den Internetauftritt g/ermania-style. Sein Bruder Maik Knothe betreibt in Dresden auf der Leipziger Straße 103 einen Armyladen mit gleichem Angebot wie in Pirna. Auf den Bruder ist die Internetadresse ar/myshop-dresden angemeldet.
Neben dem "Eagle" in Pirna existieren noch zwei Versände für die lokale Naziszene: Der "Berkana"-versand des Robert Wilkens und der "Hugin"-Versand des Andre Malheur. Beide sind keine Unbekannten in der Szene. Wilkens ist Schüler am Fetscher-Gymnasium in Pirna. Wilkens wurde schon desöfteren in Pirna beim Kleben von Aufklebern, die als Werbung für seinen Versand dienen, gesehen. Als Mitglied der NPD-JN hilft Wilkens bei Infoständen aus und versucht sich auch schon einmal als Anti-Antifa-Fotograf, zuletzt beim Pirnaer "Markt der Kulturen". Andre Malheur, das ehemalige SSS-Member (Bezeichnung für Mitglieder in Führungsstrukturen der SSS) und Mitherausgeber der Zeitschrift "Froindschaft", von der mindestens acht Ausgaben mit einer Auflage von ca. 50-100 Stück erschienen, wurde im SSS-Prozess nicht angeklagt, obwohl er am Überfall auf die Umweltfabrik in Pirna-Liebethal mit beteiligt war. Er kandidierte zur Kommunalwahl 2004 in Heidenau für die NPD, konnte aber kein Mandat erringen. In den Monaten Juli/August legte Malheur den Schwerpunkt seiner Betätigung auf den Umzug seines Versandes von Heidenau nach Bad Schandau/Rathmannsdorf. Um Pirna finden immer wieder Nazikonzerte statt, allein 2004 waren es mindesten drei. Im März 2004 wollte Karsten Scholz aus Cotta in Nentmannsdorf bei Pirna eines veranstalten, was er aber auf Druck der Behörden kurzerhand absagte. Karsten Scholz ist in der hiesigen Szene auch kein Unbekannter. Er ist der Herausgeber des Nazizines "Rufe ins Reich", von dem mittlerweile drei Ausgaben existieren. Im Zusammenschluß mit Pierre Wustmann aus Pirna, dem Herausgeber des Nazizines "Stahlhelm" (9 Ausgaben), verucht er sich an einem neuem Projekt: Der Herausgabe einer nationalen Schülerzeitschrift, die vierteljährig erscheinen und kostenlos an die Schüler verteilt werden soll. Nach Eigenaussage ist eine Ausgabe schon erschienen und an Schulen in drei Bundesländern verteilt wurden.
--Alles nur Protest?--
Am 19.09.2004 fanden in Sachsen Landtagswahlen statt. Dass die NPD dabei mit fast 10 Prozent der Stimmen in den sächsischen Landtag zog, hat weltweit für Aufregung und Entsetzen gesorgt. 12 KandidatInnen der extrem rechten Partei ziehen ins Landesparlament ein und sind damit "viertstärkste" Kraft vor FDP und Grünen. Sie liegt nur 0,6 Prozent hinter der SPD und hat dadurch einen erheblichen Aufwind erhalten. Wieder, und zwar erwartungsgemäß, erreichte die NPD ihre besten Ergebnisse in der Sächsischen Schweiz. In Reinhardtsdorf-Schöna erlangte sie gar 23 Prozent.
Die Gründe für den Erfolg der NPD in Sachsen sind vielfältig und sollen hier nicht alle erörtert werden. Jedoch soll auf einige ausschlaggebende Punkte hingewiesen werden. Anknüpfend an die Proteste gegen HartzVI und eine allgemeine soziale Unzufriedenheit, hat es die NPD im Wahlkampf geschafft, sich als einzige Alternative zur derzeitigen Politik darzustellen, indem sie das System in Deutschland an sich in Frage stellte. Sie bediente damit ein "wir hier unten gegen die da oben"-Denken, welches alle etablierten Parteien einschließt und propagierte im Gegenzug einen völkischen Sozialismus. In diesem Sinne kann zwar von einer "Protestwahl" gesprochen werden, jedoch von einer Bewussten. Denn 9,2 % machten das Kreuz ganz bewusst bei der Partei, die sich vorrangig um das "Wohl der Deutschen in Deutschland" kümmern will. Die NPD wurde von Menschen ganz bewusst gewählt, weil sie das ausspricht, was in so manchem kleinbürgerlichen Hirn umherspukt.
Ein nicht zu vernachlässigender Aspekt ist das große Spektrum von JungwählerInnen, mit einem klar rassistischen, nationalen Weltbild, welches sie bei der Wahl zum Ausdruck brachten. Dies wurde nicht nur in Sachsen, sondern auch schon bei der Landtagswahl im Saarland deutlich, wo die NPD 4% der Stimmen erzielte. Zudem sind Berührungsängste mit der NPD oder anderen Neonazi-Gruppierungen wie sie vielleicht vor Jahren noch bestanden haben, mittlerweile durch eine Normalisierung rassistischer, antisemitischer Gedanken und einem revisionistischen Umgang mit der NS- Vergangenheit in der Bevölkerung weitgehend abgebaut.
Konzepte der Zivilgesellschaft, welche über die Inhalte der Nazis und deren Falschheit aufklären wollten, sind gescheitert, weil das Gros der Bevölkerung weiß, wofür die NPD steht. Die NPD hat sich zum kanalisierenden Sprachrohr des Willens der Volksgemeinschaft entwickelt und dagegen helfen keine rationalen Argumente und Aufklärungskampagnen darüber, dass "Ausländer uns gar nicht die Arbeitsplätze wegnehmen". In einem gesellschaftlichen Klima, welches geprägt ist, von einem rechten Konsens, begünstigt durch 14 Jahre CDU- Regierung in Sachsen, konnten die Nazis mit Leichtigkeit an die völkischen Wahlprogramme der etablierten Parteien anknüpfen. Auch hier zeigte sich das Scheitern einer Zivilgesellschaft, welche nicht in der Lage ist, die Nazis als Teil des rechten-völkischen Konsens innerhalb der Gesellschaft zu begreifen und diesen anzugreifen.
Auch das gescheiterte NPD Verbotsverfahren lässt sich als Ursache für den Wahlerfolg anführen. Die staatliche Bestätigung für die NPD, eine demokratische Partei zu sein, hat nicht nur in der Neonaziszene zu einer positiven Innenwirkung geführt. Die NPD stellte sich nun auch anderen potentiellen WählerInnen als legitim und wählbar dar.
--one family--
Fakt ist, dass die NPD zur Landtagswahl dort Siege errungen hat, wo sie sich seit Jahren eine feste Basis ausgebaut hat. In der Sächsischen Schweiz hat diese Partei die meisten Kommunalmandate in Sachsen und zudem steht sie nach der Zahl ihrer Mitglieder im Landkreis an dritter Stelle. Die NPD kann sich hier auf einen starken Rückhalt aus der Bevölkerung und auf die Unterstützung durch die organisierte Kameradschaftsszene verlassen. Dass die SSS bei Saalveranstaltungen der NPD für Ordnung und Sicherheit sorgte, ist hinlänglich bekannt, ebenso, dass sich die NPD bei der Feuerwehr, auf Kirmesveranstaltungen und in der Jugendarbeit, sehr engagiert. Diese Beispiele, die sicherlich ins Endlose fortgesetzt werden könnten, spiegeln deutlich die lokale Verankerung, sowohl der NPD als auch der Kameradschaftsszene wieder. So tönten die beiden SSS Mitglieder Thomas Sattelberg und Lars Hein in einem Fernsehinterview: "Wir sind voll und ganz in der Region akzeptiert und integriert." Und tatsächlich, nach dem SSS Prozess, bei denen 18 Nazis verurteilt wurden, gab es keinen Aufschrei. Alle diese Personen können unbeschwert da weiter machen, wo sie zuletzt aufgehört hatten. Bei der Verbreitung von Rassismus und Nationalismus. Thomas Sattelberg, Lars Hein, Daniel Betke, Mario Männchen und viele andere mehr, alle samt Verurteilte im SSS- Prozess nahmen u.a. an einer städtischen Kundgebung gegen den Irakkrieg teil. Mitgeführt hatten sie dabei klar antisemitische und antiamerikanische Transparente - eine Israelische und eine US-Amerikanische Bombe, die auf die Erdkugel gerichtet waren, oder eins mit der Aufschrift "Kein Blut für USrael!" Eine Teilnehmerin der Kundgebung sagte im Angesicht der Nazis und ihrer Transparente: "endlich machen die mal was Vernünftiges".
Zur lokalen Verankerung kommt die kommunalpolitisch, denn nicht erst seit Juni 2004 ist die NPD in zahlreichen Kommunalparlamenten der Sächsischen Schweiz vertreten. Zwei der NPD- Landtagskandidaten, Uwe Leichsenring und Johannes Müller, konnten sich schon jahrelang auf der politischen Bühne präsentieren. Sie schafften und schaffen noch immer eine Akzeptanz auf kommunaler Ebene, sie bringen ganz freundlich ihre Anträge zu Abfall, Jugend und Straßenbau ein und manchmal, ganz beiläufig, schimpfen sie über die Fremden, die mit 2 % in der Region überhand nehmen. Oder das System, das keine Fehler hat, sondern der Fehler ist (Leichsenring in der Sächsischen Zeitung).
--personality--
Die beiden NPDler waren auch vor den Landtagswahlen keine Unbekannten. Dr. Johannes Müller aus Sebnitz, war von 1999 bis 2004 erster NPD Kreistagsabgeordneter in Sachsen und darüber hinaus im NPD Landesvorstand. Ebenfalls seit 1999 ist er Kreisvorsitzender der NPD. Uwe Leichsenring aus Königstein, ist im NPD Bundesvorstand und zudem langjähriger NPD- Kreisgeschäftsführer. Beide sind maßgeblich an der Entwicklung der extremen Rechten in der Region, auch über die NPD hinaus mitverantwortlich. Und dies hat sich nun endlich für den Arzt und den Fahrschulbesitzer ausgezahlt. Neben dem neuen Star der NPD in Sachsen, Holger Apfel, haben diese nun die beiden anderen wichtigen Fraktions-Ämter neben dem Vorsitzenden erhalten ? Parlamentarischer Geschäftsführer und Stellvertretender Fraktionschef. Doch das wichtigste ist eigentlich nicht, welche Funktionen sie innerhalb der Fraktion innehaben. Sicherlich wird auch der finanzielle Anreiz bei beiden nicht im Vordergrund stehen. Wichtig und gefährlich ist, dass alle Landtagsabgeordneten Immunität genießen. Das heißt im Klartext ? Durchsuchung der Büroräume? Fehlanzeige! Jedes Abgeordnetenbüro ist für staatliche Behörden tabu (Ausnahme: Aufhebung der Immunität). Und die Definition eines Büros ist tatsächlich Auslegungssache. Anzunehmen ist, dass es zukünftig schwer fallen wird, ein Büro von einem Jugendclub unterscheiden zu können.
--hatecrimes--
Der Einzug der NPD in den Landtag hat jedoch nicht nur finanzielle und strukturelle Folgen. Auch ein deutlich offensiveres Verhalten der Neonazis auf der Strasse ist nicht zu übersehen. Am 25.September griffen ca.200 Neonazis die Auftaktdemonstration der Kampagne "Schöner leben ohne Naziläden" in Chemnitz an. Dies war nicht die erste Antifademonstration in Sachsen, welche sich mit diesem Problem konfrontiert sah. Schon am 12.06.2004 fand in Pirna die Demonstration "Kein schöner Land - linke Strukturen stärken!" statt. Ca. 80 Nazis, hauptsächlich aus der Sächsischen Schweiz und Dresden, versuchten die antifaschistische Demo anzugreifen bzw. zu behindern. Einmal mehr wird hier das hegemoniale Bestreben der Neonazis deutlich. Einige Tage nach Chemnitz überfielen in Pirna vier Nazis einige Punker, welche sich gerade auf dem Heimweg von einem Konzert befanden. Die Nazis schlugen diese aufs brutalste zusammen, nicht ohne eine Drohung für den 27.11.2004 in Pirna auszusprechen. Wird ein Linker in der Stadt gesehen, sei er fällig. Ob nun diese Drohung ernst zunehmen ist oder nicht, sei dahingestellt.
Die genannten Beispiele ließen sich beliebig fortführen, auch und gerade in Regionen wo es weitestgehend ruhig war in den letzten Jahren. In der Nacht zum 7.November detonierten zwei Rohrbomben am Büro des "Netzwerk für Demokratische Kultur" in Wurzen. Dieser Anschlag stellt bis dato den Höhepunkt der Naziangriffe im Nachgang der Landtagswahl in Sachsen dar. Ein Abflauen der positiven Innenwirkung des Wahlerfolgs innerhalb der Neonaziszene wird so bald nicht zu erwarten sein. Eher ist mit einer anhaltend hohen Aktionsbereitschaft und einem offensiveren Auftreten zu rechnen. Mit gestärktem Selbstbewusstsein werden die Neonazis versuchen, ihre Dominanz auf der Straße durchzusetzen bzw. auszubauen.
--fight back--
Es ist eine Notwendigkeit, geradezu unabdingbar für den Aufbau einer linken Jugendkultur, dort ausgeschlafen aufzustehen und sich Nazis in den Weg zu stellen, wo sie öffentlichen Raum für sich beanspruchen. - Auch wenn Antifa mehr als Anti-Nazi-Arbeit sein muss. - Je häufiger die Nazis ungestört in der Öffentlichkeit auftreten können, desto größer wird die Gefahr, dass sie ihre Hetze gegen MigrantInnen und Menschen, die nicht in ihr Weltbild passen, ohne eine Spur von Gegenwehr umsetzen. Um effektiv gegen Nazis vorgehen zu können, ist aber eine Analyse der gesellschaftlichen Verhältnisse, welche sowohl Geschichtsrevisionismus, als auch Rassismus und Antisemitismus in dieser Gesellschaft mit in den Fokus rückt, unabdingbar. Nur so lassen sich eigene Ansatzpunkte emanzipatorischer Antifaarbeit finden. Es ist an der Zeit für die Radikale Linke, sich ihrer Verantwortung bewusst zu werden und den antifaschistischen Widerstand zu organisieren. Hierzu gehört neben der Auseinandersetzung mit den Fehlern der vergangenen Jahre, die Entwicklung neuer Konzepte und Strategien. Dies muss aber angesichts der Gegenwart parallel zu einer Praxis geschehen, die Antifaarbeit zum gegenwärtigen Zeitpunkt mitgestaltet und sichert.
Wir müssen und werden uns der zunehmenden Dominanz von Nazis in der Alltags- und Jugendkultur entgegenstellen. Dazu sind unter anderem Räume für Jugendliche notwendig, die sich nicht der rechten Hegemonie unterordnen wollen. Räume, in denen sich Jugendliche, ohne von Nazis ständig bedroht und von staatlicher Seite einer Regulierung unterworfen zu sein, selbst verwirklichen können. Daher unterstützen wir die Forderung des "Alternativen Jugend- und Kulturzentrum Sächsische Schweiz e.V." nach einem eigenen Haus um in Pirna ein alternatives Jugendzentrum zu etablieren.
Wir wollen eine kraftvolle Demonstration, die sich klar artikuliert. Wir haben Forderungen und diese tragen wir am 27.11. 2004 erneut auf die Straße!
rechte Hegemonie durchbrechen - für eine linke Jugenkultur in Pirna und überall!
Treffpunkt zur Demo wird der Bahnhof Neustadt Dresden ab 11.30 Uhr sein, Start der Demo in Pirna ist ab 13.00 Uhr.
mehr wie immer unter: http://www.stoppnazilaeden.de.vu/ |

 | Schöner leben ohne Naziläden! - Aufruf zur Demo am 27. November 2004 in Pirna |
 Die nächste Kampagnendemo wird am 27.11.2004 in Pirna stattfinden. Hier werden wir den Naziladen "Eagle" und die zahlreichen um Pirna angesiedelten Versände und Fanzines, wie den "Hugin-Versand" des Andre Malheur, den "Berkana-Versand" des Robert Wilkens, die Fanzines "Stahlhelm" und "Rufe ins Reich", thematisieren.
Vor wenigen Monaten wurde von Sächsische Antifagruppen die Kampagne "Schöner leben ohne Naziläden!" initiiert. Ziel der Kampagne sollen neben Naziläden auch Versände und der rechte Lifestyle als solches sein: "Mit der Kampagne "Schöner leben ohne Naziläden" soll das bisher weitgehend ungestörte Treiben und Wirtschaften der Naziläden be- und verhindert werden. Die Knotenpunkte der Naziszene sollen öffentlich gemacht, die Akteure benannt und die schleichende Übernahme subkultureller Milieus zurückgedrängt werden. Im Zusammenhang damit muss aber auch der in weiten Teilen bestehende rechte Konsens thematisiert werden, da ungestört agierende Naziläden nur ein Ausdruck dessen sind." Gleich die erste Antifademo der Kampagne stach in ein Wespennest. Die mit 400 Menschen gut besuchte Antifademo sah sich stets mit Nazigruppen konfrontiert, die versuchten die Antifademo anzugreifen. Dies war auch explizit von dem Betreiber des Naziladens "Backstreetnoise" HENDRIK LASCH so gewollt, der an diesem Tag mit Rabatten und einem Grillfest die Neonazis nach Chemnitz lockte. Die Polizei konnte die Nazis nur bedingt daran hindern, die Demo anzugreifen, so musste der Antifaschistische Selbstschutz oft genug die Nazis direkt an der Demo stoppen. Dass Chemnitz für die Nazis erst der Anfang war, dass hoffen sie zumindest in ihren Internetpublikationen und mobilisieren auch nach Pirna zu ähnlichen Aktionen.
Hier wird am 27.November die zweite Demonstration der Kampagne stattfinden, die gleichzeitig auch die zweite Antifa-Demo in Pirna sein wird. Bereits am 12.Juni demonstrierten ca. 300 Menschen durch Pirna, um auf die hiesigen Nazistrukturen aufmerksam zu machen. Mehrere Grüppchen Nazis, darunter auch Berliner Kameradschaftler, versuchten die Demo zu stören. Diese Versuche, wie eine Sitzblockade, wirkten eher lächerlich und konnten die gute Stimmung der Demo nicht trüben. Auf der aktuellen Demo werden der Naziladen "Eagle" und die zahlreichen um Pirna angesiedelten Versände und Fanzines, wie den "Hugin-Versand" des Andre Malheur, den "Berkana-Versand" des Robert Wilkens, die Fanzines "Stahlhelm" und "Rufe ins Reich", thematisiert.
Wenn Nazis "Chemnitz" sagen, antworten wir "Leipzig". Nazistrukturen und rechten Lifestyle angreifen!
Treffpunkt zur Demo wird der Dohnaische Platz ab 12 Uhr sein, Start der Demo ist ab 13 Uhr
mehr wie immer unter: http://www.stoppnazilaeden.de.vu/ |

 | Erste Erfolge: Rechte Läden vor der Kündigung? |
 Chemnitz: Das Bundesvermögensamt reagiert jetzt auf die Proteste vom vergangenen Sonnabend - 400 Demonstranten waren wegen der der beiden Geschäfte an der Robert-Siewert-Straße, die der rechten Szene zuzuordnen sind, auf die Straße gegangen. Jetzt prüft die Behörde die rechtlichen Möglichkeiten einer fristlosen Kündigung der beiden Mietverhältnisse, bestätigte gestern Herbert Hartmann, Chef des Bundesvermögensamtes in Chemnitz. "Wenn dies juristisch aber nicht möglich sein sollte, werden wir ordentlich kündigen." Nach den Verträgen würden dann die beiden Mietverhältnisse Ende 2005 beendet sein, so Hartmann weiter.
mehr unter: http://www.stoppnazilaeden.de.vu/ |

 | 150 Nazis greifen Antifa-Demo in Chemnitz an |
 Die Kampagne "Schöner leben ohne Naziläden" von Antifa-Gruppen aus Sachsen begann am 25. September mit einer Demonstration in Chemnitz, an der sich 400 Personen beteiligten. Sie richtete sich gegen den Naziladen "Backstreetnoise" und das dazugehörige Plattenlabel "PC-Records", welche sich im Chemnitzer "Heckertgebiet" befinden. Nazis griffen diese an.
Im Vorfeld des 25.09.2004 kam es zu Drohungen gegenüber den Organisatoren, in denen Nazis via E-mail ankündigten, die Veranstaltung angreifen zu wollen.
Mit lautstarken Parolen wie "Chemnitz wir sind da - Autonome Antifa" startete die Demonstration von der W.-Sagorski-Straße aus durch das Heckertgebiet. In mehreren Redebeiträgen äußerte, unter anderen auch eine Anwohnerin ihre Befürchtungen gegen die Aktivitäten der Nazis. Der Großteil der Bewohner/innen hörte den lautstarken Tönen auf ihren Balkonen zu. Als sich der Demonstrationszug dem Naziladen in der Robert-Siewert-Straße näherte,gab es kraftvolle Sprechchöre wie "Feuer und Flamme dem Backstreetnoise".
Vor diesem versammelten sich seit dem Vormittag etwa 150 örtliche und angereiste Nazis. Unter ihnen auch eine große Anzahl an Personen aus dem Hooligan und Securityspektrum und aus dem Umkreis der verbotenen und bundesweit bekannten Skinheads Sächsische Schweiz (SSS).
Schon zu diesem Zeitpunkt bewarfen diese die Antifaschist/innen mit Eiern. In der Folge kam es immer wieder zu Angriffen, bei denen die anwesenden Nazis versuchten in die Demonstration zu stürmen und die Route zu blockieren. Dabei wurden mehrere Personen durch Faustschläge, Holzlatten und andere Wurfgeschosse verletzt. Außerdem wurden antisemitische und antizionistische Parolen wie "Juden raus" und "scheiß Judenstaat" skandiert. Die Demonstrant/innen konnten die Übergriffe durch massiven Widerstand abwehren woraufhin sich einige Nazis zurückziehen mussten. Mit der Situation komplett überfordert war, die sächsische Bereitschaftspolizei, welche die Lage komplett verkannte und sich letztendlich darauf beschränkte präsent zu sein.
So ist zu erklären, dass es zu keinerlei Festnahmen von Nazis kam. Unverständlich, dass der MDR davon sprach, dass die Polizei Angriffe verhindern konnte (MDR Aktuell 25.09.04).
Die Anwesenheit von aus ganz Sachsen angereisten Nazis verdeutlicht nur zu gut, die Bedeutung des von Hendrik Lasch und Silvio Strauch betriebenen Naziladens "Backstreetnoise" und des Plattenlabels "PC-Records". Hendrik Lasch, der auch Inhaber der Internetdomain "backstreetnoise" ist, war schon in der Gruppe "CC88" aktiv, die in der zweiten Hälfte der 90er Jahre Konzerte mit Nazibands in Chemnitz veranstaltete und Fanzines wie "White Supremacy" und "Foier Frei" herausgab. Vor einem Jahr zeigte ein Blick auf die genannte Homepage auch, welche Verbindungen der Laden hat: Fotos zeigten die einflussreichen "Blood & Honour" Bands "Warhammer" und "Blue Eyed Devils" vor dem Geschäft.
Im Backstreetnoise selbst können sich Nazis u.a. mit der seit zirka einem Jahr in der Szene beliebten Marke "Thor Steinar" einkleiden, dessen Besitzer Axel Kopelke selbst vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuft wird (Polylux 22.09.04).
Mit ihrem Label "PC-Records" unterstützen sie auch den erst kürzlich juristisch verbotenen CD-Sampler "Anpassung ist Feigheit" der "Aktion Schulhof", welche aus 56 internationalen Kameradschaften, Skinheadgruppen, Musiklabels und Versandgeschäften besteht. Silvio Strauch betreibt in Dresden ein weiteres Geschäft, das "Outline" in der Leipziger Straße 163, welches ebenfalls Nazikleidung vertreibt.
Das "Backstreetnoise" und seine Besitzer nehmen somit, auch wenn sie dies in Interviews in der "Chemnitzer Freien Presse" leugnen, einen zentralen Punkt in der sächsischen Naziszene ein.
Die Geschehnisse vor und während der Demonstration und die Reaktionen der Nazis zeigen, dass die Kampagne ihre Wirkung nicht verfehlt. Das "Backstreetnoise" hat in aller Öffentlichkeit gezeigt, woher sein Publikum kommt und die Situation in der 260 000 Einwohnerstadt ist eindeutig geworden. Seit Jahren konnte sich dort ungestört eine vernetzte und gut organisierte Naziszene etablieren.
Wir fordern die Schließung des "Backstreetnoise" und rufen den Vemieter, das Bundesvermögensamt, zur Kündigung des Mietvertrages auf!
Deswegen werden wir die Kampagne "Schöner leben ohne Naziläden" weiterhin unterstützen und auf die Verhältnisse aufmerksam machen. Die nächste Demonstration wird am 27. November in Pirna stattfinden und sich u.a. gegen den Naziladen "Eagle" richten. Aktuelle informationen gibt es dazu im Internet unter http://www.stoppnazilaeden.de.vu.
Wir kommen wieder - Nazistrukturen und rechten Lifestyle angreifen!
Antifaschistische Aktion Gera |

 | Schöner leben ohne Naziläden! |

That's o.k. baby, just tell me all your problem's
Mit einer groß angelegten Verteilaktion wollen Rechtsextremisten Jugendliche an deutschen Schulen für ihre Gesinnung gewinnen. Unter dem Namen "Aktion Schulhof" sollen diesen Herbst bis zu 250.000 CDs bundesweit gratis verteilt werden. Eine Neonazi-Kooperation bestehend aus 56 internationalen Kameradschaften, Skinheadgruppen, Musiklabels und Versandgeschäften steht hinter der Aktion. An dem Sampler "Anpassung ist Feigheit - Lieder aus dem Untergrund" sind 20 szenebekannte Rechts-Rockbands aus dem In- und Ausland beteiligt, unter anderem "Noie Werte", "Stahlgewitter", "Nordfront", "H8-Maschine", "Spirit of 88", "Hauptkampflinie" und "Frontalkraft". Zu den Unterstützern der Aktion Schulhof gehört auch das Chemnitzer Label PC-RECORDS, betrieben von HENDRIK LASCH, vormals auch Inhaber des Chemnitzer Naziladens BACKSTREETNOISE im ehemaligen Versorgungszentrum Robert-Siewert-Straße. BACKSTREETNOISE und PC-RECORDS teilen sich hier ein Ladengeschäft das seit 2000 besteht.
Knowing that hate is wrong and love is right for us tonight
Die dichten Strukturen der Rechten, die mit der CD-Verteilaktion zu Tage treten, wurden über Jahre aufgebaut. Schon der Prozess um die Berliner Naziband LANDSER offenbarte die überregionale Vernetzung um das Geschäft mit rechter Musik und die Rolle von Nazis aus Chemnitz in diesen Strukturen. Die Stadt Chemnitz war die Drehscheibe der Produktion der später verbotenen CD "Ran an den Feind" der Band, die mittlerweile von der Justiz per Gerichtsurteil als kriminelle Vereinigung eingestuft wurde.
Als Begründer der Vermischung von nazistischer Ideologie und Versatzstücken der Punk- und Rockmusik gilt Ian Stewart Donaldson, Sänger der britischen Band "Skrewdriver", seit seinem Tod 1993 Fixpunkt eines regelrechten Personenkultes der Neonazis. Donaldson propagierte die Bedeutung von Musik als Träger nazistischer Propaganda und begründete das in Deutschland im Jahr 2000 verbotene Netzwerk "Blood & Honour". Musik sei viel attraktiver zur Gewinnung der Jugend als langweilige Parteiversammlungen, so Donaldsons durchschlagende Erkenntnis. 1991 überfallen Ian Stuart und seine Band mit ihrem aufgeheizten Publikum in Cottbus Asylbewerber und Migranten und demolieren einen Jugendclub. Immer noch ist Musik mit rassistischen, antisemitischen und nationalistischen Inhalten wie die von LANDSER selbst der Soundtrack zur Gewalt. In Guben, wo im Jahr 1999 der Asylsuchende Farid Guendoul zu Tode gehetzt wurde, hatten sich die Täter vorher mit der stumpfen Musik der Berliner aufgeputscht. Nazimusik lebt von der Gewalttätigkeit, sowohl in den Inhalten als auch im Image ihrer Vertreter. Der Thüringer Möbus wurde mit seiner Band "Absurd" bekannt, weil er und Bandkollegen einen Mitschüler ermordeten - er wand sich dann im Gefängnis offen dem Nationalsozialismus zu. Blood & Honour - Divisionen bestehen heute in allen Teilen Europas und der USA. (Zerfallsprozesse?) Auch in Deutschland bestehen trotz des Verbotes die Strukturen fort, Bands aus dem Blood & Honour - Umfeld gehören nach wie vor zu den Vorzeigebands der Szene, Läden und Vertriebe sind aus diesem Netzwerk hervorgegangen, und sind wichtige Bindeglieder der Struktur. Das Geschäft mit Nazidevotionalien und Musik im Internet blüht, in den Läden trifft man sich, kann in CDs reinhören, probiert Klamotten an und schwatzt über Neuigkeiten, dazu wird Laufkundschaft angezogen, die sonst wenig Berührung mit organisierten Neonazis hätte. Sichtbares Ergebnis dieser Entwicklung ist die Entstehung einer rechten Popkultur mit allem was auch aus anderen Szenen bekannt ist, Konzerte mit den eigenen Bands, eigene Labels und Marken, Fanzines, Tatoostudios, Securities und Vertriebe. Mode im "Nazi-Style" anzubieten wird auch für andere Geschäftsleute attraktiv, in einigen Regionen wird die rechte Optik zur alles dominierenden, Rechtssein wird zur Normalität, der Begriff der "rechten Szene" greift an solchen Orten zu kurz. Neu sind Absatz- und Verfeinerungstendenzen: zwar begegnet einem auch heute noch der klassische Neonazi im Springerstiefel - Seitenscheitel - Outfit aber Nazis, die richtig schick sein wollen, greifen zu anderen Mitteln - vor allem übernehmen sie bewährte Symboliken anderer Jugendkulturen. Das Bedürfnis nach nazi-untypischen Stilen wird durch neue Angebote gesättigt. Beispiele sind etwa die neue Marke "Rizist", die im Stil eines Graffiti-Schriftzugs gestaltet ist, unterlegt mit der Silhouette eines schwerbewaffneten Schafschützen oder der "rock'n'rollig" verpackte Schriftzug der Band "Hate Society", ein in Flammen stehender Bandname und ein wahlweise als "Hate" oder "Heil Hitler" zu entschlüsselnden Logo "H8" aus Herz-As und schwarzer Billardkugel.
I don't care if he buys you nice things, does his gifts come from the heart?
Sichtlich sind Nazis bemüht Klischees über Bord zu werfen und sich - möglichst leger und poppig - am rechten Rand des Mainstreams einzurichten. Bislang am erfolgreichsten gelang dies wohl mit der Marke THOR STEINAR, die binnen zwei Jahren ausgehend vom Vertrieb über Naziläden mittlerweile auch die Auslagen normaler Boutiquen erobert hat. Mit rechter Ideologie und Symbolik lässt sich auf dem Markt "gutes Geld" verdienen, schließlich bedient man die Nachfrage nach einer nationalen Identität die schick und unverkrampft daherkommt. Auch wer bisher beispielsweise Hip-Hopper oder Rock'n'Roller war, soll jetzt bei der Nationalen Bewegung mitmachen dürfen und sich dazu keine Glatze mehr schneiden müssen. Die Ideologie wird beibehalten, die Szene öffnet sich aber verschiedenen Stilen, nicht nur im Sinne der Unterwanderung sondern auch dadurch, dass Menschen aus anderen Szenen zur Rechten kommen und ihr subkulturelles Wissen für die rechte Mobilisierung nutzen. Eine beobachtbare Konsequenz ist das Verschwinden von Berührungsängsten anderer Szenen und Subkulturen gegenüber Nazis und ihrer Ideologie. Mode und Unterhaltung (Kultur) stehen scheinbar im Mittelpunkt. Die Inhalte werden nicht reflektiert und teilweise sogar übernommen.
Analog zu den neuen Vermarktungserfolgen haben sich die Rechten auch in ihrer politischen Organisation loseren Formen zugewandt. Neben den Parteien bestimmen heute Kameradschaften und Gruppen mit Bewegungscharakter wie die Skinheads Sächsische Schweiz (SSS) das Bild der aktiven Neonaziszene, dabei ist teilweise eine Abgrenzung zu Parteien zu beobachten, andererseits auch das Bemühen der Parteien, andere Gruppen als Rekrutierungsfeld zu nutzen und aus den Erfolgen der lockeren Gruppen zu lernen.
Auch bei Veranstaltungen der NPD wird inzwischen dem kulturellem Bereich größerer Raum eingeräumt - wie erst beim kürzlich stattgefundenen Pressefest der Deutschen Stimme in Mücka zu beobachten war - da dadurch ein breiteres Spektrum angesprochen werden kann und Rechtsextremisten die nur wenig Interesse an klassischer Parteiarbeit haben, bei der Stange gehalten werden können.
Wirtschaftlicher Erfolg sorgt für eine Professionalisierung in der Neonaziszene. Ein nicht unbeträchtlicher Personenkreis verdient seinen Lebensunterhalt mit der Weltanschauung, kann sich rund um die Uhr der Organisation der Szene und der Verbreitung und Vermarktung rassistischer, antisemitischer, homophober und nationalistischer Ideen widmen, die ideologische Begründung für Hass liefern und damit Menschen zu Gewalt aufstacheln.
Die Stadt Chemnitz in der es seit Jahren keine offene Auseinandersetzung mit der rechten Szene gibt spielt im Handel mit Mode und Musik eine besondere Rolle. Für Geschäfte und Konzerte bietet die Stadt bislang ein verhältnismäßig ruhiges Betätigungsfeld. Ein großer Teil der bestimmenden Akteure war auch schon in der Gruppe "CC88" aktiv, die in der zweiten Hälfte der 90er Jahre Konzerte mit Nazibands in Chemnitz veranstalteten und Fanzines wie "White Supremacy" und "Foier Frei" herausgaben. HENDRIK LASCH, der Betreiber von PC-RECORDS und Inhaber der Internetdomain "backstreetnoise.com" war in dieser Gruppe aktiv. Vor einem Jahr zeigte ein Blick auf die Homepage auch, welche Verbindungen der Laden hat: Fotos zeigten die einflussreichen "Blood & Honour" - Bands "Warhammer" und "Blue Eyed Devils" vor dem Laden.
Seit dem 2. Dezember 2002 ist SILVIO STRAUCH Inhaber des BACKSTREETNOISE. Dieser betreibt in Dresden einen weiteren Laden, das OUTLINE in der Leipziger Straße 163. Diese überregionalen Vernetzungen werden auch bei einem weiteren Chemnitzer Nazi-Versand deutlich: in der Rabensteiner Burgstraße 6a residiert der SONNENTANZVERSAND. Dieser gehört zur RAVENSTONE GMBH, welche von Limbach-Oberfrohna einen Label und Mailorder Service sowie in Aue, in der Goethstraße 18, ein Geschäft SONNENTANZ betreibt. Geschäftsführer der RAVENSTONE GMBH sind MICHAEL PROBST, früherer Sänger der Naziband "Kroizfoier" und STEPHAN NEUMANN. Der Sonnentanzversand Limbach/Oberfrohna verfügt über das Postfach, unter welchem Mitte der 1990er Jahre das Nazi-Fanzine "Foier Frei" von JENS SCHAARSCHMIDT herausgegeben wurde. SCHAARSCHMIDT war ebenfalls in der Gruppe "CC88" aktiv, ebenso wie JAN WERNER, welcher maßgeblich an Produktion und Vertreib der bereits erwähnten Landser-CD beteiligt war.
Neben den aufgeführten führt OLIVER REH einen weiteren Versand - N-VERSAND - von seiner Wohnung, Am Stadtpark 8, aus.
I'll be the one - Who will make all your sorrows undone
Mit der Kampagne "Schöner leben ohne Naziläden" soll das bisher weitgehend ungestörte Treiben und Wirtschaften der Naziläden be- und verhindert werden. Die Knotenpunkte der Naziszene sollen öffentlich gemacht, die Akteure benannt und die schleichende Übernahme subkultureller Milieus zurückgedrängt werden. Im Zusammenhang damit muss aber auch der in weiten Teilen bestehende rechte Konsens thematisiert werden, da ungestört agierende Naziläden nur ein Ausdruck dessen sind. Zum rechten Konsens zählen sowohl die offensichtlich ausreichenden Käuferscharen wie auch die Gleichgültigkeit mit der das Treiben der Nazis geduldet wird. Eine solche Normalität, wie die des ungestörten Bestehens von Naziläden wie BACKSTREETNOISE darf nicht länger hingenommen werden!
Wir fordern die Schließung des BACKSTREETNOISE! Der Vermieter, das Bundesvermögensamt ist aufgefordert den Mietvertrag zu kündigen. Uns ist klar, dass nach einer Schließung des Ladens die Ware auch über andere Kanäle ihre Kunden finden wird. Mit einer Schließung wäre aber ein weitgehender Wegfall der Funktion als öffentlich zugänglicher Treffpunkt sowie der Laufkundschaft - der nicht ideologiefesten Kunden - und damit wirtschaftliche Schwierigkeiten vorprogrammiert. Versände, z. B. über das Internet, können dies nicht leisten und sind zudem meist nur für den harten Kern bzw. Insider interessant. Die erzwungene Schließung eines Naziladens ist zugleich ein Schlag gegen das öffentlich zur Schau gestellte Selbstbewusstsein der Nazis.
Everybody rock your body, everybody, rock your body right, Backstreet's back alright! Alright! (Backstreet Boys)
Nazistrukturen und rechten Lifestyle angreifen!
Quit playing games!
Kampagne Schöner leben ohne Naziläden
...eine Initiative sächsischer Antifagruppen...
Demonstration in Chemnitz 25. September 2004 Treff 12.00 Uhr - Ecke Stollberger
Straße/W.-Sagorski-Straße
mehr unter: http://stoppnazilaeden.de.vu/ |

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