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Großeinsatz gegen Neonazis in der Surker Tenne

Mit einem Großeinsatz haben Bürgermeister, Ordnungsamt und Polizei am Samstag ein Neonazi-Konzert in Suderwich aufgelöst. Der Abend verlief dramatisch, aber letztlich doch ohne Ausschreitungen.

 

Aus dem gesamten Bundesgebiet, vor allem aber aus dem Ruhrgebiet waren Angehörige der rechtsextremen Szene nach Suderwich angereist. Dort, in der "Surker Tenne" sollte ein Konzert mit bekannten rechten Bands wie "Kategorie C" aus Bremen stattfinden. Etwa 200 überwiegend junge Neonazis waren offenbar kurzfristig der per Internet und Handy-Kette verbreiteten "Einladung" gefolgt. Die Dortmunder Polizei hatte seit Freitag Erkenntnisse darüber, dass eine solche Veranstaltung "im Großraum Dortmund" stattfinden sollte. Meldungen aus der Antifa-Bewegung trugen zur Aufklärung bei.

 

Der Eigentümer der Tenne, ein Recklinghäuser Getränkehändler, hatte seine Scheune "für eine private Geburtstagsparty" vermietet. Von ihm erhielt Bürgermeister Wolfgang Pantförder, der während einer Karnevalsfeier in Hillen alarmiert worden war, alle Vollmachten, um das Hausrecht auszuüben: "Da die Halle unter falschen Angaben gemietet worden war, habe ich eine außerordentliche Kündigung des Mietvertrages ausgesprochen und die Besucher zum Verlassen des Gebäudes aufgefordert", erläuterte Pantförder.

 

Eine Hundertschaft der Polizei aus Dortmund sowie Vertreter des Recklinghäuser Ordnungsamtes setzten die Räumung durch, in kleinen Gruppen wurden die Konzertbesucher ins Freie eskortiert. Vor der Scheune folgten viele von ihnen allerdings dem Aufruf zu einer spontanen Demonstration, die jedoch ohne besondere Vorkommnisse verlief und sich gegen 22 Uhr auflöste. Eine Stunde später hatten die letzten Rechten Suderwich verlassen, gegen einige wurden Platzverweise ausgesprochen.

 

Bürgermeister Pantförder sagte am Sonntag: "Ich bin froh, dass wir die Veranstaltung ohne größere Probleme auflösen konnten. Dazu war es wichtig, dass der Hauseigentümer sofort mit der Räumung einverstanden war, als er vom wahren Charakter des Treffens erfuhr. Er will keine Neonazis in seiner Tenne und wir wollen solche Leute auch nicht in unserer Stadt!"

 

Quelle: WAZ Recklinghausen vom 15.11.2004


Neonazis marschieren in Suderwich

Für rechtschaffene Bürger waren es schockierende Szenen, die sich am Samstag Abend in Suderwich abspielten: Neonazis und Skinheads marschierten über die Esseler Straße, skandierten unter Drohgebärden radikale Parolen. Ein Großaufgebot der Polizei aus ganz NRW kesselte die zumeist jugendlichen Demonstranten der rechten Szene ein und löste die Versammlung auf. Festgenommen wurde niemand.

 

Das bislang größte Treffen dieser Art in Recklinghausen ­ erwartet wurden rund 400 Teilnehmer ­ traf die Einsatzkräfte keineswegs unvorbereitet. Schon seit Tagen wussten Polizei und Staatsschutz von einem geplanten Skin-Konzert mit einschlägig bekannten Gruppen (darunter die Hooligan-Band "Kategorie C"), die Einsatzhundertschaften waren in erhöhter Alarmbereitschaft. Als Veranstaltungsort hatten sie den Großraum Dortmund ausgemacht, erst am Samstag Abend deutete alles auf die "Surker Tenne" hin.

 

"Um 19.20 Uhr erfuhren wir von dem Treffpunkt, bereits eine halbe Stunde später stellten wir 130 Teilnehmer in der Tenne fest", so Polizeisprecher Hans-Bernd Tekotte. Ein Teil der Gruppe ­ die meisten kahl geschoren und mit Springerstiefeln an den Füßen ­ war zuvor per Linienbus nach Suderwich gefahren, andere kamen mit Privat-Pkw ­ aus allen Teilen der Republik, wie die Kennzeichen verrieten. Um 21 Uhr riegelte die Polizei die Straße ab und verhinderte, dass weitere Rechte zur Tenne gelangen konnten.

 

Wie sich herausstellte, wollten sie alle den Geburtstag des bundesweit bekannten und mehrfach verurteilten Neonazi-Anführers Siegfried Borchardt feiern. Borchardt, in der Szene "SS-Siggi" genannt, ist Gründer der Hooligan-Gruppe "Borussenfront" und war bis zum Verbot 1995 Landesvorsitzender und stellvertretender Bundesvorsitzender der "Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei" (FAP).

 

"Vermieter sieht sich getäuscht"

 

Als Polizei und Ordnungsamt Gewissheit von dem Treffen hatten, verständigten sie Bürgermeister Wolfgang Pantförder. Er versuchte, Kontakt zu Jürgen Sauer, dem Vermieter der "Surker Tenne", aufzunehmen. Sauer, der sich nicht in RE aufhielt, übertrug Pantförder die Vollmacht, die Versammlung aufzulösen: "Der Vermieter hat den Veranstaltungsort nicht für diesen Zweck zur Verfügung gestellt. Er sieht sich arglistig getäuscht und will den Vertrag außerordentlich kündigen", erklärte Pantförder. Der Vermieter sei von einer privaten Feier, nicht aber von einem Neonazi-Treff ausgegangen.

 

Diese Botschaft überbrachte Pantförder dem Rechtsanwalt der Neonazi-Gruppe, der sich ­ wohl in Erwartung eines Polizei-Einsatzes ­ vor der Tenne aufhielt. Minuten später verließen tatsächlich die Ersten das Gelände, andere reagierten erst nach mehrmaliger Aufforderung durch die Polizei. Dennoch waren längst nicht alle gewillt, Suderwich sofort zu verlassen. Sie initiierten eine Spontan-Demo, die die Polizei gemäß des Grundrechts auf Versammlungsfreiheit duldete. Eskortiert von der Einsatzhundertschaft, zog eine ca. 50-köpfige Gruppe unter lautem Protest bis zum Lohwäldchen. Andere marschierten zum Kirchplatz und auf den Suderwicher Friedhof, ehe sie das Weite suchten. Gegen 23.30 Uhr konnten die Einsatzkräfte endlich abrücken, Ordnungsamtschef Axel Petersmeier die Tenne erleichtert abschließen.

 

Der Anwalt der Neonazis kündigte hohe Schadensersatzforderungen an und drohte Pantförder mit Protest-Märschen der Rechten.

 

Quelle: Recklinghäuser Zeitung vom 15.11.2004


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