 | Extrem rechte Protagonisten des Black Metal |

Der deutsche Black Metal-Underground hat verschiedene regionale und lokale Zentren. Gera ist ein Beispiel dafür: Eine der maßgeblichen neonazistischen Underground-Bands, „Totenburg", kommt aus der Thüringer Metropole. Ihre Strahlungskraft ist für die gesamte Szene von Bedeutung. Auf deutschen aber auch internationalen Tonträgern wird die Band „Totenburg" immer wieder gegrüßt.
Auf verschiedenen Konzerten im In- und Ausland trat im Jahr 2004 die Thüringer Band „Totenburg" auf, im April 2004 in Griechenland, im Mai in Belgien. Dabei machen die Musiker keinen Hehl aus ihrer politi-schen Gesinnung. Gegründet wurde die Gruppe 1997 von Denis Schoner (Pseudonym „Rabensang") und „Ragnare" (Pseudonym), die vorher in der Black Metal-Band „Mendes" gespielt hatten. Seitdem wechselte die Be-setzung ständig. Zur Band gehörten über die Jahre unter anderem auch „Occulta Mors" (Pseudonym), der Mitte der 1990er Jahre bei der Band „Moonblood" spielte und heute hinter der Gruppe „Nachtfalke" steht sowie Rene Wagner (Pseudonym „Kanwulf") von der im Underground bejubelten Band „Nargaroth". Als einziges Gründungsmitglied ist heute noch Denis Schoner am Schlagzeug dabei. Ihren Stil bezeichnet die Band selbst als „Thüringen Aryan Black Metal!".
Bisher veröffentlichte „Totenburg" drei Alben: „Weltmacht oder Nieder-gang" (1999) mit einer brennenden Synagoge auf dem Cover (bei der Erstauflage und der Tape-Edition), „Winterschlacht" (2001) und „Pestpogrom" (2004). Die erste CD erschien als Kooperation von „Fog of Apocalypse" von Alexander Kies aus Herold (Erzgebirge), Frontmann der Band „Vilkates", und „Pesten Production", dem Label von Schoner. Heute firmiert es unter dem Namen „Donnerschlag Records" (DSR) – dort wurde 2004 die Platte „Weltmacht oder Niedergang" wiederveröffentlicht. Eine Tape-Fassung des Albums war unterdessen von Juris Silders auf seinem lettischen Label „Beverina" veröffentlicht worden. Das Album „Winterschlacht" hingegen erschien erstmals 2001 auf CD als gemeinsame Produktion von „Donnerschlag Records" und „Eighty-Eight Records". Die aktuelle CD „Pestpogrom" veröffentlichte 2004 indes das Label „Nebelfee Klangwerke" und wartet mit einem Hidden-Track auf. Dem „Ausklang" der Platte schließt sich der Song „Walvater Wotan" an – ein Coversong der RechtsRock-Band „Landser": „Walvater Wotan soll unser Herrgott sein. Walvater Wotan wird Germanien befreien". Die LP-Fassungen aller drei Alben verlegte Marco Martin über sein Label „Christhunt Productions". Dort erschien 2003 auch die Split-CD von „Totenburg" und „Antiphrasis": „Mit uns das Blut - Schlachten der Ehre".
Schoner veröffentlichte auf DSR aber auch andere Bands, „Antiphra-sis"(Gera), „Epithalium" (Gera), „Feuersturm" (Potsdam), „Menneskerhat" (Gera), „Tyskland" (Altenburg) sowie die Compilation „Germania Incognita Kulturkampf" mit bekannten Bands des neonazistischen Black Metal-Underground.
Mittlerweile wirkt Jens Fröhlich unter dem Pseudonym „Asemit" bei „Toten-burg" am Gesang mit. Musikalische Erfahrungen sammelte er mit seiner 1996 gegründeten Band „Eugenik", die bisher jedoch nur eine Demo-CD veröffentlichte. Dennoch, in der Region ist sie fester Bestandteil der RechtsRock-Szene und trat unter anderem auf dem vom NPD-Landesverband Thüringen und „Freien Kameradschaften“ organisierten Thüringentag am 10.07.2004 auf. Politisch aktiv war Fröhlich bei der „White Youth“, einer Unterorganisation der deutschen „Blood & Honour Division“, die im September 2000 verboten wurde. Auf dem Sampler „Trotz Verbot nicht tot“ (2003), einem Lebenszeichen von „Blood & Honour“, ist neben „Eugenik“ auch „Totenburg“ vertreten. Entsprechend waren Fröhlich und Schoner von den Hausdurchsuchungen im November 2003 im Rahmen des derzeit noch laufenden Ermittlungsverfahrens wegen der vermuteten „Unterstützung des organisatorischen Zusammenhalts einer verbotenen Vereinigung“ betroffen. Auch Fröhlich macht ein eigenes Plattenlabel, „Ewiges Eis Records“ (EER), auf dem zwei Alben von „Die Saat“ (Gera) erschienen sowie CDs von „Branikald“ (Russland), „The true Beltez“ (Köln), „Forgotten Darkness“ (Velbert) und „Black Jade“ (Zeiningen, Schweiz). Jüngst veröffentlichte Fröhlich in Zusammenarbeit mit der „Eisenwald Tonschmiede“ aus Ilmenau die LP-Fassung der CD „Niedergang“ von „Die Saat“, die 2001 auf EER erschien. Auch mit DSR kooperierte das Label bereits bei der Veröffentlichung der CD von „Tyskland“.
In gewisser Weite sind Schoner und Fröhlich musikalische „Multi-Talente“. Gemeinsam mit „Tormentor“ (Pseudonym) von der Band „Antiphrasis“ sowie mit „Thorns“ (Pseudonym) von „Barad Dür“ machen sie das Projekt „Epithalium“ und helfen „Absurd“ bei Konzerten aus; Schoner am Schlagzeug und Fröhlich als zweiter Gesang. Vor diesem Hintergrund ist verständlich, warum „Absurd“ und „Totenburg“ häufiger im Doppel auf Konzerten vertreten sind, so auch in Griechenland und in Belgien.
Christian Dornbusch
Dieser Artikel erschien im Rechten Rand Nr. 92 Jan/Feb 2005 |