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Tennishalle als "National Befreite Zone"?

NPD erwirbt Immobilie in Grafenwöhr

 

Am 1. April 2005 war es dann soweit. Nach – zumindest nach außen hin – zähem Ringen unterschrieb Uwe Meenen, Mitglied des bayerischen NPD-Vorstandes und Bezirksvorsitzender der unterfränkischen NPD, den notariellen Kaufvertrag, der ihn zum zukünftigen Inhaber einer Tennis- und Squashhalle im oberpfälzischen Grafenwöhr machte. Bereits Anfang diesen Jahres war bekannt geworden, dass der damalige Inhaber der Anlage Wolfgang Jürgens aus Dresden mit Wohnsitz am Ammersee dieses Objekt schnellstmöglich loswerden wollte. Die bayerische NPD galt dabei sehr früh als einer der aussichtsreichsten Interessenten.

 

Wie die Regionalzeitung "Der Neue Tag" berichtete hatte Wolfgang Jürgens die Halle im Jahr 1996 erworben, um dort vor allem für seine Tochter ein Tennis-Trainigszentrum aufzubauen. Hier sollte sie an den Leistungssport herangeführt werden. Nachdem sie sich aber eine schwerwiegende Verletzung zugezogen hatte, sank das Interesse des Inhabers an seiner Immobilie. Verstärkt wurde dieses Desinteresse dadurch, dass die Halle in Grafenwöhr wenig genutzt wurde und Jürgens auch nicht die von ihm gewünschte Unterstützung durch die Stadt erhielt. Insofern war die nazistische NPD von Anfang an Jürgens favorisierter Kaufkandidat, da er so den "Grafenwöhrern eins auswischen konnte". Diese hätten ihm "nur Schwierigkeiten bereitet". Über die Kontakte zur NPD lies er zwischenzeitlich verlautbaren, dass sich diese schwierig gestalteten, da sich die "zurzeit gegen Anschuldigungen wegen der Holocaust-Sache zur Wehr setzen" müsse. Zu guter Letzt gab Jürgens den Tipp, dass in der Halle zukünftig auch "Gotcha"-Wettkämpfe ausgeübt werden könnten.

 

500.000 Euro waren als Summe im Gespräch, die die NPD, die sich nach Angaben des eben erschienenen bayerischen Verfassungsschutzberichtes für das Jahr 2004 in einer "prekären Finanzsituation" befinde, für den Erwerb der Anlage aufbringen müsse. In die Verkaufs-Verhandlungen involviert waren u.a. auch Sascha Rossmüller aus Rain bei Straubing, Geschäftsführer der bayerischen NPD, und deren Pressesprecher Günter Kursawe aus Kronach. Als Käufer trat dann, wie oben bereits erwähnt, Uwe Meenen aus Würzburg auf, der im Kontext von Immobilien-Erwerbungen in der Vergangenheit bereits Erfahrungen sammeln konnte. So war er es, der im Jahr 2001 das Schloss Trebnitz in Sachsen-Anhalt erwarb, das dann zeitweise von dem bekannten Neonazi-Kader Steffen Hupka genutzt wurde. Meenen ist neben den genannten Funktionen auch Mitglied des sog. DEUTSCHEN KOLLEGS (DK) mit Sitz in Würzburg, das innerhalb der bundesdeutschen Neonazi-Szene als ein einflussreicher Think-Tank fungiert. Daneben ist Meenen Führungskader der – wie der Name vermuten lässt – ausschließlich in Franken aktiven Organisation BUND FRANKENLAND, die zuletzt Mitte Januar in Nürnberg eine Mahnwache mit etwa 50 Neonazis unter dem Motto "Für das Selbstbestimmungsrecht der Völker – gegen israelische und amerikanische Kriegsverbrechen" veranstaltete. Außerdem wurden im Rahmen einer Neonazi-Kundgebung Mitte März sog. Anti-Antifa-Flugblätter dieser Organisation verteilt. Es ist insofern zu mutmaßen, dass, nach dem Verbot des Kameradschaftsnetzwerkes FRÄNKISCHE AKTIONSFRONT im Januar 2004, der BUND FRANKENLAND, neben der NPD, als die Organisationsstruktur für Auftritte der hiesigen Neonazi-Szene genutzt wird.

 

Für die bayerische NPD und damit auch für den Großteil der in diesem Bundesland angesiedelten Neonazi-Szene bietet die Immobilie in Grafenwöhr enorme Möglichkeiten für verschiedenste Veranstaltungen. In einer Pressemitteilung der NPD wird Grafenwöhr bereits als die "Stadt der Landesparteitage" genannt. Daneben werden aber auch Konzerte und Feste angekündigt. Den Anfang soll – anlässlich des amerikanischen Unabhängigkeitstages am 4. Juli – ein "antiamerikanisches Kulturfest" am 2. Juli diesen Jahres machen. Als regionaler Aufhänger für die neonazistische Veranstaltung soll der bei Grafenwöhr gelegene US-Truppenübungsplatz dienen, der bereits in der Vergangenheit Ziel diverser Propagandaaktionen war. Auch angesichts des alljährlich im nicht weit entfernten Wunsiedel stattfindenden Rudolf-Hess-Gedenkmarsches dürften sich für die NPD neue Mobilisierungs- und Unterhaltungsmöglichkeiten für das anreisende Neonazi-Klientel auftun.

 

Bei soviel Aufbruchstimmung und Euphorie ist wenig verwunderlich, dass die NPD die Immobilie bereits als "National Befreite Zone Grafenwöhr" halluziniert.

 

Marco Kuhn

 

Quelle: http://www.adip.antifa-archiv.org





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