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Event bei Rieger

Im „Schützenhaus“ im thüringischen Pößneck fand – weitgehend ungehindert – ein Neonazikonzert statt.

 

Die thüringischen Behörden hätten gewarnt sein müssen. Schon seit Tagen wiesen Neonazis mit geheimnisvollen Hinweisen auf das „Abschiedskonzert“ des als Rädelsführer verurteilten Sängers der Berliner Rechtsrock-Band „Landser“, Michael Regener, im Internet hin. Es sollte ein Riesenevent vor dessen Haftantritt werden. Angekündigt wurde das Konzert auch auf der Homepage des bekannten Kameradschaftsführer Thorsten Heise in Thüringen. Dort wurde Tacheles geredet: „Landesparteitag der NPD Thüringen mit anschließender Kulturveranstaltung“ am 2. April. Für den musikalischen Rahmen sollten neben „Landser“-Sänger Regener auch Bands wie „Gegenschlag“ und „Odins Law“ sowie die Liedermacher Anett Moeck und Michael Müller sorgen.

 

Der NPD-Parteitag unter Führung von Frank Schwerdt begann bereits am frühen Nachmittag. Schleusungspunkt für die etwa 1000 anreisenden Neonazis aus dem gesamten Bundesgebiet war das Hermsdorfer Kreuz in der Nähe von Gera. Bei Konzertbeginn stand kein Polizeiwagen direkt vor dem Veranstaltungsort, wie Zeugen berichten. Immerhin hatte das „Schützenhaus“ in Pößneck durch einen Besitzerwechsel im letzten Jahr für überregionale Schlagzeilen gesorgt. Unter dem Deckmantel der britischen „Wilhelm-Tietjen-Stiftung für Fertilisation Ltd“ hatte der bekannte Hamburger Neonazi Jürgen Rieger die Immobilie für 360 000 Euro ersteigern können.

 

Die Parkplatze um das geräumige ehemalige Hotel füllten sich zusehends mit glatzköpfigen Besuchern, auch internationale Kennzeichen unter anderem aus Großbritannien waren erkennbar. Sascha Wagner, Konzertorganisator der Jungen Nationaldemokraten, soll für die Koordination zuständig gewesen sein. Erst gegen 20.00 Uhr mobilisierte die Polizei im größeren Stil und zog auch eine Hundertschaft aus dem benachbarten Sachsen-Anhalt hinzu. Nach Angaben von leitenden Polizeibeamten vor Ort hatte es vorab „keinerlei Hinweise“ des Thüringer Verfassungsschutzes gegeben, wonach Pößneck am 2. April zentraler Veranstaltungsort der nationalen Szene werden könne. Allein von der Logistik her, lag der Konzertort zwischen zwei Neonazi-Demonstrationen an diesem Tag in München und Verden/Niedersachsen und wurde von deren Teilnehmern gezielt angefahren. So sollen sich auch Bewohner von Riegers Neonazi-Zentrum „Heisenhof“ nach beendeter Kundgebung auf den Weg nach Pößneck gemacht haben.

 

Die Polizeikräfte sahen sich nicht in der Lage, das mehrstündige Konzert – trotz Verbotes durch die Stadtverwaltung – abzubrechen. „Auf Grund der hohen Besucherzahl war eine Auflösung nicht möglich“, sagte der Leiter der Polizeidirektion Saalfeld den lokalen Medienvertretern. Wie Bilder von „Spiegel-TV“ zeigen, kam es während des Neonazi-Konzertes zu Auseinandersetzungen zwischen glatzköpfigen Besuchern und der hauseigenen Security. Als ein Gast eine Scheibe zerschlug, schlugen die NPD-Sicherheitskräfte zu. Erst nach Ende der Veranstaltung wurden die Personalien der abreisenden Besucher erfasst und Platzverweise ausgesprochen. Für den NPD-Parteitag war keine Genehmigung erforderlich, da er als private Veranstaltung „auf der Basis eines Vertrages mit dem Eigentümer des Schützenhauses“ stattfand.

 

Aufgrund der Medienberichte hatte der schlampige Polizeieinsatz ein Nachspiel im Parlament. Der Vorwurf der Oppositionsparteien lautete: Polizei und Stadtverwaltung seien offensichtlich von dem Treffen überrascht worden, auch der Verfassungsschutz habe neuerlich versagt. Bei der Pressekonferenz des Innenministers am 6. April räumte Verfassungsschutz-Chef Thomas Sippel kleinlaut ein, man habe zwar bereits am 31. März gewusst, dass ein Skinhead-Konzert geplant sei, aber: „Wir hatten einen Hinweis auf Nordhausen.“ Ein Blick auf die Landeskarte offenbart jedoch die räumliche Nähe zwischen dem Schleusungspunkt Hermsdorfer Kreuz und Pößneck. Thüringens Innenminister Karl Heinz Gasser steckte diese Kritik ein und sagte, er wolle nichts beschönigen, denn „da hätte man zwei und zwei zusammenzählen können.“ So aber blieb die Polizei in der Unterzahl und Riegers Standort in Thüringen konnte mit einem Paukenschlag aktiviert werden. Bleibt die Frage, ob die thüringischen Behörden auf die nächsten potenziellen Veranstaltungen vorbereitet sind?

 

Andrea Röpke

 

Quelle: bnr


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