 | Ein gelungener Samstagabend |
 Der Parkplatz des Schützenhauses war restlos belegt. Den Anwohnern müssen die Geschehnisse am Abend des 16. Januar anfangs völlig normal vorgekommen sein. Auch die Gruppe jugendlicher Skinheads, die in der Umgebung dem ungeübten Betrachter nicht sofort ins Auge. Alles in allem ein scheinbar normaler Samstagabend in Oyten/Ortsteil Schaphusen im Landkreis Verden. Nur die Hundertschaft Polizisten aus Oldenburg und Osnabrück, die mit Blaulicht in den Ort fuhren und das Schützenhaus umstellten, störten dieses Ambiente.
Zu diesem Zeitpunkt befanden sich ca. 150 Personen in der Schaphusener Schießsporthalle. Der mehrfach wegen Volksverhetzung verurteilte Liedermacher Frank Rennicke sollte auf dem Rückweg seiner NPD-Wahlkampfunterstützung in Schleswig-Holstein noch ein Konzert im Schaphusen geben. Organisiert hatte das ganze Spektakel der stellvertretende Bundesvorsitzende der JN, Florian Cordes. Unterstützt wurde Cordes dabei von den Neonazis, die derzeit auf dem Strategie- und Schulungszentrum Heisenhof bei Dörverden leben. Mehr oder we-niger konspirativ hatte der jetzige „Stützpunktleiter“ der JN Verden/ Rotenburg und auf dem Heisenhof lebende Sascha Jörg Schüler Neonazis, Polizisten und Antifaschisten aus Norddeutschland telefonisch an verschiedene Schleusungspunkte in Verden und Achim gelotst.
Als die Neonazis in Konvois in Schaphusen eingetroffen waren, wurde der Abend durch den „Sänger Nico“, den Schleswig-Holsteiner NPD Landtagskandidaten Jens Lütke und dem NPD Bundesvorstandsmitglied Frank Rohleder eröffnet. Anschließend erklomm Frank Rennicke die Bühne. Die Stimme des „Nationalen Liedermachers“ war an diesem Abend aufgrund der Wahlkampfeinsätze stark angeschlagen. Deshalb forderte Rennicke die anwesenden Neonazis zu gemeinsamem Gesang des „Niedersachsenliedes“ und des „Schlesierliedes“ auf. Als das Ostsachsenlied angestimmt werden sollte, umstellte die einsatzbereite Hundertschaft der Polizei das Gebäude.
Die Neonazis hatten das Schützenhaus unter falschen Angaben angemietet, woraufhin sich der Verdener Einsatzleiter der Polizei das Hausrecht durch den dortigen Schützenverein übertragen und die Veranstaltung für beendet erklären ließ. Schockiert über den unerwarteten Ausgang des Abends, zeigten sich Florian Cordes und der ebenfalls anwesende Skinhead-Beauftragte und Reisekader der JN Sascha Wagner gefügig und verließen die Lokalität nach Beendigung des 15 Minuten dauernden Ultimatums, das ihnen die Polizei gestellt hatte.
Florian Cordes kündigte als Antwort auf den unfreiwillig beendeten Liederabend eine Spontandemonstration durch Oyten an. Seine zuerst vorgeschlagene Route wurde allerdings aufgrund fehlender Straßenbeleuchtung ebenfalls untersagt. Zu einer Protestdemonstration kam es nicht mehr, da die Neonazis nach dem Singen nicht in der Lage waren, weitere gemeinsame Aktionen durchzuführen.
von Skrolan Täschel
Dieser Artikel erschien im Rechten Rand Nr. 93/März-April 2005
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