 | Neonazi verunsichert eine kleine Gemeinde |
 Nach den jüngsten gewalttätigen Ausschreitungen von Rechtsextremisten gegen Polizeibeamte hat Innenminister Klaus Jeziorsky (CDU) ein hartes Vorgehen gegen die Gewalttäter angekündigt. "Wir werden auch künftig mit allen uns gegebenen Möglichkeiten illegale Skinheadkonzerte verhindern", sagte er gestern gegenüber der MZ. Zudem ahnde man konsequent jede Straftat im Umfeld solcher Veranstaltungen.
Nur eine Woche nach einem bereits zu Pfingsten unterbundenen illegalen Konzert waren am vergangenen Samstag erneut mehr als 60 Neonazis in den kleinen Ort gereist, um an einem als Geburtstagsfeier getarnten Konzert teilzunehmen. Da die Behörden bereits im Vorfeld von den Plänen des Veranstalters Enrico Marx wussten, hatten sie das Konzert verboten. Nach Einsetzen der Livemusik wurde der Saal der früheren LPG ab 23 Uhr geräumt. Dabei gab es Jeziorsky zufolge "massive Gegenwehr" - ein Beamter wurde verletzt. 63 Personen erhielten einen Platzverweis.
Der 28-jährige Enrico Marx als Veranstalter ist für die Polizei schon lange kein unbeschriebenes Blatt mehr. Er gilt als Multiplikator der Rechten und Führungsfigur im Süden des Landes. "Marx ist ein höchst umtriebiger Neonazi", so Jürgen Schmökel vom Magdeburger Verfassungsschutz. Tatsächlich sucht Marx immer wieder die Öffentlichkeit und wendet sich auch in offenen Briefen an seine Nachbarn. "Man trinkt gemeinsam Bierchen und lässt den Arbeitsstress der Woche hinter sich", verteidigt er darin die Veranstaltungen. Die Einwohner sind inzwischen höchst verunsichert.
Marx selbst wird der Kameradschaft "Ostara-Skinheads" zugerechnet, auf die auch auf einer bundesweit verbotenen Musik-CD verwiesen wird. Er unterstützt nach Erkenntnissen der Ermittler zudem ein Szeneblatt und die HNG, eine so genannte Hilfsorganisation für inhaftierte Rechtsextreme. Er versucht sich als Produzent neonazistischer Musik-CD, die an Schüler verteilt werden sollte, und verdient offenbar gut durch die Gastronomie im Umfeld der Konzerte. "Das ist praktisch eine illegale Gaststätte mit einer Fülle von "echtsverstößen", so Schmökel. Besonders aufmerksam wird registriert, dass in dem umfriedeten Gelände in Sottershausen neuerdings auch Vertreter der NPD zu Schulungsveranstaltungen auftauchen.
Quelle: Mitteldeutsche Zeitung vom 23.05.2005 |