 | Pößneck bleibt rechtes Konzert zunächst erspart |
 Frühere Pächter einer Neonazi-Disko in Mücka wollen Schützenhaus betreiben
Eine Neonazi-Großveranstaltung, die seit einiger Zeit für morgen im Pößnecker Schützenhaus angesagt wurde, wird der Stadt wohl zunächst erspart bleiben. Die zuständigen Behörden sind dennoch für alle Fälle vorbereitet.
Im Schützenhaus sollte am Samstag ein Konzert der norddeutschen Band "Kategorie C" stattfinden. Mit Kategorie C bezeichnen deutsche Ordnungs- und Sicherheitsbehörden gewaltbereite Fans etwa von Fußballmannschaften. Die Gruppe hat den morgigen Auftritt auf ihrer Homepage "definitiv" abgesagt.
Die Behörden sind jedoch vorsichtig: "Wir können nach wie vor nicht ausschließen, dass dieses Konzert stattfinden soll", sagte Eddy Krannich von der Pressestelle der Polizeidirektion Saalfeld. Anzumelden wäre das Konzert bei der Stadt Pößneck. Das ist dem Ordnungsamtsleiter Andreas Blümel zufolge bis gestern nicht passiert. Polizei und Stadt haben sich über die Schritte abgestimmt, die am Wochenende eventuell notwendig werden.
Blümel zufolge könnte ein Konzert im Schützenhaus derzeit gar genehmigt werden. Im ehemaligen Kulturhaus will das Ehepaar M., das aus dem sächsischen Mücka stammt und allgemein der rechten Szene zugeordnet wird, eine Gaststätte eröffnen. Im Schützenhaus soll M. auch Großveranstaltungen machen wollen. Ein entsprechender Antrag liegt der Stadt Pößneck seit Anfang Juni vor. Allerdings sind bislang diverse Bedingungen für die Genehmigung des Antrages - und daher auch für die Gestattung eines Konzertes - nicht erfüllt. Vor allem Nachweise baurechtlicher Art fehlen, hieß es aus dem Landratsamt. Der Saale-Orla-Kreis begleitet das städtische Genehmigungsverfahren. Im Landratsamt ist die Angelegenheit für den Ersten Beigeordneten Siegfried Schmieder "absolute Chefsache", wie er erklärte.
Allerdings wird im Schützenhaus daran gearbeitet, die Vorstellungen der Behörden zu erfüllen. Nicht nur am Rande des NPD-Parteitages vom vergangenen Wochenende war von "Baumaßnahmen" in dem Gebäude zu hören. Eine "Pressekonferenz" zur Eröffnung der neuen Gastwirtschaft im Schützenhaus wurde bereits angekündigt.
Stadt und Kreis prüfen den Antrag der Familie M. genau. Das Ehepaar werde aber "nicht anders" behandelt als andere Antragsteller, so die Verantwortlichen. Der Hamburger Rechtsanwalt und Rechtsextremist Jürgen Rieger, der das Schützenhaus über eine englische Stiftung verwaltet, soll ja keine Steilvorlage erhalten. Rieger soll bereits "Druck" auf das Pößnecker Rathaus gemacht haben, weil das Verfahren zu langsam vorwärts komme. Blümel wollte diesen Hinweis nicht bestätigten, sagte aber: "Druck macht jeder, der eine Gaststätte eröffnen will."
Die Behörden müssen das Genehmigungsverfahren spätestens Ende August abschließen. Sollte die Familie M. dann das Schützenhaus bewirtschaften dürfen, sieht mancher schwere Zeiten für Pößneck. In Mücka hat M. fast zehn Jahre lang eine Gaststätte namens "Wodan" gepachtet gehabt. Die Konzerte in der Disko waren Anziehungspunkt für Neonazis aus ganz Deutschland. Mitunter hatten sich tausende Rechtsextremisten in Mücka eingefunden. "Wodan" konnte vor etwa drei Monaten geschlossen werden. Das Pößnecker Schützenhaus, so wird jetzt befürchtet, soll der bessere Ersatz werden.
Quelle: Ostthüringer Zeitung vom 22.07.2005 |