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Erleichterung in Heilshoop - Dieter Kern kehrt dem Dorf den Rücken

Ein Dorf atmet auf: Nach knapp eineinhalb Jahren kehrt der rechtsradikale Dieter Kern Heilshoop den Rücken. Seine Gaststätte, Treffpunkt für Neonazis, ist geschlossen.

 

Heilshoop - Die kleine idyllische Gemeinde Heilshoop mit ihren 650 Einwohnern war oft im Zusammenhang mit Neonazis genannt worden. Jetzt hoffen alle auf eine ruhigere Zukunft. Der Stein des Anstoßes, der Nazi-Treffpunkt Landhaus Heilshoop ist geschlossen, das Gewerbe abgemeldet, und der bisherige Pächter Dieter Kern bereitet seinen Umzug aus der Wohnung über der Gaststätte vor.

 

Bürgermeister Wendelin Herbrand weint dem Neonazi keine Träne nach. Zwar habe es nur in unmittelbarer Nähe des Landhauses Belästigungen durch Lautstärke gegeben, aber der Ruf Heilshoops sei ruiniert worden. Von der "braunen Kundschaft" habe das Dorf selbst wenig mitbekommen. Doch bei Veranstaltungen habe man Autos aus ganz Norddeutschland sehen können, die Polizei habe zeitgleich an jedem Ortszugang gestanden. "Dadurch fühlten wir uns zwar sicher, hatten aber auch ein ungutes Gefühl," erzählt Herbrand. Dadurch und durch die Gegendemonstrationen von "vermummten Gestalten" sei besonders älteren Mitbürgern Angst und Bange geworden. "Gut für die Bürger und den örtlichen Frieden in Heilshoop", sagt Landrat Klaus Plöger zu Kerns Rückzug, "und auch gut für die Kreisverwaltung, da sie nun durch die wegfallenden Demonstrationen und Gegendemonstrationen weniger Arbeit hat".

 

Was Kern dazu bewogen hat, sich aus Heilshoop zurückzuziehen, bleibt offen. Er war für die LN gestern nicht zu erreichen. "Der Pächter Dieter Kern hat sein Gewerbe zum 31. Juli abgemeldet", bestätigte Sönke Hansen, Amtsdirektor des Amtes Nordstormarn.

 

Horst Edler, Malermeister aus Lübeck und Eigentümer des Landhauses, sagte, Kern habe sich bei ihm zwar über sinkende Besucherzahlen und fehlende Gäste aus dem Dorf beklagt, habe das Landhaus aber dennoch vergrößern wollen. Zusätzlich habe er weitere Notausgänge und Sicherheitstüren - Auflagen des Gewerbeamtes - eingebaut haben wollen. "Das jedoch habe ich abgelehnt. Als dann die Kündigung Kerns kam, habe ich diese kommentarlos angenommen und bin froh darüber", sagt Edler. Kern selbst habe bis November Zeit, aus der Wohnung über der Gaststätte auszuziehen. Er sei aber bereits dabei, Gegenstände fortzubringen.

 

Als Kern im März 2004 das Landhaus übernommen habe, habe er nicht wissen können, was sich dort entwickeln würde. "Er ist mir gegenüber souverän und solide aufgetreten," erinnert sich Edler, dessen Tochter in Heilshoop wohnt. Für das Dorf sei er froh, dass diese Ära nun ein Ende habe. Einen neuen Pächter gebe es auch schon. Sein Name: Rainer Hopp. Der Vermieter: "Er wird dort eine ganz normale Speisegaststätte im Sinne eines Dorfkrugs betreiben." Handwerker seien bereits angerückt, um das Landhaus zu renovieren.

 

Quelle: Lübecker Nachrichten vom 03.08.2005


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