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Massenschlägerei nach NPD-Konzert in Saarbrücken

Am Samstag, den 07.August 2005, veranstaltete die NPD Rheinland-Pfalz in der Festhalle am Schwimmbad in Saarbrücken-Fechingen ein "Rechts-Rock"-Konzert mit den Neonazibands HKL (Hessen), Brigade M (NL), Selbststeller (Riesa), Lemovice (F), SKD (Thüringen) und Calslage (NL), zu dem etwa 200 Neonazis erschienen waren. Außerdem wurde Klaus-Jürgen Menzel, der für die NPD im sächsischen Landtag sitzt und immer wieder seine Nähe zu Nationalsozialismus und militanten Neonazigruppen unter Beweis stellt, als Redner angekündigt. Das Saarland, und insbesondere Saarbrücken-Fechingen, hat sich schon seit längerem zu einem Ort entwickelt, wo Neonazis auf eine recht gute Infrastruktur für Veranstaltungen wie Konzerte und Parteitage zurückgreifen können und wo sie kaum mit staatlichen Repressionen rechnen müssen.

 

Im unmittelbaren Anschluss an das NPD-Konzert griffen etwa 20-25 Neonazis unter "Sieg Heil"-Rufen und dem Zeigen des "Hitler-Grußes" auf dem St.Johanner Markt in Saarbrücken mehrere Menschen an. Die saarländischen Medien berichteten am Montag, den 08.August, dann gleichlautent von einer "Massenschlägerei zwischen Rechts- und Linksextremen" bzw. "Rechten, Skinheads und Obdachlosen". Statt dem naheliegenden Verdacht, dass die Angreifer von der NPD-Veranstaltung in Fechingen kamen und gezielt Menschen südländischen Aussehens und solche, die sie als "Zecken" und "Asoziale" ausmachten, angriffen, behaupten Polizei und Presse eine Schlägerei zwischen betrunkenen Randalierern.

 

Die von mehreren Zeugen alarmierte Polizei war dann auch nicht in der Lage oder willens, die Täter festzustellen. So wurden laut Presseangaben lediglich die Personalien einiger Zeugen aufgenommen.

 

Dass gerade nach solchen Großveranstaltungen der NPD mit Übergriffen durch Neonazis zu rechnen sein muss, ist nichts neues und dürfte auch dem Innenministerium bekannt gewesen sein. Statt solche Überfälle durch Neonazis, die absehbar waren, zu verhindern, beschränkt sich die Polizei in Saarbrücken jedoch darauf, die Taten im Nachhinein herunterzuspielen und als Auseinandersetzung zwischen politischen Extremisten darzustellen.

 

Interessant auch, das sich die Verlautbarungen der Vertreter von Polizei und Verfassungsschutz bezüglich eines Zusammenhangs zwischen den Vorfällen und dem Konzert widersprechen.

 

Quelle: http://www.antifa-saar.de.vu

 

Presssemitteilung der Antifa Saar / Projekt AK

 

Am gestrigen Samstag fand in Saarbrücken-Fechingen ein "Rechts-Rock" - Konzert mit mehreren hundert Neonazis aus dem Saarland, dem übrigen Bundesgebiet und dem europäischen Ausland statt. Es spielten Bands aus Deutschland, den Niederlanden und Frankreich. Angekündigt wurde das Konzert als Wahlkampfveranstaltung der NPD - Rheinland-Pfalz. Nach dem Ende des Konzertes kam es in der Saarbrücker Innenstadt zu den zu erwartenten Übergriffen durch die braunen Schläger.

 

"Hauptkampflinie", "Brigade M", "Selbststeller", "SKD", "Calslage" und "Lemovice" heißen die Bands, die von der NPD-Rheinland-Pfalz für die gestrige Wahlkampfveranstaltung angekündigt wurden und vor allem Anhänger der militanten Neonazi-Szene anlockten. Die Besucher aus dem weiter entfernten Bundesgebiet und dem europäischen Ausland wurden in den Großraum Homburg-Zweibrücken mobilisiert, um sie dann gestern Abend nach Saarbrücken-Fechingen weiterzuleiten. Auch der Schirmherr Klaus Menzel (MdL) ist kein unbeschriebenes Blatt, sondern bekannt für seine unverhohlene Nähe zu organisierten Nazischlägern. Dass Saarbrücken-Fechingen als Veranstaltungsort gewählt wurde, ist weder ein Zufall noch eine besondere Überraschung. Das Saarland und insbesondere Saarbrücken-Fechingen haben sich in den letzten Jahren zu einem organisatorischen und infrastrukturellen Schwerpunkt der Aktivitäten der NPD entwickelt. Christian Schneider erklärt für die Antifa Saar/Projekt AK: "In Brebach-Fechingen fanden in den letzten Monaten und Jahren verstärkt Veranstaltungen der Saar-NPD, der NPD-Rheinland-Pfalz und der Bundes-NPD statt. Das geht vom "gemütlichen Liederabend" über Bundesparteitage und "europäische Nationalistentreffen" bis hin zu Rechtsrockkonzerten wie am gestrigen Abend. In unseren Informationsveranstaltungen, die auch bereits den Parteien im Saarbrücker Stadtrat angeboten wurden, weisen wir seit Monaten auf diese Entwicklung hin.

 

Dass im Anschluss an solche Veranstaltungen die Teilnehmer häufig losziehen, um gegen im nationalsozialistischen Denken als "unwertes Leben" oder "Volksschädlinge" definierte Menschen mit extremer Gewalt vorzugehen, ist nichts Neues und dürfte auch den zuständigen Behörden im Innenministerium bekannt gewesen sein. So sind die gestrigen Übergriffe am St. Johanner Markt, bei denen sich die Täter vermutlich als "Vollstrecker des gesamtdeutschen Volkswillens" sahen, auch keine Überraschung. Christian Schneider führt dazu weiter aus: "Vom Innenministerium ist da nichts zu erwarten, da Frau Kramp-Karrenbauer ihre Inkompetenz zu dieser Thematik immer wieder zur Schau stellt. So schlägt sie jüngst vor, "rechtsextreme Musik" im Musikunterricht zu behandeln. Da stellt sich mir die Frage, ob sie dort die Tonreihen analysieren lassen will. Diese Thematik hätte im Schulunterricht - wenn überhaupt in dieser Form - ihren Platz im Politik- und eventuell noch im Geschichtsunterricht. Dazu kommt, dass die Praxis der Innenministerin in manchen Punkten, z.B. der rigorosen Abschiebepolitik, durchaus kompatibel mit so mancher Forderung der gestrigen Konzertveranstalter ist."

 

Die Antifa Saar/Projekt AK fordert eine Förderung unabhängiger antifaschistischer Gruppen und die sofortige Einstellung der Kriminalisierung des antifaschistischen Widerstands. Detaillierte Informationen über Veranstalter, Redner und Bands der gestrigen Veranstaltung können von der Presse bei uns angefordert werden.


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