 | Vierhundert Neonazis in Griesheim |
 Die angekündigte Geburtstagsfeier einer Basketballmannschaft entpuppte sich am Samstagabend als ein Konzert und großes Treffen von Neonazis. Mehr als 400 Mitglieder der rechten Szene hatten sich in einer Gaststätte in der Bessunger Straße in Griesheim zusammengerottet, spielten rechtsradikale Lieder und grölten nach Angaben von Augenzeugen nationalsozialistische Parolen.
Rund um das Gebäude hatte die Polizei Stellung bezogen. Sie sollte handfeste Auseinandersetzungen zwischen den Rechten und Mitgliedern der linken Szene verhindern. Die blieben nach Polizeiangaben jedoch aus.
In kleinen und größeren Gruppen bevölkerten Rechtsradikale die Straßen, störten die Nachbarn. „Mehr als 40 Anrufe haben wir bekommen“, sagte Polizeisprecher Dieter Wüst in der Nacht.
Von drinnen war dumpfe Musik zu hören. Dabei sollen Bands mit den namen „Eternal Bleeding“, „Blitzkrieg“, „Braune Stadtmusikanten“, „Breakdown“ und „Radikahl“ aufgetreten sein, die sich in ihren Liedern zu „Rasse, Stolz und Hakenkreuz“ bekennen.
Vor dem Hof stand die Einsatzleitung der Polizei. Aus ganz Hessen waren Polizeibeamte zusammengezogen worden. „Zwei Hundertschaften“, erklärte Wüst. Er begründete die starke Polizeipräsenz mit Meldungen, nach denen Mitglieder der linken Szene auf dem Weg nach Griesheim seien. Diese seien aber nicht gekommen, hieß es am Sonntagmittag aus dem Polizeipräsidium.
Augenzeugen berichten, dass Neonazis mit Knüppeln bewaffnet versucht haben sollen, auf eine Gruppe alternativer Jugendlicher loszugehen. Die Angegriffenen hätten sich in ein Lokal retten können.
Als politische Veranstaltung angemeldet war das Treffen offenbar nicht.Von der Art seiner Gäste zeigte sich der Gaststätten-Inhaber erschreckt. Im November habe ein Mann bei ihm eine Geburtstagsfeier gebucht. „Der sah ganz normal aus. Aber am Samstag kamen nur Glatzen“, beschreibt er die Situation. „Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich die doch nicht genommen.“ Er war den gesamten Sonntagvormittag damit beschäftigt, den Saal aufzuräumen. „Hier sieht es aus, als habe eine Bombe eingeschlagen“, sagt er.
In der Nacht hatten sich dort offenbar tumultartigen Szenen abgespielt. „Ich war nicht mehr Herr im eigenen Haus. Ich habe Angst gehabt“, sagt der Wirt.
Quelle: http://www.echo-online.de/suedhessen/template_detail.php3?id=343854 |