 | Konzert wegen menschenverachtender Texte abgesagt |
 Eine finnische Gruppe sorgt in Mittelhessen für unangenehmen Wirbel. Impaled Nazarene heißt die Black Metal-Band, die am 17. Mai zusammen mit drei anderen Gruppen im Jugendzentrum Jokus an der Ostanlage auftreten sollte. Nach einem Hinweis aus der antifaschistischen Szene auf eine Nähe zu nationalsozialistischem Gedankengut prüfte Jokus-Leiter Jochen Romisch die Texte und kam zu der Erkenntnis: "Dieses Konzert wird bei uns nicht stattfinden."
Impaled Nazarene vereint all jene Zutaten, die Black Metal-Fans schätzen: Ihre Hauptthemen sind Hass, verpackt in mentaler Selbstversenkung, Todessehnsucht, ein Faible für martialisch-infernalen Gestus, vorchristliche Zeit und für satanistische Symbolik. Brachiale Provokation gehört zur Inszenierung in der Szene und das fordert den Begriff der Kunstfreiheit heraus. Jochen Romisch empfindet "die menschenverachtenden Texte" nach eigener Recherche als "indiskutabel".
Darauf lässt bereits der Name schließen. Impaled Nazarene heißt "Aufgespießter Nazarener". Auf dem Begrüßungsfoto der Homepage spuckt der Sänger schwallartig Blut in einen Eimer. Im Hintergrund zielen die anderen Bandmitglieder mit Pistolen auf ihn. Auf ihren Plattencovern werden mit Panzerketten Totenschädel zermalmt und nackte Frauenkörper mit Patronengurten verziert. Das mag Anstoß erregen. Das tut die deutsche Band Rammstein aber auch, weltweit sehr erfolgreich. Allerdings steht diese auch nicht im Verdacht, nationalsozialistisches Gedankengut zu verbreiten.
Das genau wirft die antifaschistische Gruppe Comité Liberté aus Gießen der Band vor, nämlich die genreübliche Terminologie "in einen pronazistischen, Holocaust verherrlichenden Kontext" zu stellen. Zu diesem Eindruck trägt die Bildunterschrift im "News"-Bereich des Internetauftritts vom Februar bei. Unter der Ankündigung des neuen Albums "Pro Patria Finlandia" steht "...and the holocaust continues" ("...und der Holocaust geht weiter"). In der Hasstirade "Zero Tolerance" wird gegen Homosexuelle gewettert: "Hört ihr verdammten Homojungs, eure Zeit ist gekommen", heißt es da auf Englisch. Und das ist nur ein zitierfähiger Ausschnitt. In "Zum Kotzen" singen sie deutschsprachig: "Ich frage dich: Was ist Dreck? Was ist reine Sch...? Ich sage dir, der Untermensch ...". Jochen Romisch hält die textlichen Äußerungen für zutiefst unethisch: "Wenn so etwas auf Deutsch ist, ist das bei einer finnischen Band ja auch eindeutig."
Neben Impaled Nazarene sollten am 17. Mai auch Master, Zuul FX und Betrayed auftreten. Mit dem Veranstalter, einer kleinen Agentur, hatte es bis dahin keine Unstimmigkeiten gegeben.
Quelle:Giessener Anzeiger vom 30.03.2006 |