 | Zuerst die "Kneipenterroristen" |
 In großer Schrift auf düsteren Plakaten wird für ein Konzert mit den "Kneipenterroristen" am Freitag, 31. März, in Wittstock geworben. Als Veranstaltungsort wird dafür derzeit der ehemalige BBM-Baumarkt in der Rheinsberger Straße vorbereitet. Der Name der Musikgruppe allein sorgt bereits für Aufsehen. Und die Band "Böhse Onkelz", deren Musik nachgespielt wird, ist nicht unumstritten. Einige Titel wurden indiziert. Die "Kneipenterroristen" bezeichnen sich selbst als "die erste und beste Böhse-Onkelz-Revival-Band".
"Nazis bekommen keinen Zutritt zum Konzert. Wir wollen mit dem Vorurteil aufräumen, dass mit dem Konzert der Kneipenterroristen der Ruf von Wittstock weiter beschädigt wird, die Gruppe ist international erfolgreich", sagt Alexander Lippert. Er und Bruder Sven Lippert organisieren für Freitag ein Konzert mit den "Kneipenterroristen".
Die Wittstocker Veranstalter berufen sich auf das "sehr erfolgreiche Konzert im Jahr 2005 auf dem Lausitzring, jung und alt, Fans und Leute mit Musikgeschmack waren dabei", sagt Alexander Lippert. Nur wegen des Bandnamens wolle er sich und das ganze Konzert in Wittstock nicht in eine rechte Ecke gedrückt sehen. "Ihre Musik begeistert die jungen Leute - und auch Oma und Opa", schiebt Lippert nach.
Die Revival-Band wirbt selbst damit, auch die Texte und Songs "der Böhsen Onkelz zu spielen, die nicht mehr regelmäßig von den Originalen gespielt werden. "Wir liefern Dir damit alle Hits, die die Onkelz je geschrieben haben", werben die Kneipenterroristen aus Norddeutschland auf ihrer Homepage. Das bereitet einigen Sorge, da eine Reihe der Onkelz-Songs indiziert sind und auch heute nicht öffentlich aufgeführt werden.
Die Polizei wird ein wachsames Auge auf die Veranstaltung haben. "In die ehemalige BBM-Halle passen 500 Menschen. Wir rechnen damit, dass sie voll wird", sagt Dörthe Braun, Sprecherin des Neuruppiner Schutzbereiches. Und: "Wir ziehen in Erwägung, dass Mitglieder aus der rechten Szene kommen werden." Die Polizei werde verstärkt Streife fahren. Zusätzliche Kräfte der Bereitschaftspolizei kommen zum Einsatz. Der einstige Baumarkt erlebt am Freitag seine Premiere als Veranstaltungsort. Da es eine Ein-Tag-Veranstaltung ist, kann sie bei Einhaltung aller Sicherheitsbestimmungen an diesem Ort genehmigt werden. Für den geschlossenen Baumarkt liegt auch ein Antrag an die Stadtpolitiker für eine Umwidmung des Geländes als dauerhaften Veranstaltungsort vor. Sven Lippert berichtet: "Es soll eine Dosse-Event-Halle werden." Zum Beispiel wolle ein regionaler Radiosender regelmäßige Veranstaltungen anbieten. Das Eröffnungsevent soll am 1. September stattfinden. Lippert: "Wir wollen eine kulturelle Vielfalt in der Stadt bieten."
Über den Antrag ist noch nicht beraten worden, die Fachausschüsse werden sich in nächsten Sitzungen darüber eine Meinung bilden müssen.
Die Zulässigkeit der Eintagesveranstaltung kann nur aus dem Blickwinkel vom Bauordnungsamt geprüft und davon die Veranstaltungsgenehmigung abhängig gemacht werden. Laut Sven Lippert hat der Kreis bereits zugestimmt.
Als Dauerveranstaltungsort sieht Bürgermeister Lutz Scheidemann hier in den Diskussionen vergleichbare Probleme entstehen, wie sie für das Heizhaus in der Perleberger Straße von den Anwohnern aufgeworfen worden sind. Die Vielzahl ihrer Bedenken hatte letztendlich zur Ablehnung eines Antrags geführt, das Heizhaus in einen Veranstaltungsort umzuwandeln. Auch in der Rheinsberger Straße gibt es ein Wohngebiet, dort sieht der Wittstocker Bürgermeister Lärmbelästigung von den Veranstaltungen und von den motorisierten Besuchern vorher. "Dass wir gerade zur Eröffnung unserer Tourismussaison jetzt auch im Umland auf Plakaten mit den Kneipenterroristen in Zusammenhang gebracht werden, ist dem Ruf der Stadt abträglich", sagt Scheidemann. In seiner Verwaltung liegen inzwischen auch Anzeigen wegen illegaler Plakatierung für dieses Konzert vor, darauf soll kurzfristig reagiert werden. Sven Lippert meint, dass nur auf privaten Grundstücken plakatiert worden sei.
Ein Konsens scheint aus Sicht des Bürgermeisters mit den Veranstaltern kaum möglich. "Unsere Chemie miteinander ist gestört." Besondere Sicherheitspräsenz am Freitag in Wittstock sei zur Eröffnung der Tourismussaison auch nicht der richtige Einstieg fürs Stadtimage. Besonders ärgerlich findet er die Konzertwerbung außerhalb von Wittstock über einen schon vergleichbar langen Zeitraum, in Mecklenburg und in der Prignitz. "Ich hoffe, dass damit nicht ausgerechnet der Personenkreis hierher gezogen wird, den wir nicht in Wittstock haben wollen", so das Wittstocker Stadtoberhaupt.
Quelle: MAZ vom 29.03.2006 |