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Vier junge Musiker in Erklärungsnot - Hip-Hopper von DissauCrime wegen Volksverhetzung angeklagt

Die Erklärungsnot, in der vier junge Dessauer stecken, ist groß. Vor allem bedauerte Hip-Hopper David S. (28) im Hauptsaal des Dessauer Amtsgerichts den Ruf von DissauCrime in der Szene: "Es ist natürlich gerade unter Hip-Hoppern nicht geschickt, als Nazi dazustehen", meinte er.

Mit dem Vorwurf der Volksverhetzung wurden am Donnerstag die Mitglieder der Dessauer HipHop Band vor der Jugendkammer des Amtsgerichts konfrontiert. Einige der Titel ihrer vor zwei Jahren auf den Markt gebrachten CD "Zyklon D - Frontalangriff" lassen fast keinen anderen Schluss zu, auch wenn die Vier dies vehement abstreiten. Einer der Songs heißt etwa "Gestapo aus dem Osten".

 

Die vier Rapper wollen die menschenfeindliche Bedeutung ihrer Worte nicht gesehen haben. Die meisten Texte waren vor fünf Jahren entstanden. Vor zwei Jahren auf CD gebrannt, sollte sie in einem Szene-Laden verkauft werden. DissauCrimes erste Scheibe wurde aus dem Sortiment genommen. Als die CD gar im weltweit größten Internet-Auktionshaus angeboten wurde, beschlagnahmte die Polizei im Juni 2005 während einer Hausdurchsuchung das Masterband sowie eine CD mit Live-Aufnahmen und den Rechner, mit dem die CD vervielfältigt wurde.

 

Angeklagter David S. findet es im Nachhinein richtig, dass die CD eingezogen wurde: "Es war ein Riesenfehler, sie zu produzieren". "Ich bin weder rechts, noch war ich rechts", meinte Stefan B. (21). Öffentlich entschuldigt hat sich Franz W. (27). Der Anwalt eines weiteren Band-Mitglieds monierte, dass die Ermittler die Texte in der Anklageschrift teilweise nicht richtig wiedergegeben hätten.

 

Die Jugendkammer will jetzt nicht nur brisante Textstellen, sondern alle Songs hören, um sich ein Bild machen zu können. Arbeit wartet auf Gutachter des Landeskriminalamtes. Bis dahin wird das Verfahren ausgesetzt und vermutlich nicht vor dem Sommer neu anberaumt.

 

Quelle: Anhaltkurier vom 05.05.2006


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