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KONTROVERS
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Musikalischer Kampf der „Grauen Wölfe“

Bei den kultur-politischen Events der „Grauen Wölfe“ haben die Auftritte von Musikern eine besondere Bedeutung. Die Musik festigt die Bewegung der Ultra-Nationalisten. Obwohl die „Wölfe“ meinen, die Musik wäre zur Unterhaltung und zum Vergnügen da, ist offenkundig, dass damit eindeutige politische Aussagen transportiert werden.

Die Niederländisch-Türkische Rap-Gruppe „Arka Sokak“ trat am 11. Juni 2006 bei einem von der Stadt Utrecht gesponserten Festival auf. In ihrem Repertoire finden sich Lieder wie „Turks, Kurds“, das ihre Sicht auf die kurdische Minderheit spiegelt und die in Kreisen türkischer Nationalisten weit verbreitetet ist: „Weißt Du, was mit verrückten Hunden passiert, man nimmt sie sich einen nach dem anderen vor und schießt ihnen eine Kugel in den Kopf. Unsere Soldaten werden euch sowieso vernichten. DieTürken hassen euch bis auf die Knochen!“. Im Mai 2006 trat „Arka Sokak“ gar bei einem Kulturfest im niederländischen Oldenzaal auf, das von Mitgliedern der „Turkse Federatie Nederland“ („Türkische Föderation der Niederlande“) organisiert worden war - einer Tarnorganisation der niederländischen „Grauen Wölfe“.

 

Die „Wölfe“ nutzen die Musik so, wie Neo-Faschisten es rund um die Welt tun, um neue Anhänger zu gewinnen und um die Hörer an ihre Kultur und Herkunft als Türken zu erinnern bzw. sie enger daran zu binden. Einflüsse durch die „seltsame“ europäische (westliche) Kultur gilt es dabei zu vermeiden. Der 1997 verstorbene einstige Führer der „Wölfe“, Alparslan Türkes, betonte bereits 1975 in seinem Buch „Temel Görüsler“ (Grundlegende Prinzipien), dass die Kultur äußerst wichtig sei für die Ultra-Nationalisten: „Heute findet im Antlitz der Welt ein unausgesprochener, aber wütender Krieg zwischen verschiedenen Nationen statt: ein Krieg zwischen den Kulturen. Sie können so viele Bollwerke erobern, wie sie wollen, eine Armee Schlacht für Schlacht schlagen, doch eine Nation ist nicht verloren, so lange sie nicht das Herz und den Verstand einer Nation erobern. Es ist ein unwiderlegbarer Fakt, dass du ein Teil jener Nation bist, die du als die deinige erwählt hast. In einem kulturellen Krieg strebt jede Nation danach die Sprache, die Religion, die Traditionen und die nationalen sowie spirituellen Werte einer anderen Nation zu vernichten und durch die eigenen kulturellen Werte zu ersetzen.“

 

Zu den Musikern, die auf den Treffen und Festivals der „Grauen Wölfe“ auftreten, gehören so genannten Asiks, Troubadoure. Diese Barden reisen mir ihrer Baglama, einem traditionellen, birnenförmigen Seiten Instrument, durch das Land und tragen populäre Lieder vor. Der  Bekannteste ist Ozan Arif. Aber auch andere Stilrichtungen werden bemüht, sei es Pop-, Marsch-Musik oder seit den 1990er Jahren HipHop. Die Künstler kommen zumeist aus migrantischen Communities, wie die deutschen Rapper Mehmet Borukcu, Cartel und Sert Müslümanlar („Tough Muslims“): „Ihr werdet euch nach Vergeltung sehnen, der graue Wolf versetzt Berge! Kurz und schmerzlos, das ist meine Stärke! Merke Dir, wir sind nicht leicht zu knacken wie die anderen Kanakenl [...] Bin ein Anhänger der Grauen Wölfe, mein Hass bringt groß [Fehler im Original], ich gehe durch die Hölle. Hass ist meine Uniform und hält mich immer in Höchstform! [...] Ein Halbmond und ein Stern sind übrig geblieben vom osmanischen Kern. Lern, es ist unsere Geschichte, und danach berichte über unsere Geschichte! Knallhart, immer superstark! Hardcore-Moslem, gibt dir einen Rat, meinen Kreuzzug kann niemand stoppen, unseren Feinden brech' ich einzeln die Knochen!“, rappt Seit beispielsweise.

 

In den Niederlanden tritt das „Orchestra Mehter Takimi“ aus Bielefeld und Berlin bei Events der „Wölfe“ auf. Diese traditionelle Band orientiert sich an den Militärkapellen aus der Osmanischen Ära und spielt Marschlieder, die sich bei den extremen Nationalisten großer Beliebtheit erfreuen. Sie erinnern an die Tage türkischer Macht und Gloria während des osmanischen Reiches. Bei Konzerten als auch auf CDs zeigen sich die Graue Wölfe-Musiker gerne demonstrativ mit dem Gruss der „Grauen Wölfe“. Auf manchen Produkten protegiert es auch die Pan-Türkische Idee des Turanismus und damit die Vorstellung einer „Vereinigung aller Menschen türkischer Herkunft, die in einem Gebiet leben, das sich vom östlichen Mittelmeer bis Xinjiang in China und der Wolga im südlichen Anatolien erstreckt.“ Auch Ozan Arif bezieht sich auf den Turanismus bzw. auf den Mythos eines gemeinsamen „Urvolkes“ Turan in Eurasien. Eine Kassette heißt beispielsweise „Turan'a Hasret“ („Heimweh nach Turan“), auf der auch eine Karte abgebildet ist, welche die Türkei, frühere Sowjet-Republiken und Armenien als Land der Turan zeigt. Arifhat, ebenso wie einige andere Musiker, auch eine Position in der Bewegung. Er war Parlamentarier für die „Milliyetçi Hareket Partisi“ (MHP, Partei der Nationalistischen Bewegung). Der niederländische TFN-Spitzenmann Abdullah Sari war gleich Mitglied verschiedener Organisationen, die den „Grauen Wölfen“ zugerechnet werden. Die wichtigsten Aspekte der Ideologie der“ Wölfe“(Nationalismus, Rassismus, Ablehnung der Demokratie und Befürwortung eines starken Staates) sind in den Texten der Musiker enthalten. Stets werden in ihnen auch die gängigen Feindbilder beschworen: Kurdische „Separatisten“ und deren „Superteufel“ Abdullah Öcalan, Armenier, Russen,  Amerikaner und die Europäische Union. Die Lieder sind wahre Kriegssongs.

 

Wichtig ist zu erkennen, dass die Musik bei den (ultra-) nationalistischen türkischen Treffen nicht nur zur Unterhaltung und zum Tanz sind, sondern dass die Musiker eine wichtige Rolle in der Bewegung der „Grauen Wölfe“ spielen hinsichtlich der Rekrutierung und Beeinflussung vorwiegend jüngerer Türken.

 

Von Ernst Haffmans

Quelle: Der Rechte Rand Nr.104 Jan/Feb.2007


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