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Hitlergrüße in Budapest



links: Matthias Fischer, daneben der ungarische Blood and Honour-Chef Illés Zsolt (Bild: agentur snapshot)

Während eines Nazi-Konzerts in Budapest haben zwei Landesvorstandsmitglieder der NPD Bayern mehrfach den Hitlergruß gezeigt. In Anwesenheit der beiden Neonazi-Kader wurde mit Hassparolen zu antisemitischer Gewalt aufgerufen. Das Fernsehmagazin Panorama zeigt heute abend geheime Aufnahmen von dem Konzert, das im Rahmen eines internationalen Treffens des "Blood & Honour"-Netzwerks veranstaltet wurde.

 

Das Konzert wurde von der ungarischen "Blood & Honour"-Gruppe am 10.02. als Abschluss des "Tag der Ehre" organisiert. Angereist war eine hochrangige Delegation der NPD; als Kundgebungsredner präsentierten sich der Parteivorsitzende Udo Voigt, der Berliner Landesvorsitzende Eckart Bräuniger und Matthias Fischer, Mitglied im bayerischen Landesvorstand.

 

Die sonst so mitteilungsfreudige NPD verschwieg jedoch in ihrer eigenen Publizistik diesen Besuch bei den "Waffenbrüdern", die ungeniert und unverhohlen als stramme Nationalsozialisten agieren. Der Panorama-Beitrag zeigt, dass bei diesem Konzert antisemitische Hassparolen verbreitet wurden wie: "Wir stellen die jüdische Drecksau, zum letzten entscheidenden Schlag! (...) Juden raus". Die beiden bayerischen NPD-Funktionäre Norman Bordin und Matthias Fischer zeigten dazu mehrfach den Hitlergruß, so der NDR in einer Pressemitteilung zur heutigen Sendung (ARD, 21:45 Uhr).

 

Von Panorama auf den Hitlergruß angesprochen, erklärte NPD-Chef Voigt, ob jemand etwa einen Hitlergruß zeige, sei ihm eigentlich "piepschnurzegal". Er wolle der Sache aber nachgehen. Nach dem Interview teilte NPD-Sprecher Klaus Beier mit, Bordin und Fischer würden den mehrmals gezeigten Hitlergruß bestreiten. Doch die Videoaufnahmen belegen laut Panorama-Mitteilung eindeutig das Gegenteil.

 

Seinen Besuch beim ungarischen Nazi-Treffen rechtfertigte Voigt gegenüber den Panorama-Journalisten, er habe "einem alten Waffenbruder zeigen (wollen), dass wir auch nach einem verlorenen Krieg politische Gemeinsamkeit haben".

 

Quelle: www.redok.de

 

hier gibt es den Panorama- Beitrag


"Blood and Honour": Die NPD unter Freunden



Der Berliner NPD-LandesvorsitzendenEckart Bräuniger mit NPD-Chef Udo Voigt in Budapest.
(Foto:agentur snapshot)

Budapest / Dresden. Gleich bei zwei öffentlichen Veranstaltungen trafen sich in den letzten Tagen hochrangige Vertreter der NPD mit Kadern der Skinhead-Organisation "Blood and Honour" (B&H). NPD-Chef Udo Voigt durfte in Budapest eine Ansprache vor den versammelten Neonazi-Skinheads halten, in Dresden marschierten B&H-Führer beim "Trauermarsch" mit. Die Neonazi-Bruderschaft verfügt in mehreren europäischen Ländern über einen militant-terroristischen Arm "Combat 18" und ist seit September 2000 in Deutschland verboten.

 

Üblicherweise renommiert die NPD gerne mit ihren internationalen Kontakten, wenn sie etwa bei Freunden wie der spanischen Falange eingeladen ist, der Nachfolgerin der faschistischen Staatspartei unter dem Franco-Regime. Von dem Besuch der NPD-Delegation am 10. Februar in Budapest machte die Partei jedoch kein Aufhebens: offenbar war selbst der NPD nicht ganz wohl dabei, diese Kontakte in der deutschen Öffentlichkeit zu präsentieren.

 

Verschämt verschwiegener Besuch

 

Veranstalter des "Tag der Ehre" in Budapest war nämlich die ungarische Abteilung der internationalen Skinhead-Truppe B&H. Selbst dem deutschen Neonazi-Internetportal, das als einziges über den NPD-Besuch berichtete, war die unverblümte Nennung der Veranstalter zu heiß: verschämt wurde dort von einer "Sektion 28" gesprochen. Mit der Ziffernfolge 28 wird gemäß der Platzierung im Alphabet die Abkürzung "BH" für die Nazigruppe umschrieben. Schließlich ist die deutsche Blood and Honour-Abteilung mitsamt ihrer Jugendorganisation "White Youth" (Weiße Jugend) bereits seit dem September 2000 vom Bundesinnenminister verboten.

 

Mit dem "Tag der Ehre" feiern die ungarischen Neonazis seit einigen Jahren ihre historischen Vorbilder. Am 10. Februar 1945 hatten ungarische Truppen zusammen mit Einheiten der SS in aussichtsloser Lage einen Ausbruch aus dem von der sowjetischen Armee eingekreisten Buda unternommen; die meisten von ihnen kamen um oder gerieten in Gefangenschaft. 1999 traten einige Teilnehmer am "Tag der Ehre" in SS-ähnlicher Kleidung mit schwarzen Uniformen und Stiefeln auf; die Budapester Polizei sah sich zum Einschreiten genötigt. Die ungarische Blood and Honour-Abteilung ("Ver es Becsület") wurde - wie bereits vorher die deutsche - im Dezember 2004 verboten. Die diesjährige Veranstaltung wurde von einer Privatperson angemeldet.

 

Auf einschlägigen Internetseiten machten die Veranstalter jedoch keinen Hehl aus der wirklichen Verantwortung für den Aufmarsch: Neben B&H zählten dazu auch Gruppen wie "Blutiges Schwert" oder "Hungaria Skins"; B&H konnte am 10. Februar ungestört mit nicht zu übersehenden Transparenten aufmarschieren. Als internationaler Teilnehmer war unter anderem der englische B&H-Organisator Stephen "Swiny" Swinfen aus Northamptonshire angereist.

 

Wie Swinfen bekamen auch bekannte deutsche NPD-Funktionäre die Ehre, zu den etwa 1.000 versammelten Neonazis zu sprechen: Redner waren der NPD-Bundesvorsitzende Udo Voigt, der Berliner Landesvorsitzende Eckart Bräuniger und Matthias Fischer, Kreisvorsitzender Fürth (Mittelfranken) und im bayerischen Landesvorstand der Partei "Abteilungsleiter Freie Kameradschaften".

Fischer, 1977 in Templin geboren, kennt sich mit militanten Nazi-Skinheadgruppen bestens aus. Ehemals war er führender Kopf der "Fränkischen Aktionsfront" (FAF), bis diese im Januar 2004 vom bayerischen Innenminister verboten wurde. Daneben gehörte Fischer auch noch der Skinhead-Kameradschaft "Aryan Hope" (Arische Hoffnung) an; wie viele Mitglieder dieser Gruppe hat er diese Bezeichnung "Aryan Hope" über das linke Ohr tätowiert.

 

Nach dem FAF-Verbot stieg Fischer bei der NPD ein und machte dort bald Karriere. Er übernahm den Kreisvorsitz im mittelfränkischen Fürth und stieg 2005 in den Landesvorstand auf. Im selben Jahr kandidierte er für die NPD im Wahlkreis Fürth; nun präsentierte er sich in der Öffentlichkeit eher als netter Schwiegersohn-Typ von nebenan.

 

Dem Anlass gemäss hatte Fischer jetzt in Budapest jedoch wieder sein Skinhead-Outfit reaktiviert. Der seitlich rasierte Schädel offenbarte das martialische Tattoo und verlieh damit offenbar Glaubwürdigkeit bei den ungarischen Hardlinern.

 

Ebenfalls zur rabiateren Sorte Neonazis zählt der Münchner Norman Bordin, der auf seinem Hemd die Aufschrift "Waffenbrüder Deutschland Hungary" durch die Budapester Straßen spazieren trug. Bordin war Gründer und Führungsfigur der "Kameradschaft Süd"; aufgrund seiner Beteiligung an einem Überfall auf einen 31-jährigen Griechen in München im Jahre 2001 war er wegen Körperverletzung und versuchter Körperverletzung zu einer Gefängnisstrafe von 15 Monaten verurteilt worden. Seit dem Frühjahr 2006 ist er Landesvorsitzender der NPD-Jugendorganisation "Junge Nationaldemokraten" (JN) und Mitglied des NPD-Landesvorstands.

 

Im Vergleich zu diesen beiden bayerischen Grobianen wirkten die aus Berlin angereisten NPD-Kader Udo Voigt und Eckart Bräuniger sogar seriös. Die "Kameraden der europäischen Nationen" nahmen abends noch ein Nazikonzert in der ungarischen Hauptstadt mit und "ließen erneut den europäischen Geist der Truppen in Schwarz aufleben", wie ein "Kamerad Franz aus Mannheim" in einem Neonazi-Internetportal mitteilte.

 

B&H-Treffen beim "Trauermarsch"

 

Drei Tage später trafen sich an der Elbe die "europäischen Kameraden" wieder. Zum alljährlichen "Trauermarsch", mit dem die Neonazis die Opfer der alliierten Luftangriffe auf Dresden missbrauchen, hatten sich auch die B&H-Freunde eingefunden.

 

Vorneweg zog die NPD-Führung im Fackelschein gespenstisch durch die Dresdner Nacht. Hinter einem Transparent "Német-Magyar Barátság" (Deutsch-Ungarische Freundschaft) marschierten die B&H-Führer aus England und Ungarn.

 

Der "Geist der Truppen in Schwarz" wurde von den Märtyrer- und Trauerposen in Budapest und Dresden in typischer Weise beschworen. "Blood and Honour" und die NPD haben nicht nur die mehr oder weniger offene Verehrung des historischen Nationalsozialismus gemein, sondern auch die geradezu kultische Todes- und Opfermythologie. Sie kennen nur Tote als Helden.

 

Quelle: http://www.redok.de



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