 | In den Fußstapfen von „Blood & Honour“ |
 Polizei löst braunes Konzert auf – Mieter der ehemaligen Gaststätte ist ein bekannter Rechtsextremist.
In der kleinen Gemeinde Neufeld bei Brunsbüttel hat die Polizei ein Rechtsrock-Konzert aufgelöst. Angesagt hatten sich in Schleswig-Holstein die Bands „Sachsonia“ (Dresden), „Lumex“, „Apple Church“ und SPQR (Rom). Die Abwicklung lag nach Informationen der „Dithmarscher Landeszeitung“ in den Händen von Oliver Malina aus dem niedersächsischen Liebenburg. Dieser wollte das Konzert zunächst in Hannover über die Bühne gehen lassen, fand aber keinen geeigneten Ort dafür, so dass innerhalb weniger Stunden das Event ins benachbarte Bundesland verlegt wurde. Dabei trat als Ausrichter eine Organisation namens „Honour & Pride“ auf – die Ähnlichkeit zur verbotenen „Blood & Honour“-Bewegung dürfte nicht zufällig sein! Dementsprechend laufen jetzt auch Prüfungen der Ermittlungsbehörden, wurden doch von Ordnern T-Shirts mit entsprechendem Schriftzug getragen.
Bei der Razzia in der ehemaligen Gaststätte „Zur Börse“ in Neufeld traf die Polizei insgesamt 175 Besucher der rechten Szene an, die alle Platzverweise erhielten und ihre Personalien abliefern mussten. Die Beamten sicherten reichlich Beweismaterial. Dies soll jetzt den Nachweis bringen, dass es sich entgegen der Behauptungen der „Macher“ aus dem rechtsextremen Lager bei den Neufeld-Aktivitäten um keine privaten Feiern handelt. Bereits bei Kontrollen einer Konzertveranstaltung am 21. April zeigte sich, dass es einen CD-Handel gab und dass von Teilnehmern „Spendengelder“ kassiert wurden. Zudem fand die Polizei diverse Waffen. Die behördliche Auswertung vom 21. April ergab, dass über 70 Prozent der rechtsgerichteten Besucher strafrechtlich bereits in Erscheinung getreten waren.
Rund um den Treffpunkt in Neufeld schart sich die „Nationale Aktionsfront Dithmarschen“, die kürzlich bei der NPD-Demonstration zum 1. Mai in Bad Bramstedt mit eigenen Transparenten mitmarschierte. Das derzeitige Mietverhältnis für das Objekt in Neufeld ist nach Polizeiauskunft seit dem 1. November auf Tim Schatowitz ausgewiesen. Dieser stellt die Räumlichkeiten immer wieder für Konzerte zur Verfügung. Darunter befand sich auch ein offenkundiger „Blood & Honour“-Ableger Ende März.
Schatowitz wird seit vielen Jahren im Verfassungsschutzbericht von Schleswig-Holstein geführt, weil er von Burg/Dithmarschen aus einen Versandvertrieb mit rechtsextremer Literatur betreibt. Dabei hat er in den vergangenen Jahren mehrmals den Firmennamen gewechselt, was zum Teil auch mit Insolvenzen verbunden war. Mal nannte sein Handel sich VTS, mal Buchdienst Nord, mal Mediengemeinschaft Nord, zuletzt Dr. Axmann Buchgesellschaft und neuerdings laut Verfassungsschutz Faktum Verlag GmbH.
von Horst Freires
Quelle: www.bnr.de |