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RechtsRock der Walküren - Frauen in extrem rechten Musik-Szenen



Prussian Blue

Die Zunahme von Aktivistinnen innerhalb der Neonazi-Szene macht sich auch im RechtsRock bemerkbar, in dem sich mittlerweile die unterschiedlichsten Typen von Musikerinnen präsentieren und von der stilistischen Vielfalt und Professionalisierung des Genres profitieren.

 

Bis in die neunziger Jahre hinein war der vorherrschende Typ der Frauen in der RechtsRock-Szene das „Renee“. Mit dem Aufkommen des RechtsRock und des Skinhead-Kultes in den 1980er Jahren wurde der „Renee“-Look als weibliches Pendant zum männlichen Skinhead kreiert. Die Frauen kopierten das martialische Image ihrer männlichen Kameraden. Auch sie kleideten sich mit schweren Arbeitsschuhen, ausgeblichenen Domestos-Hosen und Polo-Shirts. Und sie übernahmen den kurz geschorenen Haarschnitt der männlichen Skinheads. Einziger Unterschied waren die an den Seiten und im Nacken länger getragenen Haarsträhnen.

 

Innerhalb der Skinhead-Szene stieß die weibliche Variante auf Zustimmung: „Die Leute sagen Du siehst schrecklich aus mit Deinen kurzen Haar’n. Aber ich mag das... Renees wir lieben Euch... Egal was ein anderer von Euch hält“, bekundete Ende der 1980er Jahre die Bremer Band Endstufe. Im Bild der Männer waren sie aber vor allem Sexobjekt: „Du weißt ich stehe auf Triebe und Du gehst darauf ein. Denn hoffnungsvolle Liebe die paßt nicht zu uns zwei’n. Renee. Du bist mein Weib. Renee. Bis in alle Ewigkeit“, sang die Düsseldorfer Band Störkraft.

 

Der damalige Düsseldorfer RechtsRock-Produzent Torsten Lemmer versuchte 1995 sogar, das Model Monique, deren Image er zunächst über einen „Reneefotokalender“ mit kreiert hatte, zum singenden Sexsymbol aufzubauen. Für eine Veröffentlichung der angekündigten Single „Monique / Lack & Leder“ schien das Talent als Sängerin aber dann doch nicht ausgereicht zu haben, jedenfalls ließ sich ihr Traum vom rechten „Pop-Sternchen“ nicht realisieren.

 

Die ersten Frauen im RechtsRock

 

Anfang der neunziger Jahre gründete sich in Delmenhorst die erste Frauenband des deutschen RechtsRock mit dem bezeichnenden Namen Froidenspender. Im Ausland gab es bereits Ende der 1980er Jahre erste Frauen in gemischtgeschlechtlichen Bands, wie Valèrie, Bassistin der französischen Band Chauves Pourris oder Jaki, Sängerin und Bandleaderin der britischen Band Lionheart.

 

Anfang der Neunziger, nach der so genannten Wiedervereinigung, begann sich auch der deutsche RechtsRock inhaltlich zu radikalisieren und stellte fortan den „politischen Kampf“ in den Mittelpunkt seiner Song-Botschaften, womit sich auch der männliche Blickwinkel auf die Frauen in der Szene veränderte. Zuvor wurden sie vor allem als Sexobjekt abgewertet oder in die Rolle der idealisierten Mutter gedrängt. Nun wurden sie in Texten auch zur akzeptierten Kameradin, die für die „nationale Sache“ gemeinsam mit ihren Männern kämpft: „Aber Du bist nicht nur zum Spaße da. Nein, Du bist für mich auch ein guter Kamerad. Skinheadgirl, wir lieben Dich. Ja, Skinheadgirl, wir bauen auf Dich“, bekannte 1992 die Erfurter Band Brutale Haie.

 

Frauenorganisationen

 

Renees begannen sich nun selber als politische Kraft zu organisieren und gründeten 1991 den Skingirl Freundeskreis Deutschland (SFD). Diese bis 2000 bestehende Organisation wandte sich speziell an Renees, denen sie politisches Bewusstsein nahe bringen wollte. Aus ihren Reihen wurden Fanzines wie Der Schlachtruf oder Volkstreue herausgegeben, über die ein nationalsozialistisch geprägtes Frauenbild vermittelt wurde. Im Vorfeld des angestrebten Verbotsverfahrens gegen die NPD löste sich der SFD auf, deren Aktivistinnen sich in der 2001 neu gegründeten Organisation Gemeinschaft Nationaler Frauen (GNF) neu sammelten. Mit dem von Katharina Albrecht (damals wohnhaft in Essen) herausgegebenen Fanzine Triskele erschien ab 2000 vorübergehend ein weiteres Projekt, das von einer Frau aus den Strukturen des ehemaligen SFD ins Leben gerufen wurde.

 

Rechte Musik-Rebellinnen

 

Mit der Bassistin Cindy trat Anfang der 1990er Jahre bei der Benndorfer Band Hässlich eine Frau ins Rampenlicht, die sich mit ihrer eigenwilligen, aus Rasta-Zöpfen bestehenden Frisur vom bisherigen Renee-Look abhob und ein neues Erscheinungsbild von Frauen im RechtsRock präsentierte. In Skandinavien entwickelte sich durch das Genre des Viking-Rock, mit seinen aus Mythen und Sagen bestehenden Texten, ein Umfeld, in dem speziell auch Frauen als Musikerinnen bekannt wurden. Malin und Ulrika Pettersson drückten als Sängerinnen der Band Hel ihren musikalischen Stempel auf, wie es auch Saga bei der Band Symphony Of Sorrow tat, bevor sie im neuen Jahrtausend den Weg zur vielbeachteten Solo-Künstlerin antrat. Für Aufsehen sorgte sie mit ihren Cover-Alben „My Tribute To Skrewdriver“, mit denen sie dem verstorbenen Skrewdriver-Sänger Ian Stuart Donaldson huldigte. „Ich respektiere Ian wirklich und all das was er für die Bewegung gemacht hat. Das schließt natürlich auch die Gründung von 28 ein“, bekundete 2005 die Sängerin im deutschen Nordwind-Magazin ihre Sympathie für den Begründer des neonazistischen Blood & Honour-Netzwerkes.

 

Auch Francesca Ortolani, Sängerin der italienischen Band Viking, schlug abseits ihrer sanften Musik aggressive Töne an und bekannte sich offen zu Blood & Honour: „I’m a Supporter of 2 & 8. Poltically incorrect, aggressive, without half solutions“, sagte sie 2005 im Interview mit dem polnischen Fanzine Nadsat. Eine Ausrichtung, die beim Hören ihrer harmonischen, elektronischen Folk-Musik sicher nicht erwartet worden war.

 

Als stilistisch „zeitlos“ erweisen sich deutsche Liedermacherinnen wie Annett Müller oder Swantje Swanhwit alias Iris-Kathrin Fischer, mit deren Musik sich abseits des sonstigen RechtsRock-Spektrums auch traditionelle Nazis und konservative Rechte identifizieren können. Auf altes Brauchtum und Traditionen besinnt sich die von Blockflöten unterlegte, neuheidnische Musik von Swantje Swanhwit, die mit ihrem Debüt-Album 1996 auch Intellektuelle ansprach, wie etwa den aus dem Hamburger Kreis stammenden Hanno Borchert, der in der Wochenzeitung Junge Freiheit seine aus ihrer Musik herausgehörte „konservativ-revolutionäre Kulturkritik“ präsentierte. „Fernab von hämmernden Bässen und lärmenden Gitarrenverstärkern spürt sie mit akustischer Flöte und Sopranstimme den sichtbaren und unsichtbaren Natursymbolen des Universums nach, um die verloren gegangene Harmonie zwischen Himmel und Erde wiederzufinden. [...] Mit ihren Liedern macht Swantje Swanhwit deutlich, daß Naturreligiosität, Ökol ogie und Identität nicht auseinander zu denken sind“, lautete sein Fazit.

 

Auf großes mediales Interesse stößt das kalifornische Duo Prussian Blue (Preußisch Blau), das aus den 15-jährigen Zwillingen Lamb und Lynx Gaede besteht und von der amerikanischen Neonazi-Szene zum hoffnungsvollen Act mit „arischem“ Image aufgebaut wurde. “We want our people to stay white [...] we don’t want to just be, you know, a big muddle. We just want to preserve our race“, zitierte das amerikanische Nachrichtenmagazin ABC News Lynx Gaede. Für die nationalsozialistischen Überzeugungen sorgten die Eltern, als Mentor für ihre spätere Karriere wirkte der 2002 verstorbene Dr. Wiliam Pearce, damaliger Inhaber des US-RechtsRock-Labels Resistance Records und Anführer der National Alliance (NA).

 

In Deutschland erschien eine strafrechtlich unbedenkliche Auswahl der Stücke von Prussian Blue bei dem NPD-eigenen Verlag Pühses Liste / Deutsche Stimme Verlag. Nachdem ein Auftritt auf dem letztjährigen „Bayerntag“ der NPD in Regensburg nicht zustande gekommen war, waren die Teenager 2007 der Hauptact beim „Sachsentag“ in Dresden-Pappritz, veranstaltet von den Jungen Nationaldemokraten (JN) und „Freien Kräften“, der dieses Jahr quasi als Ersatz für das Deutsche-Stimme-Pressefest diente. Neben den Männer-Bands Frontalkraft und Sachsonia traten auch die von Frontfrauen dominierten schwedischen Bands Asynja und Ferox auf. Die musikalische Zusammenstellung des diesjährigen „Sachsentages“ unterstreicht die Wertschätzung, die Musikerinnen im RechtsRock im neuem Jahrtausend erfuhren und verdeutlicht die Position, die sie als Aktivistinnen in der Neonazi-Szene inzwischen einnehmen. «

 

Von Ingo Taler

 

Dieser Artikel erschien der Lotta Nr.28





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