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Recht(s)sprechung durch Rechtsrocker?



Oliver Hilburger (Mitte) mit seiner Band »Noie Werte« 1996

Eine antifaschistische Kampagne bei »DaimlerChrysler« in Stuttgart ist erfolgreich gegen einen Neonazi im Betriebsrat vorgegangen. Bis heute ist dieser jedoch als ehrenamtlicher Richter tätig.

 

Vittorio Veneto, am 2. September 2006. Die »Veneto Fronte Skinheads« feiern ihr zwanzigjähriges Bestehen mit einem Konzert. Das Publikum feiert die baden-württembergische Neonazi-Band »Noie Werte« mit »Sieg Heil« und Hitlergruß, stimmt »Blut muss fließen knüppelhageldick« an. »Noie Werte«-Sänger Steffen Hammer bedankt sich bei den Organisatoren: »Thank you for your politics« und singt »Alter Mann von Spandau«, das auf den NPD-Schulhof-CDs enthaltene »Fuck the USA« und »German British Friendship«. Neben ihm auf der Bühne steht Gitarrist Oliver Hilburger aus Althütte, der in einer GbR mit Hammer seit 1994 das ebenfalls »German British Friendship« bzw. »G.B.F.-Records« benannte Label in Reutlingen betreibt.

 

Der Name rührt aus den engen Beziehungen der Stuttgarter »Kreuzritter für Deutschland« zur britischen »Blood & Honour« (B&H)-Kultband »Skrewdriver« her, deren Produkte sie als »Skrewdriver Services« ab 1991 in Deutschland vertrieben. »G.B.F.-Records«, aus dieser Liaison hervorgegangen, hat später immer wieder Konzerte britischer Bands des B&H-Netzwerks in Deutschland organisiert. Zehn CDs sind seither bei »G.B.F-Records« erschienen, u.a. die indizierte CD »Willkommen in Deutschland« von »Ultima Ratio« (Stuttgart).

Seit vielen Jahren spielen Steffen Hammer und Oliver Hilburger gemeinsam auf »Blood & Honour«-Festivals, 1994 schon traten sie in Großbritannien, zusammen mit Stigger, vor einer Hakenkreuzflagge auf. Und Hammer und Hilburger teilen noch eine andere Tätigkeit, die Juristerei: Hammer als Rechtsanwalt in Reutlingen, Hilburger als ehrenamtlicher Richter am Arbeitsgericht in Stuttgart.

 

Den nächsten Song in Italien spielen sie als deutliche Drohung gegen Jour-nalisten: »Ich kenne deinen Namen, ich kenne dein Gesicht – Du bist die Faust nicht wert, die deine Nase bricht!« Hauptberuflich ist Oliver Hilburger zu dieser Zeit Betriebsrat bei Daimler-Chrysler, freigestellt im Werk Stuttgart- Untertürkheim, gewählt über die Liste der »Christlichen Gewerkschaft Metall« (CGM). Bei der CGM ist der Neonazi-Musiker stellvertretender Vorsitzender der Betriebsgruppe, im März 2007 wird er in den Landesvorstand gewählt. Im Frühsommer 2007 machen KollegInnen der IG Metall den neonazistischen Hintergrund des CGM-Funktionärs in mehreren Betriebszeitschriften öffentlich. Hilburger droht mit Klagen und die oft »arbeitgeberfreundlich« genannte CGM steht zunächst noch hinter ihm.

 

Im Juli 2007 gibt Oliver Hilburger dann jedoch sein Betriebsratsmandat und die CGM-Ämter auf. Nicht verzichten will der Neonazi auf sein Richteramt, das er auf Vorschlag der CGM übernommen hatte. Die Justizbehörde zeigt sich erschrocken, aber auch offenbar machtlos. Viel Arbeit also noch für An- tifaschistInnen. Da gibt es im gleichen Werk nämlich noch den Betriebsrat Thomas Scharfy. Scharfy gehört ebenfalls dem Vorstand der Betriebsgruppe der CGM an und war unter dem Pseudonym »Gonzo« ab 1995 Betreiber der »Empire-BBS«-Mailbox im neonazistischen »Thule-Netz«. Auch in den letzten Jahren war Scharfy noch im Internet einschlägig aktiv, etwa mit seiner »Nationalen Aktionsfront« und dem gleichnamigen Versand in Winnenden.

 

von Robert Andreasch

 

Quelle: Der Rechte Rand Nr.108 September/Oktober 2007


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