 | Schlag und Nachschläge |
 Nach den Verurteilungen von »Landser« und »Race War« ist in Berlin jetzt die Band »D.S.T.« ins Visier der Polizei geraten.
Am 14. Februar 2007 durchsuchte die Polizei in Berlin, Mecklenburg- Vorpommern, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Hessen an insgesamt 13 Orten verschiedene Objekte – im Visier der Fahnder: Die Berliner Band »D.S.T.«. Ziel der Durchsuchungen waren einerseits die Mitglieder der Berliner Band »D.S.T.« (»Deutsch, Stolz, Treue«) um den Sänger Peter Brammann, andererseits diverse Versände und Geschäfte, die den Tonträger »Die Antwort aufs System« im Angebot hatten. Obwohl er unter dem Projektnamen »X.x.X.« veröffentlicht worden war, war es aber kein Geheimnis, wer wirklich dahinter stand.
In diversen Internetforen schrieben Neonazis, dass »X.x.X.« »D.S.T.« sei. Über ein Jahr nach Veröffentlichung der CD, die beim Label »NorthX« aus Wismar erschien, fiel den Behörden auf, dass Textzeilen wie »Im letzten Jahrhundert erkannte man die Zeichen und eine starke Kraft befreite unser Volk. Doch unter dem Einfluss dieser feinen Auserwählten begann ab 45 eine schreckliche Zeit« einen antisemitischen und NS-verherrlichenden Inhalt haben. Aufgrund eines Beschlagnahmebeschlusses wurden dann in Berlin fünf Wohnungen und ein Szeneladen durchsucht, in Brandenburg ein weiterer Szeneladen und in Mecklenburg- Vorpommern eine Wohnung und zwei Geschäfte eines 28-Jährigen sowie eine Offsetdruckerei. Bei bislang nicht namentlich bekannten Produzenten der CD fanden und beschlagnahmten die Ermittler etwa 1.100 Exemplare der strafrechtlich relevanten CD, außerdem 1.450 dazugehörige Begleithefte und diverse Geschäftsunterlagen. Mehr als drei Dutzend T-Shirts mit »SS-Totenkopf «, Druckvorlagen und -maschine sowie eine scharfe »Pumpgun« und dazugehörige Munition wurden ebenfalls mitgenommen. Zudem stellte die Polizei in CD-Presswerken in Nordrhein- Westfalen und Hessen Geschäftsunterlagen und die Master- CD sicher.
Am 16. März 2007 waren die Beamten erneut unterwegs, diesmal um die gerade erschienene Split-CD von »Burn Down« aus Brandenburg und »X.x.X.« mit dem Titel »Gift für die Ohren« zu beschlagnahmen. Durchsucht wurden Wohnungen und Geschäftsräume in Berlin, sichergestellt wurden 150 CDs. Laut Zeitungsberichten wird den vier Mitgliedern der Band »X.x.X.« Volksverhetzung vorgeworfen, die Polizei habe auch die Wohnungen der Beschuldigten durchsucht, den Proberaum der Band aber nicht gefunden.
Nur widerwillig gaben die Beamten bekannt, dass gegen vier 31 bis 37 Jahre alte Mitglieder der Band Ermittlungsverfahren wegen Volksverhetzung eingeleitet wurden. Die Männer, die bislang die Aussage verweigern, wohnen nach Informationen der Berliner Zeitung in Friedrichshain, Lichtenberg und Hohenschönhausen. Ihre Wohnungen und auch ein Szeneladen in der Köpenicker Straße in Berlin-Mitte wurden durchsucht. Doch offenbar weiß die Polizei nicht, wo sich der Probenraum befindet. Unklar ist auch, wo die CD eingespielt wurde. Die Zahl von 150 gefundenen CDs legt nahe, dass nur ein geringer Teil der Auflage gefunden wurde. Tatsächlich wird die CD inzwischen bei ausländischen Versänden gehandelt. Dass die Mitglieder der Band sich von den polizeilichen Maßnahmen einschüchtern lassen, ist unwahrscheinlich. Immerhin sind die Musiker schon seit mindestens sieben Jahren aktiv und haben schon mehrere offensichtlich illegale CDs produziert, die NS-Abzeichen zeigen und offen volksverhetzend sind. So singt die Band auf der 2001 erschienenen CD »Deutsches Volk erwache«: »Deutsche wehrt euch, kämpft gegen das Judenpack, Deutsche wehrt euch, stellt den Juden an die Wand! Deutsche wehrt euch kauft nicht mehr bei Juden ein, dann wird Deutschland wieder ganz den Deutschen sein!«. Im Gegensatz dazu macht die im März beschlagnahmte CD »Gift für die Ohren« den Eindruck, dass sie für den deutschen Markt produziert wurde, da NS-Symbole im Begleitheft weg retuschiert wurden. Das bedeutet, dass die Polizei mit nur 150 beschlagnahmten Exemplaren entweder schlecht ermittelt hat oder dass die allgemeinen Sicherheitsmaßnahmen in der Szene inzwischen extrem hoch sind. Ein delikates Nachspiel hatten die Durchsuchungen auch für einen Berliner Polizisten.
Am 3. August 2007 durchsuchten Polizisten seine als auch die Wohnung seiner Lebensgefährtin mit dem Verdacht auf Mithilfe bei der Herstellung »rechtsradikaler Musik-Medien«. Die Beamten fanden Bekleidungsstücke mit Aufdrucken »X.x.X« und »DST«, CDs und DVDs sowie zahlreiche Digitalbilder und beschlagnahmten mehrere Computer und einen Laptop. Gegen den 33-Jährigen wurde ein Verbot der Amtsausübung erlassen.
Von Jan Raabe
Quelle: Der Rechte Rand Nr.108 September/Oktober 2007 |