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Quo vadis Darkwave? Ästhetische Mobilmachung revisited

Vor fünf Jahren erschien der Sammelband »Ästhetische Mobilmachung«, der die musikalischen Genres des Dark-Wave, Neofolk und Industrial im Spannungsfeld rechter Ideologien thematisierte.

 

Kern der Kritik an der Szene ist, dass verschiedene Musiker und Szeneprotagonisten einem rechten Kulturpessimismus Vorschub leisten und als Gegenentwürfe anti-egalitäre, anti-demokratische und anti-modernistische Dichter und Denker präsentieren. Die Vermittlung erfolgt allerdings weniger über eine intellektuelle kognitive Ebene, als vielmehr über eine (neo-)romantische, ästhetisierte Gefühlsduselei mit esoterischen, naturellen und naturreligiösen Bezügen. Die Grufti- bzw. »Schwarze Szene« reagierte seinerzeit verhalten auf das Buch: Während sich die eher kritischen »Geister« mit dem Inhalt auseinandersetzten, tat es der rechte Flügel als »Übertreibung« und »Lügengespinst« ab.

 

Ambivalenzen

 

Eine der Grundthesen des Buches war schon 2002, dass der rechte Flügel der Darkwave-Szene kein Äquivalent zur Rechts- Rock-Szene mit deren Eindeutigkeiten darstellt. Vielmehr sind die Musik bzw. die Interpreten in ihrer ganzen Ambivalenz zu betrachten. Die von Julius Evola inspirierte Kritik an der Moderne im Song »Death of the West« von »Death in June« setzt etwa nicht zwingend voraus, dass der Kopf der Band, Douglas Pearce, Antisemit und Israel-Hasser sein muss. Andersrum macht der permanente Verweis auf seine Homosexualität aus ihm noch keinen Antifaschisten (für einige eingefleischte Fans scheint Pearce im Übrigen seit seiner aktiven Rolle im australischen Schwulen-Porno »Vignettes« (2006) passé).

Ebenso kritisiert wird bei der Wiener Band »Allerseelen« um Gerhard Petak unter anderem die 1995 veröffentlichte CD »Gotos=Kalanda«, die auf Gedichten des SS-Brigadeführers und Himmler-Beraters Karl Maria Wiligut (»Weisthor«) basiert und mit Bildern von der Wewelsburg und deren »schwarzer Sonne« gestaltet wurde. Der 2006 veröffentlichten Vinyl-Fassung fügte Petak nun das »Lied der Häftlinge« bei, das ein ehemaliger Häftling des Konzentrationslagers Wewelsburg um 1944 geschrieben hat. Doch diese posthume »Ambivalenz« verliert ihre Überzeugung angesichts dessen, dass bei »Allerseelen « Marcel Petri mitspielt, der ansonsten auch bei »Von Thronstahl« und »Halgadom« involviert ist – letztere ist die Band von Frank Krämer, einem Mitglied der Nazi-Rock-Band »Stahlgewitter«.

 

Status Quo

 

Der rechte Rand der »Schwarzen Szene« zeigt sich nach wie vor insbesondere im Industrial und Neofolk, den heute in Deutschland vor allem »Orplid« repräsentiert. Die Band um Uwe Nolte und Frank Machau aus Halle an der Saale scheint nach wie vor voller Elan. 2006 erschien auf »Auerbach Tonträger « ihr achter Tonträger mit dem Titel »Sterbender Satyr« und jüngst veröffentlichte Nolte auf seinem Label »NolteX« alte Aufnahmen der Band sowie des frühen Parallelprojekts »Rückgrat«.

 

Musikalisch wirkt er unter anderem bei »Sonnentau « und »Barditus« mit. Machau indes debütierte 2005 mit seinem Soloprojekt »primus inter pares« beim Dresdener Label »Eis & Licht«, nach wie vor eine der bekanntesten Adresse für Neofolk. Aus Halle stammt auch die Gruppe »Leger des Heils« von Mario Ansinn, deren Namen sich auf eine niederländische christliche Heilsarmee bezieht und deren jüngste CD »Gloria« ebenso auf dem Dresdener Label von Stephan Pockrandt erschien. Bis 2000 hatte der die Zeitschrift »Sigill« herausgegeben und bis 2003 das Folgeprojekt »Zinnober«, das dann in die Hände von Dominik Tischleder überging und nach zwei Ausgaben eingestellt wurde. Die für Neofolk-HörerInnen entstandene Lücke füllten zwischenzeitlich nur bedingt die Zeitschriften »Black« und »Ikonen«, bis im Dezember 2006 die erste Ausgabe des Magazins »Zwielicht« erschien: »Sie ist unsere Antwort auf die uns allesamt langweilenden Musikmagazine in Internet und Zeitschriftenhandel«, schreibt Pockrandt in einer »Eis & Licht«-Rundmail. Während »Sigill« offensiv strittige Symbole abgebildet hatte und sowohl »Sigill« als auch »Zinnober« zur weltanschaulichen Bildung der Szene beitrugen, präsentiert »Zwielicht« zwar wie gehabt Interviews mit teils einschlägig bekannten Bands und rezensiert die entsprechenden Platten, doch fehlen mehr oder weniger eindeutige programmatische Einlassungen.

 

Im Szene-Mainstream wird neofolkloristische Musik vor allem in »Zillo« gefeatured und seit vergangenem Jahr in der »Szene-Bravo«, dem »Orkus«- Magazin. Nach und nach publizierte das Magazin Interviews oder Berichte über Bands wie »Der Blutharsch«, »Death In June« oder »Allerseelen« und präsentierte sie teilweise auf der CD zum Heft. Die Industrial-Bands vom rechten Rand der Szene, die auf strittige Symbole, markige Worte, militantes Auftreten und militaristischen Gestus setzen, fehlen indes noch. Musik von »NON«, »Genocide Organ« oder »The Grey Wolves« bricht wohl doch zu sehr mit den gängigen Hörgewohnheiten der LeserInnen. Um so mehr erstaunt, dass im Shop vor allem CDs des österreichischen Labels »Steinklang« angeboten werden, darunter die polnische Band »Cold Fusion«: »45 Minuten wunderschöner symphonischer Marschmusik... «, heißt es in der Kurzbeschreibung. Ihre Musik, eine Mischung aus Neo-Klassik und Militärmusik im düsteren Arrangement wird neuerdings als »Military Pop« bezeichnet.

 

Ihren Vorläufer findet die Stilistik bei »Laibach«, deren militaristisches Moment bereits das Projekt »Puissance« des schwedischen Duos Fredrik Söderlund und Henry Möller Mitte der 1990er Jahre in den Mittelpunkt rückte. Unter dem Namen »Arditi« steigerten sie das Militaristische ins Absolute und vermengten es mit offensichtlich affirmativer Faszination für den Faschismus. Anleihen nehmen die heutigen Bands auch bei der französischen Formation »Les Joyaux De La Princesse« von Erik Konofal, der seine Begeisterung für die nationalistische Rechte nie sonderlich kaschierte. Als »Military Pop« gelten ferner Gruppen wie »Allerseelen«, »Triarii« (Berlin), »A Challenge Of Honour« (Niederlande) und »Dernière Volonté« (Frankreich). Letztere konnten sich auf dem jüngsten »Wave-Gotik-Treffen« (WGT) zu Pfingsten in Leipzig präsentieren. Nach wie vor tummeln sich dort rechte Fans, teilweise auch Autoren der »Junge(n) Freiheit« oder Aktivisten der NPD. Doch längst nicht jeder Besucher, der Camouflage trägt, ist auch ein Rechter oder Neonazi.

 

It´s still the same old story

 

»Diese Szene rekurriert auf dezidiert europäische Kulturtraditionen«, erklärte Peter Matzke, Sprecher des WGT, im Interview mit der »Junge(n) Freiheit« im Juni 2003, »sie lebt etwas, das vor allem der nordeuropäischen Mentalität und Denkart entgegenkommt.« Einschränkend fügt er hinzu, dass die »Szene […] an sich apolitisch [ist] – insofern, als dass sich kein politischer Meinungs- Mainstream ergibt, der in das gängige Politikmodell eingeordnet werden könnte. Allerdings«, betont er, »ist die weitgehende Ablehnung des Wertesystems der europäischen und amerikanischen Wohlstandsgesellschaft in meinen Augen eine hochpolitische Aussage.« Diesem ablehnenden Gefühl, dem Zweifel an der Moderne und der daran anknüpfenden Suche nach Alternativen versuchen die Künstler und Szene-Protagonisten vom rechten Rand eine Richtung zu geben. Der italienische Kulturphilosoph und Vordenker des italienischen Faschismus, Julius Evola, ist nach wie vor en vogue in der Szene, wie die 2006 veröffentlichte Split-CD der US-amerikanischen Band »Changes« und »Allerseelen« zeigt. Deren Titel »Men among the ruins« ist die englische Übersetzung des Evola-Werkes »Menschen inmitten von Ruinen«.

 

Mit dem französischen Schriftsteller und Faschisten Pierre Drieu la Rochelle setzte sich »Dernière Volonté« auseinander. Das chilenische Projekt »Der Arbeiter« zeigt sich indes inspiriert vom »esoterischen Hitleristen« Miguel Serrano, während sich der Titel des »Barditus«-Albums »Die letzten Goten« auf einen Abschnitt aus dem Roman »Ein Kampf um Rom« von Felix Dahn bezieht. Dahn gilt als einer der wichtigen Romanciers völkischen Gedankenguts des späten 19. Jahrhunderts. Und die Compilation »Die Geburt des Jahrtausends«, 2003 auf »Steinklang« verlegt, erschien in »Gedenken an Kurt Eggers und Ludwig Fahrenkrog«. Ersterer war während des Nationalsozialismus zunächst Dichter und Autor völkischer Literatur und im Krieg Panzerkommandant bei der Waffen-SS. Fahrenkrog gehörte zu den Völkischen und gründete 1912 die »Germanische Glaubens-Gemeinschaft«.

 

»Jenseits von Sieg und Niederlage eint uns der Wille und die Vision. Wir marschieren gegen den Geist der Zeit, Ausbeutung, Egoismus, Korruption. Wir tragen die Erde unserer Ahnen, mit ihrer Kraft sind wir verbunden. Wir tragen die Erde unserer Ahnen, für Europas neue Sternstunde. Wir tragen die Erde unserer Ahnen, denn sie ist unser Erbe. Wir tragen die Erde unserer Ahnen, auf dass es morgen werde!«, singen »Belborn« auf einer gemeinsamen CD mit »Rose Rovine e Amanti« 2006 mit Blick auf die »Eiserne Legion« des rumänischen Faschistenführers Corneliu Zelea Codreanu. Und im »Hagal«-Magazin betonte Michael Moynihan von »Blood Axis« im vergangenen Jahr, nachdem er auf die »Referenzen« seiner Musik angesprochen wurde: »Im weitesten Sinne gilt unser Bekenntnis dem indo-europäischen Raum, und hierin besonders den germanischen und keltischen Völkern, deren Blut noch immer in unseren Adern strömt. Ich habe vor jedem Respekt, der treu zu den Traditionen seiner Ahnen steht, was in diesem Zeitalter der Atomisierung und Anomie selbst schon zunehmend als ketzerisch gilt«.

 

Wiederbelebte und gerufene Geister »Ein großes Verdienst dieser Jugendkultur ist es sicherlich, das Interesse jüngerer Generationen für jene Ideen geweckt zu haben, die in der One-World keinen Platz mehr haben dürfen, nämlich das Wissen um das Heimatgefühl, die Riten und Traditionen, die Volksseele, das Europa der Vaterländer. Diese Kunstgattung transportiert jene Inhalte besser, weil spielerisch, als jede Vortragsreihe eines Theoretikers«, urteilte Brynhild Amann im Herbst 2006 begeistert in der österreichischen Zeitung »Neue Ordnung«. Sie muss es wissen: Hinter dem Pseudonym steht die ehemalige Sängerin des Duos »The Moon lay hidden beneath a Cloud«, das sich 1998 auflöste.

 

Pathos und Hang zu großen Worten, Kulturpessimismus und Verherrlichung des Vergangenen sowie Begeisterung für die so genannten »Männer der Tat« faszinieren aber nicht nur die »Grufties« am rechten Rand der Szene. An der Kasse des »Blutharsch«- Konzerts im April 2006 saß Hartwin Kalmus, Betreiber des RechtsRock-Label »Ragnarök Records«, ehemaliger Vize von »Blood & Honour« Baden und angeblich »zweiter Chef« der vermuteten Nachfolgeorganisation »Division 28«. Auf den Rezensionsseiten des Magazins »Hier & Jetzt« der »Jungen Nationaldemokraten « werden mehr Darkwave-Scheiben besprochen als RechtsRock-Produkte und seit Jahren schon berichtet die NPD-Postille »Deutsche Stimme« regelmäßig über das WGT, auf dem vor ein paar Wochen auch wieder der »Verlag und Agentur Werner Symanek« mit einem Verkaufsstand präsent war.

 

Nachdem aber dieses Jahr Festivalbesucher mit einschlägigen Band-T-Shirts, SS-ähnlichen Uniformen und »Thor-Steinar«-Klamotten angegangen wurden, stellte der NPD-Landtagsabgeordnete Jürgen Gansel knapp vier Tage später eine »Kleine Anfragen zu linksextremistischen Überfällen auf Konzertbesucher« im sächsischen Landtag. Sein Ärger rührt wohl noch von dem im letzten November durch antifaschistische Öffentlichkeitsarbeit verhinderten Konzert von »Sagittarius« und »Shava Sadhana« her, das im Haus der Burschenschaft »Dresdensia-Rugia« in Gießen stattfinden sollte, zu deren »Alten Herren« er gehört. Beworben wurde die Veranstaltung mit dem Titel »Wolfstanz« vor allem von »Neo: Form«, dem »Portal für konservative Musik« von Mirko Peters von der »Alten Breslauer Burschenschaft der Raczeks«.

 

Am rechten Rand der »Schwarzen Szene« hat sich ein illustrer Kreis etabliert. In München tummelten sich gar Aktivisten der Kameradschaft »Autonome Nationalisten München« wie selbstverständlich im lokalen Szenetreff »Club Millenium«. Selbst der örtliche Führungskader Hayo Klettenhofer eckte mit seinem SS-Generalsmantel nicht an.

 

von Christian Dornbusch

 

dieser Artikel erschien im Rechten Rand Nr.107, Juli / August 2007


Braunes aus der Schwarzen Szene

Hintergrund

Ein aktueller Überblick über rechte Bands in der Darkwave-Szene und ihre Absichten

 

Innerhalb der Darkwave-Szene [1] hat sich seit Mitte der 90er Jahre ein kleiner, dafür um so frecher agierender Kreis von Aktivisten herausgebildet, die bewusst rechtes Gedankengut aufgreifen und propagieren. Im kulturellen Faschistische Ästhetik beim Auftritt rechter Darkwave-Bands (Juni 1999 auf Burg Falkenstein).Gewand bezieht man sich auf alte Denker der Konservativen Revolution und des Faschismus und bekämpft die Moderne mit all ihren Facetten. Dabei agieren die Protagonisten nicht als geschlossene Gesellschaft, sondern können sich vielmehr in der Grauzone zwischen Darkwave und Rechtsextremismus tummeln - schließlich kommt man aus der gleichen Szene, nur die Intentionen bei der Beschäftigung mit Tod, Religion, Symbolen etc. sind andere.

 

Als einer der Stars des extrem rechten Flügels der Darkwave-Szene gilt nach wie vor die englisch-australische Gruppe Death in June mit ihren kulturpolitischen Inhalten, ihrer militaristischen Ästhetik, ihrer Musik und den gängigen Vieldeutigkeiten, mit denen die Band spielt und sich damit Kritik entziehen will. Gemeinsam mit dem Sozialdarwinisten Boyd Rice tourt Death in June seit geraumer Zeit durch die USA und Europa. Der europäische Auftakt fand am 10. April in Brest statt, wo die Intervention französischer Antirassismus-Gruppen die Vorbereitung des Konzertes behinderte und zur Verlegung der Veranstaltung führte. Im Gegensatz zu den anderen Konzerten wurde der deutsche Auftritt von Death in June am 27. April im Raum Chemnitz sehr konspirativ vorbereitet. Der ursprünglich geplante renommierte Veranstaltungsort Kraftwerk wurde im Vorfeld gekündigt, weshalb der Gig dann in Bucha bei Jena stattfand.

Zur jüngsten Veröffentlichung von Death in June wurden offiziell keine Liedtexte veröffentlicht, was an den offensichtlich antisemitischen Ausfällen liegen dürfte. So wird im Lied »We said destroy II« offen auf das orthodoxe Judentum angespielt, aus Shakespeares »Der Kaufmann von Venedig« zitiert und indirekt die dort handelnde Person des Shylock [2] aufgerufen. In einem anderen Lied ist von »shylock piggies« die Rede, der Titel der gesamten Veröffentlichung lautet dann »All pigs must die«.

Albin Julius, Sänger von Der Blutharsch. Bereits im März gastierten zwei andere extrem rechte Bands auf Einladung der Dresdner Gruppe LAS-Kulturavantgarde [3] in Sachsen. Hier musste ebenfalls ein in Claußnitz geplantes Konzert wegen antifaschistischer Interventionen verlegt werden und fand schließlich im Gasthof Goldener Anker in Marbach statt. Die ungarische Band Scivias trug an diesem Abend die Odal-Rune offen zur Schau und Der Blutharsch aus Österreich präsentierte sich in schwarzen Uniformen. Die Bands kreierten eine militaristische Atmosphäre und griffen oftmals Elemente der nationalsozialistischen Ästhetik auf. Abgerundet wurde dieser Eindruck durch die Verkaufsstände, wo es u.a. Bücher aus den rechtsextremistischen Verlagen Grabert und Arun zu kaufen gab und die extrem rechten Zeitschriften Hagal (Dresden)  und Die Tat (Halle) feilgeboten wurden.

 

Der Sampler »Fidelis Legio« als Beispiel

Wofür eine Band wie Scivias ideologisch steht, macht deren Beteiligung am Sampler »Fidelis Legio« deutlich, der sich als Huldigung an Corneliu Zelea Codreanu (1899-1938) versteht. Der Gründer und Führer der rumänischen Legion des Erzengels Michael (alias Eiserne Garde) propagierte einen christlich orthodox fundierten Faschismus und war ein fanatischer Antisemit. Bis heute bieten die Positionen der ehemaligen Legionäre wichtige ideologische Bezugspunkte für europäische Neonazis. Erstellt wurde der Sampler von Calin Dan Ghetu, der als Aktivist der reanimierten Eisernen Garde von Rumänien aus Verbindungen zu verschiedenen Neonazis in ganz Europa hält. Martin Schwarz (Wien) bemüht sich im Begleitheft, die Vorzüge des rumänischen Faschismus im Gegensatz zum Nationalsozialismus herauszuarbeiten. In der ebenfalls maßgeblich von Schwarz editierten Kshatriya-Mailingliste wird Codreanu als der »asketisch-religiöse Erwecker der rumänischen Seele« bezeichnet, der eine »Leitfigur für die Elite der national-europäischen Erhebung wider die dekadente Welt [ist], der er anders als der Duce oder der Führer mit keiner Faser seines Leibes angehörte«.

 

Die teilnehmenden Bands aus dem Darkwave-Spektrum [4] betonen in ihren Beiträgen die Bedingungslosigkeit des Kampfes der Eisernen Garde und ästhetisieren den Tod als Höhepunkt im Dasein eines Legionärs. Exemplarisch ist der Beitrag »Europa - long live death!« der italienischen Band Londinium SPQR. [5] Das Stück beschwört den fanatischen Kampf der Eisernen Garde, deren Schlachtruf »long live death« war: »Europas Wind bläst wieder auf diesen Fahnen. (...) Das Sterben im Kampf hieß ewige Ehre. Sag mir, was ist los mit meinem Land? Es lässt sich nicht mehr erkennen. Und wir sind jetzt bereit, mit unseren Brüdern den Kampf zu teilen bis zum Sieg«. Die insgesamt fünf Sprachen, in denen das Lied vorgetragen wird, sollen die europäische Ausrichtung der Band bzw. des gesamten Samplers verdeutlichen.

 

Eine Szene mit Abgrenzungsschwierigkeiten

Ebenfalls ein Werk zu dem Codreanu-Sampler beigesteuert hat die Band Darkwood aus Dresden, die Mitte Mai beim Wave-Gotik-Treffen (WGT) in Leipzig anzutreffen sein wird, dem weltgrößten Treffen der schwarzen Szene. Derartige Auftritte (extrem) rechter Bands sind mittlerweile normal, schließlich sind hier alle kulturellen, musikalischen und politischen Facetten vertreten. Die (extrem) rechten Bands werden geduldet, indem beim WGT jeder seine eigene Party feiert. Mit dabei ist in diesem Jahr beispielsweise auch Camerata Mediolanense (angekündigt als Camerata Sforzesca), die sich vor zwei Jahren für das deutsche Blood & Honour-Magazin interviewen ließen und mehrmals bei rechtsextremen Veranstaltungen spielten.

Kritik an den politischen Aussagen einzelner Bands wird in der schwarzen Szene nur ungern angenommen; in der Vergangenheit in die Szene hineingetragene Diskussionen waren wenig ergiebig. Dies liegt zum einen an einem verkürzten Begriff des Rechtsextremismus: Bestimmend ist das Klischee von Glatze und grüner Bomberjacke; die viel größere Gefahr der Mischung von sozialen, politischen, kulturellen und ästhetischen Werten in der Szene wird nur selten gesehen. Verkörpert wird diese z.B. von dem Neonazi Christian Kapke, der vor wenigen Jahren mit seiner Band für Blood & Honour aufspielte und heute federführend beim Neofolk-Internetprojekt lichttaufe.de aktiv ist.

 

Die zweite Schwierigkeit bei Diskussionen in der Szene besteht in den absichtlichen Uneindeutigkeiten der einschlägigen Bands. O-Töne wie »genaugenommen gab es Runen doch schon vor dem Nationalsozialismus« oder »Vertreter der Konservativen Revolution der 20er Jahre wurden schließlich auch im Nationalsozialismus verfolgt« gehören in der Argumentation zum Standardrepertoire. Problematisch für antifaschistische KritikerInnen ist also, dass jeder einzelne Aspekt eines Projektes aus dem extrem rechten Darkwave-Spektrum fast immer vieldeutig zu interpretieren ist. Für eine fundierte politische Bewertung ist daher die Addition aller Einzelaspekte (Texte, Ästhetik, Bezüge, Fans, Rezensionen etc.) zu einem Gesamtbild notwendig.

 

Fazit

Nicht zuletzt muss man sich der Logik entziehen, dass das Wirken (extrem) rechter Bands, Zeitschriften etc. ausschließlich kulturell verstanden werden soll. Für den erwähnten Christian Kapke ist klar, »dass man bewusst versucht, politische Inhalte über Kunst zu transportieren, einfach weil es dadurch unscheinbarer oder entsprechend eingängiger erscheint«.    

   

Thomas Naumann

 

1) Um Missverständnissen vorzubeugen: Die Darkwave-Szene ist nicht per se (extrem) rechts.

2) Der verhasste jüdische Geldverleiher symbolisiert den antisemitischen Stereotyp vom gierigen Juden. Für Alfred Rosenberg vereinte das Wesen Shylock »äußerlich (...) alle jüdischen Rassenzüge (...). Shylock ist also sowohl Einzelmensch wie Typus, ein Jude sowohl wie das Judentum«. Vgl.: Rosenberg, Alfred: »Der Mythus des 20.Jahrhundert«. München 1934, S.411.

3) Ein ebenfalls von LAS anberaumtes Konzert mit der Band Ostara (früher Strength through Joy) Ende April 2002 wurde aufgrund bandinterner Gründe abgesagt.

4) Mit dabei sind unter anderem Blood Axis, Spiritual Front, Ain Soph, The days of the trumpet call, Belborn (Rosenheim) und Von Thronstahl, die am 29./30.Juni 2002 beim Pressefest der rechtsextremen Zeitschrift Signal in Köln spielen sollen.

5) Die Band ist der Identitätsrock-Bewegung zuzurechnen und spielte in den vergangenen Jahren bei zahlreichen neonazistischen Skinhead-Konzerten.





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