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Symbole

Symbole mit nationalsozialistischem Bezug

 

Eisernes Kreuz (EK)

Das Eiserne Kreuz ist das wohl bekannteste soldatische und militärische Symbol. Ab 1813 wurde es als Verdienstabzeichen im preußischen ›Befreiungskrieg‹ gegen die napoleonische Herrschaft verliehen. 1939 ist es in modifizierter Form zum bekanntesten Orden des ›Dritten Reiches‹ geworden. Das EK genießt als Motiv oder Motivzusatz beinahe universale Verwendung in den verschiedenen rechten Spektren. Eine extrem rechte Deutung ist nicht zwingend, aber es ist stets ein militaristisches Symbol und dient als Sinnbild eines Männlichkeitskultes. Es wird häufig in der Heavy-Metal-, Black-Metal und Rockerszene sowie vereinzelt in der *Hardcore-Szene verwendet.

 

Landser

›Der Landser‹ war und ist die umgangssprachliche Bezeichnung für den Infanteristen im Zweiten Weltkrieg. Die positive Bezugnahme auf den Landser dient heute allein der Huldigung der Wehrmachtssoldaten. Verbunden ist diese mit der Leugnung oder Glorifizierung der Verbrechen, die von der deutschen Wehrmacht begangen worden sind. Bilder von Landsern werden häufig als Layout-Material für CDs und Zeitschriften bzw. Fanzines verwendet. Erhältlich sind sie auch als Plakate oder als T-Shirt-Aufdrucke. Diese sind in der Neonazi-Szene die meist verwendeten Motive auf CD-Covers. Landser ist auch der Name eines Fanzines und einer Neonazi-Band, die *Blood & Honour zuzurechnen ist.

 

Reichskriegsfahne

Die Reichskriegsfahne existiert seit 1867 in verschiedenen Darstellungsformen. Beliebt unter Neonazis ist die ursprüngliche Variante mit schwarzem Kreuz, in dessen Mitte ein Kreis mit *Reichsadler sowie in der linken oberen Ecke das *Eiserne Kreuz auf *schwarz-weißrotem Hintergrund abgebildet sind. Die Variante der Reichskriegsfahne, die im NS am meisten verbreitet war, unterliegt dem Verbot, da sie in Originaldarstellung ein *Hakenkreuz in der Mitte enthält. Die Reichskriegsfahne ist eines der meist verwendeten Symbole in der Neonazi-Szene und häufig als Aufnäher oder als Motiv auf T-Shirts und CDs zu sehen. Laut gültiger Rechtsprechung kann das öffentliche Zeigen der Reichskriegsfahne (in der Variante von 1867 bis 1921) im Einzelfall eine polizeiliche Sicherstellung »zur Abwehr konkreter Gefahren für die öffentliche Sicherheit und Ordnung« nach sich ziehen.

 

Schwarze Sonne

Im NS diente die Schwarze Sonne, die als ein zwölfarmiges *Hakenkreuz oder ein Rad aus zwölf Sig-*Runen gedeutet werden kann, der SS als Sinnbild einer nordisch-heidnischen Religion und eines uralten geheimen Wissens. In der SS-Kultstätte Wewelsburg ist die Schwarze Sonne als Bodenmosaik ›verewigt‹ worden. Heute symbolisiert sie in extrem rechten Kreisen die »Verbundenheit mit der eigenen Art und mit den arteigenen Wertvorstellungen«. Entgegen mancher Darstellungen aus der rechten Szene ist die Schwarze Sonne kein historisches Symbol, sondern ein Kunstprodukt der SS. Es sind keine früheren Verwendungen oder ähnliche Vorläufer bekannt. In weiten Teilen der extremen Rechten, von Neonazi-Skins, der rechten Dark-Wave-Szene bis hin zur so genannten ›Neuen Rechten‹, erfreut sich die Schwarze Sonne nach dem Entwurf der SS hoher Popularität. Sie findet Verwendung als Schmuckstück, Anstecknadel, Tischdecke, Fahne, Uhrzifferblatt und T-Shirt-Motiv. Das Symbol ist nicht verboten.

(In Esoterik-Kreisen, teilweise auch in der Dark-Wave-Szene, wird eine andere ›Schwarze Sonne‹ aus alchemistischer Herkunft genutzt. Sie zeigt eine Schwarze Sonne als reines schwarzes Sonnensymbol. Sie ist zumeist Ausdruck eines überaus elitären Selbstverständnisses.)

 

Zahnrad

Im NS bildete das Zahnrad im Verbund mit dem *Hakenkreuz die Organisationssymbolik der Deutschen Arbeitsfront (DAF), der größten NS-Massenorganisation. Es war auch Teil des Organisationsabzeichens der Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei (FAP) bis zu ihrem Verbot 1995. In originaler Darstellung wie auch mit dem Schriftzug ›FAP‹ ist die Verwendung des Zahnrades verboten. Es findet ohne diese Zusätze jedoch straffreie Verwendung in der Neonazi-Szene, so bei den *Hammerskins oder bei Gruppen der *Freien Kameradschaften. Auch die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) hat das Symbol für sich wieder entdeckt. Die Neonazi-Band Faustrecht ließ einer ihrer CDs sogar in Form des Zahnrades ausstanzen.

 

Embleme und Logos extrem rechter Organisationen

 

Blood & Honour (B&H)

Ins Deutsche übersetzt bedeutet der Organisationsname Blut und Ehre. Diese Worte greifen einerseits den auf den Fahrtenmessern der Hitlerjugend eingravierten Sinnspruch auf. Darüber hinaus stellen sie einen Bezug her zu den antisemitischen »Nürnberger Rassegesetzen«, die ausführlich »Gesetz zum Schutz des deutschen Blutes und der deutschen Ehre« hießen. Die deutsche ›Division‹ des internationalen Neonazi-Skinhead-Netzwerkes Blood & Honour wurde im September 2000 vom Bundesinnenminister verboten.

Als Symbol diente unter anderem die *Triskele, das Wappen von Blood & Honour zeigt das Organisationskürzel B&H in Frakturschrift auf *schwarz-weißrotem Schild. Der Organisationsname sowie die Sektionszugehörigkeit wurde von den Mitgliedern als Brustemblem getragen. Für Mitglieder gab es Organisations- und Sektions-Aufnäher und T-Shirts, für das Umfeld wurde »Supporter«-Bekleidung mit entsprechender Symbolik angeboten. Das Wappen wurde vor allem bei Aufmärschen auf schwarzen Fahnen gezeigt und auf den Titelseiten von B&H-Publikationen verwendet.

Schwerpunkt der B&H-Aktivitäten in Deutschland war und ist die Durchführung von Konzerten sowie die illegale Produktion und der Vertrieb strafbewehrter Musik. B&H angebunden sind zahlreiche Bands, Labels, Versände und Ladengeschäfte. Nach dem Verbot 2000 existiert das Netzwerk überwiegend namenlos weiter, als (straffreies) Bekenntnis zu B&H gewinnt der Zahlencode *28 zunehmend an Bedeutung.

 

Hammerskins

Eine weitere internationale Neonazi-Skinhead-Bewegung sind die Hammerskins. Dabei handelt es sich um ein 1986 in den USA gegründetes Netzwerk mit elitärem Selbstverständnis und paramilitärischer Ausrichtung. Das Hammerskin-Symbol, das sich auf Titelseiten verschiedener Magazine, CDCover, Transparenten sowie als Emblem auf Aufnähern, Jacken und T-Shirts findet, darf gewöhnlich nicht unautorisiert verwendet werden und ist im wesentlichen Mitgliedern vorbehalten.

Der harte Kern deutscher Hammerskins wird auf 200-300 Mitglieder geschätzt, die neben paramilitärischem Training auch Versände und Läden betreiben sowie Konzerte organisieren. Schwerpunkte deutscher Hammerskin-Aktivitäten sind Mecklenburg-Vorpommern, die Lüneburger Heide, das südliche Baden-Württemberg, Sachsen, Berlin und Brandenburg. Die zwei gekreuzten Hämmer stellen angeblich das ›Symbol der weißen Arbeiter‹ dar. Die Symbolgebung ist durch den Film The Wall der Gruppe Pink Floyd inspiriert, wobei das dort gezeichnete Schreckensbild der unter den gekreuzten Zimmermannshämmern marschierenden faschistischen Masse positiv umgedeutet wurde. Als interner Gruß wird das Kürzel H.F.F.H. (Hammerskins Forever - Forever Hammerskins) verwendet.


Symbole mit germanisch/heidnischem Bezug

Die Darstellung von Elementen des germanischen Heidentums und der nordischen Mythologie in der jugendlichen Alltagskultur hat in den vergangenen Jahren auffällig zugenommen. Dieser Rückgriff auf historische und religiöse Vorbilder speist sich aus verschiedenen Quellen und Motiven. Für die völkisch geprägte extreme Rechte ist dieser Bezug ein wesentlicher Bereich der Identitätsstiftung. »Der Rassismus und Nationalismus, der Antisemitismus sowie der Wunsch nach Erneuerung und Rettung können als Merkmale Völkischer Religion gelten.« (Eschebach/Thye: Die Religion der Rechten. Dortmund 1995, S.8.) Die Völkisch-Religiösen praktizieren bestimmte Kulthandlungen, dazu gehören die weithin bekannten Sonnenwendfeiern genauso wie das Osterwasserschöpfen.

 

Zu der verbreiteten heidnischen Symbolik gehört die Irminsul, das Symbol für den Lebensbaum oder die Weltenesche, die das Dach der Welt trägt. Sie gilt als Gegensymbol zum christlichen Kreuz und war im NS Symbol des Ahnenerbe, der zentralen SS-Forschungseinrichtung. Heute ist sie das Symbol der heidnisch-germanischen Artgemeinschaft.

 

Die völkische Rechte ersetzt zudem christlich geprägte Sprache durch ›ursprüngliche‹ Namen germanischer Herkunft. Beliebt sind zum Beispiel die altertümlichen Monatsnamen (Hartung, Hornung, Lenzing etc.) oder das Runenalphabet (Futhark), das als Schrift in den verschiedensten Publikationen oder in Bandlogos auftaucht. Aber auch das Praktizieren von ›Runenmagie‹ und ›Runenyoga‹ gehört dazu.

 

Runen sind altnordische/germanische Zeichen, die teils Laut-, teils Symbolcharakter hatten. Heute werden zumeist Deutungen aus der Zeit der Jahrhundertwende (18./19. Jahrh.) ohne historischen Bezug und mit völkischer Interpretation verwendet. Aber auch Strömungen des esoterischen Heidentums, die versuchen, eine verschüttete, angeblich ursprüngliche Naturreligion wiederzubeleben, bedienen sich eines derartigen ›Runenzaubers‹.

 

Die am häufigsten benutzten Runen sind:

 

Die Lebens-Rune (auch Man-Rune) stellt angeblich einen Menschen dar, der seine Arme den göttlichen Mächten entgegen streckt. Sie ist ein universales Symbol der völkischen Bewegung, das die »lebendigen Kräfte des Volkes« ausdrückt. Sie wird daher in Geburts- und Todesanzeigen abgebildet, als Schmuck getragen und als Propagandazeichen benutzt.

 

Die Todes-Rune (auch Yr-Rune) bildet den inhaltlichen und bildlichen Gegensatz zur Lebensrune. Sie wird anstatt des christlichen Kreuzes in Todesanzeigen verwendet. Die Hagal-Rune (auf dem Bild oben, ganz links) verbindet Todes- und Lebens-Rune. Im NS wurde sie unter anderem von der SS verwendet. Heute benutzen religiöse und extrem rechte Organisationen, wie der Deutsche Bund, die Hagal-Rune. Die Dresdener Zeitschrift Hagal, Untertitel die allumfassende, propagiert völkisches Heidentum.

 

Die Pfeil-, Kampf-Rune oder auch Tyr-Rune symbolisiert die ›Tat‹, den Kampf beziehungsweise Krieg. Sie war schon bei Jugendbünden nach dem Ersten Weltkrieg weit verbreitet und wurde im NS vielfach verwendet, so unter anderem von der Hitlerjugend und der SA. Neofaschistische Gruppen bilden die Rune in ihren Propagandaschriften ab. Das Pfeilsymbol von NPD und JN wird teilweise als entfremdete Pfeilrune gedeutet.

 

Die Odal-Rune wird als ein Symbol für ›Blut und Boden‹ oder allgemein für ›Besitz‹ der Familie beziehungsweise ›Sippe‹ gedeutet. Sie war im NS das Symbol der Reichsbauernschaft und der Hitlerjugend. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie unter anderem von der 1994 verbotenen Wiking-Jugend benutzt. Die Odalrune ist durch ihre Gebräuchlichkeit auch außerhalb der neonazistischen Szene (z.B. in der Bundeswehr) vor Strafverfolgung weitgehend geschützt.  Weitere Runen sind die Sig-Rune (*SS-Abzeichen) und die Wolfsangel oder Gibor-Rune (*Werwolf).

 

In den wenigsten Fällen ist das Zeigen heidnischer oder nordischer Symbole Ausdruck einer tatsächlichen Religiosität. Der Fundus des Germanentums wird benutzt wie ein Supermarkt aus dem populäre Helden ausgewählt werden. Wichtig ist vielen der Ausdruck einer antichristlichen oder antisemitischen Haltung, die sich in T-Shirt-Aufdrucken wie ›Odin statt Jesus‹ wiederfindet. Das vorherrschende Christentum wird als »Religion der Herrschenden« angegriffen. Diesem wird ein historisch nicht belegbares Heidentum entgegen gesetzt, dessen Götter Urgewalt und Seelenheil darstellen sollen. In der Bildsprache von neonazistischen Bands ist daher der Gott Thor die reinigende Kraft. Er soll mit seinem Thorshammer ›das deutsche Volk vom verderbenden Ungeziefer‹ reinigen.

 

Der Thorshammer hat einen hohen Verbreitungsgrad in der rechten Szene und findet sich als Symbol häufig auf T-Shirts und Aufnähern wieder. Besondere Popularität hat er als Halsketten-Anhänger und wird als solcher in unzähligen Modellen angeboten. Der Thorshammer war bis nach dem Ersten Weltkrieg das völkische Symbol schlechthin. Er wird jedoch auch im nicht-rechten Teil der Heiden-, der Dark-Wave- und der Heavy-Metal-Szene und vereinzelt auch in alternativen Kreisen getragen.

 

Der ›kämpferische und gewaltbereite Patriot‹ stellt sich ohnehin gerne als Wikinger, als ›Odins Erbe‹ oder Mitglied von ›Lokis Horden‹ dar. Der Wikinger verkörpert in der Szene ähnlich wie der *Landser die Tugenden der »Opferbereitschaft für Blut und Boden« und die bedingungslose Unterordnung unter ein höheres Ziel. Besonders beliebt ist die Anrufung Walhallas, dem mystischen Ort, an den Odin die im Kampf gestorbenen Krieger holt:

 

»Das Schwert zum Himmel empor

gestreckt, auf den Lippen den

letzten Schrei. Die Gedanken bei

seinem Nordland,

wird es jemals wieder frei?

Sein Leben ist bereit für Valhalla

zu geben, für einen Platz neben

Odins Thron. Mit Trauer und Hass

im Herzen, so starb der letzte

Wikingersohn.«

 

Aus dem Lied Der Wikinger von Kraftschlag.

 

Dieser Text ist entnommen aus der Broschüre "Versteckspiel - Lifestyle, Symbole und Codes von neonazistischen und extrem rechten Gruppen". Für die Erlaubnis zum Nachdruck bedanken wir uns bei der agentur für soziale perspektiven (asp). Die gesamte Broschüre können wir natürlich nur wärmstens empfehlen, genauso wie die dazu gehörige Veranstaltung.


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